Das 192seitige englischsprachige Original des Bandes wurde bereits im Mai 2004 unter dem Titel "
The Art of the Catapult: Build Greek Ballistae, Roman Onagers, English Trebuchets, and More Ancient Artillery" in den USA von Chicago Review Press veröffentlicht. Sein Autor, William Gurstelle (Jahrgang 1956) hat sich bereits damals als Erfinder und Autor einer Reihe von Sachbüchern, wie "
Backyard Ballistics: Build Potato Cannons, Paper Match Rockets, Cincinnati Fire Kites, Tennis Ball Mortars and More Dynamite Devices" auch international einen Namen gemacht.
Die vom Brandenburgischen Verlagshaus herausgegebene deutschsprachige Ausgabe beginnt mit einer "Zeitschiene" zur Darstellung der beinahe 2000jährigen Geschichte des Kriegsgeräts, das nach den griechischen Begriffen "kata"(gegen) und "pallein" (schleudern) als Katapult bezeichnet wird. Die ersten Tensionskatapulte beruhten auf das Prinzip des Bogens und wurden vermutlich erstmalig im Jahre 399 v. Chr. von Dionysos I., dem Tyrannen von Syrakus eingesetzt. Der letzte - jedoch nicht erfolgreiche - Einsatz eines Trebuchets wird 1521 bei der Eroberung Mexikos durch die Soldaten des Hernando Cortez erwähnt.
In seiner Einleitung "Die Zeit vor Erfindung des Schießpulvers" führt der Autor die Chronologie der Entwicklung näher aus. Hierbei bringt er die Kriegsgeräte mit historischen Gestalten, wie Alexander dem Großen, Sultan Saladin, den Königen Philipp II. August und Richard I. sowie dem Abenteurer, Piraten und großartigen Katapultkonstrukteur John Crabbe in Verbindung. Daneben gibt er einen Überblick über die verschiedenen Bezeichnungen, wie die römischen Ballisten und Onager, die mittelalterlichen Mangonels, Petraries, Skorpione und Tormenta. Von den Chinesen wurden die mechanischen Artilleriewaffen Hsuan Feng (Wirbelwind) von den Seldschuken "Hexen mit Haaren aus Seilen" genannt.
Bevor William Gurstelle mit seiner näheren Vorstellung von sieben verschiedenen Wurfmaschinen beginnt, stellt er im ersten Kapitel zunächst allgemeine Sicherheitsvorschläge und -regeln auf, die bei ihrem Nachbau und Erprobung unbedingt zu beachten sind. Das zweite Kapitel dient der Darstellung der antiken Kriegsführung. Eine Sonderform des Angriffes stellt die "Wissenschaft von der Belagerung" dar. In detaillierten Zeichnungen werden Burgwall, Minen und Gegenminen und ein "Sturmangriff aus der Vogelperspektive" dargestellt.
Die nachfolgenden Kapitel drei bis neun beginnen jeweils mit einem zweiseitigen Farbfoto einer Belagerungsmaschine setzten und sich aus zwei Teilen zusammen. Während im ersten Teil historische Ereignisse und ihre Protagonisten, die verschiedenen Bezeichnungen, technische Entwicklung und der Einsatz des Kriegsgerätes vorgestellt werden, bietet der jeweilige zweite Teil eine ausführliche Materialbeschreibung und Bauanleitung. Die Bauanleitung sind auf grauen Seitenpapier abgedruckt und heben sich daher von den historisch-beschreibenden Abschnitten ab. Während eine Vielzahl von Abbildungen das handwerkliche Vorgehen visualisieren, gibt es erneut auch wichtige Sicherheitshinweise.
Im dritten Kapitel erfährt der Leser den Unterschied zwischen Tensions-, Torsions-, Traktations- und Schwerkraftkatapulten und ihre Geschichte, bevor er im zweiten Teil die originelle Anleitung Bau eines Federmaschinenkatapultes bekommt. Im Mittelpunkt des vierten Kapitels steht Alexander der Große und die Belagerung von Tyros, dessen Bewohner ein großes Speichenrad und ein Spinnrad zum Abfangen der Wurfgeschosse einsetzten. Der technische Teil beschreibt den Nachbau einer makedonischen Balliste und den Einsatz von Handschleuder und thrakischen Stabschleuder. Kapitel fünf hat die Belagerung Akkons während des dritten Kreuzzuges zum Gegenstand und vermittelt den Nachbau eines als "Steinwerfer Gottes" bezeichneten Traktionskatapultes. Das große Pferde-Trebuchet und sein Nachbau werden im sechsten Kapitel beschrieben. Die beiden nachfolgenden Kapitel beschrieben den schottischen Unabhängigkeitskrieg und die englischen Kampagnen gegen Flandern und Frankreich im 13. Jahrhundert, dazu gibt es die Baubeschreibungen eines "Wilden Esels" (Onager) und eines "Kriegswolfes" (Lugar). Mit dem Einsatz der Feuerwaffen fanden die mechanischen Geräte ein Ende. En miniature sollten sie jedoch bis heute als Spielzeug Verwendung findet, was im neunten Kapitel mit dem Nachbau eines "Korbpultes" verdeutlicht wird.
Ein kleines Glossar und eine Bibliographie runden eine gelungene Synthese aus historischen Ereignissen und Personen, Technikgeschichte und do-it-yourself-Erfahrungen ab, die mit 5 Amazonsternen zu bewerten ist.