INTRO
In meinem Regal häufen sich in letzter Zeit LPs, auf deren Cover schwarz-weiß fotografierte Männer nach links schauen. Jan Gazarras "I've Come To See You Once Again", zum Beispiel, und Brian Enos "Before And After Science" (mit dem wunderbaren "By This River" aus: "Das Zimmer meines Sohnes" und "Y Tu Mamá También"). Nun auch "Katalog" von Eight Miles High: Roman Flügel dreht den Kopf zur Seite. Abgesehen davon, dass sich diese optische Parallele durchaus ins Musikalische übertragen lässt (Gazarra verbindet Songwriting mit Elektronik ein Feld, das Eno schon in den 70ern beackerte; Flügel macht im Prinzip dasselbe, nur ohne Gesang), ist an dem Cover noch etwas anderes bemerkenswert: Eine kleine Warze an Romans Kinn. Hätte er nach rechts geschaut, wäre sie im Dunkeln verborgen geblieben. Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass das eine bewusste Entscheidung war, denn auch in seiner Musik offenbart Roman ein Wissen um den Charme kleiner "Schönheitsfehler" bzw. Irritationen. Details, die die elektronisch geglättete Oberfläche durchbrechen und wenn man auf sie hört, sehr wichtig, vielleicht sogar unverzichtbar werden. Ein Sample von Sun Ra, Vogelgezwitscher aus dem Wald, ein flüchtiger Flirt mit Bossa Nova, ein Schritt in den Wild Pitch Club: Eight Miles High verbindet Dinge, von denen man geglaubt hätte, dass sie nicht zusammen passen, mit Melodien, die so klingen, als ob sie sich selbst geschrieben hätten. Elegant, schön, unaufdringlich. Wenn man sich jetzt noch kurz daran erinnert, dass Eight Miles High quasi "nur" ein Exkurs ist, und Roman normalerweise alias Alter Ego (mit Jörn Elling Wuttke) amtliche Techno-Bretter fräst, kann man eigentlich nur noch sagen: Hut ab vor dieser Spannbreite, Herr Flügel!
Jan Kedves / Intro - Musik & so
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