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Kasse 53 [Gebundene Ausgabe]

Nils Mohl
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

Februar 2008
Kasse 53 ist ein Abenteuerroman aus der Warenwelt, eine Hommage an die kühnen Menschen im Einzelhandel, eine Odyssee zwischen Innenstadt und Stadtrand – vor allem aber ein beispielloses literarisches Unternehmen: In schnell geschnittenen Erzählschüben wird aus Sicht eines namenlosen Kassierers das Kaufhaus als ein Kosmos beschrieben, in dem sich die Geheimnisse der Existenz offenbaren. Es geht um sechs Tage im August 1999. Um mehr als 3.000 Kunden. Um den Terror der Anderen. Und um Fragen der Haltung: „Der Preis wird im Kopf gezahlt“ (Ursula Krechel).

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 210 Seiten
  • Verlag: Achilla Presse; Auflage: 1., Aufl. (Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940350036
  • ISBN-13: 978-3940350039
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 12,6 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 880.120 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Nils Mohl wurde 1971 geboren. Er lebt mit seiner Familie in Hamburg und arbeitet als Werbetexter und Dozent. Für seine Short Storys wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem war er zweimal Preisträger beim MDR-Literaturpreis sowie zweimal mit dem Literaturförderpreis der Stadt Hamburg

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5.0 von 5 Sternen Hinter den Kulissen einer Service-Wüste 27. Februar 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Ein spannend, ironisch, lustig, interessant, informativ geschriebener Roman.
Der Leser bekommt einen kleinen Eindruck in den Alltag eines Kaufhauskassierers (im Übrigen ohne Namen).
Der Wochenalltag des Kassierers hinter der "Kasse 53" wird auf rund 200 Seiten geschildert. Im Grunde spielt sich tagtäglich das selbe Szenario ab, nur wird an jedem Tag wieder ein neues Detail gefunden, welches es zu beschreiben gilt - und beschrieben wird hier so einiges und das nicht zu knapp. Die Schilderungen und Beschreibungen sind detailreich, ähneln oftmals einer Aufzählung, einer langen Kette von Eigenschaften und Vergleichen. Aber diese ausführlichen Beschreibungen und Aufzählungen lassen ein Bild der Personen, der Gegenstände oder der Umgebung im Kopf des Lesers entstehen. Sei es bei den unterschiedlichsten Kunden, die dem Leser begegnen oder die Landschaft auf dem Nach-Hause-Weg des Protagonisten. Apropos: Die
Informationen über den Mann hinter der Kasse Nr.53 sind dürftig. Wir erfahren nicht viel oder vielleicht doch? Bei "Kasse 53" muss man ein wenig genauer hinschauen, denn jeder Blick zwischen die Zeilen lohnt sich; am Ende formt sich ein kleines Bild des Kassierers im Kopf des Lesers.
Aber nicht nur bei ihm lohnt sich ein ausführlicher Blick. An so vielen Stellen wird sich der eine oder andere Leser sicherlich wiedererkennen. Entweder als einer der freundlichen, unkomplizierten Kunden oder als jemand, der die Kartennummer oder das ganze Portemonai vergessen, dem ein Missgeschick passiert ist oder der sich sonst irgendwie auffällig verhält. "Kasse 53" ist nicht _nur_ein_Roman_, sondern auch Tatsachenbericht zugleich. Hierfür reicht ein Blick in die eigene Vergangenheit (EC-Karte vergessen und Einkäufe bereits eingescannt o. Ä.) oder der Blick nach Vorne zur Kasse, wenn man wieder einmal in der Schlange ansteht und
wartet, weil eine Kundin den Inhalt ihrer Handtasche über den Tresen verteilt hat.
Zur Erzählstruktur. Vielleicht etwas verwirrend. Einen Erzähler, welcher in der ersten und dritten Person das Geschehen schildert kennt jeder, persönliche Ansprachen sind jedoch eher seltener in der Unterhaltungsliteratur zu finden. Die Erzählperspektive wechselt in
regelmäßigen Abständen zwischen den eben genannten Instanzen. "Ich", "du" und "der Kassierer" und niemand nennt einen Namen, aber warum auch, eigentlich brauchen wir den auch gar nicht.
Und da geht noch mehr: Es wechselt nicht nur die Erzählweise, sondern auch die Form des erzählten Inhalts. Mal wird vom Kunden berichtet, vom Kollegen erzählt oder einfach der Kassenabschluss, der Weg nach Hause, zum Bahnhof,
der Sonntagmorgen zu Hause geschildert. Und der Kassierer philosophiert, über das Leben, die Kunden, die Frauen, Bedürfnisse, Kollegen und ihre Angewohnheiten; einfach über was man so nachdenkt. Manchmal abwägig, dennoch
immer am Alltag orientiert und nie zu abstrakt, so dass man den Gedankengängen gut folgen kann. Der Leser hat so am Leben (außen als auch
innen) des Kassierers teil. Einerseits - wie oben geschrieben - zwar distanziert, aber dennoch nah. Nicht immer weiß man, warum der Protagonist
etwas tut, warum er beispielsweise seinen Kollegen verfolgt.

Fazit oder: Was teils kompliziert auseinandergenommen wurde, kann man auch kürzer Fassen: "Kasse 53" ist ein sehr unterhaltsamer Roman mit hohem persönlichen Wiedererkennungswert. Ist man am Ende angekommen, so stellt man
fest, wie rasend schnell doch eine Woche verflogen ist. Und verlief diese Woche gut, gab es schöne, lustige, aufregende, spannende Augenblicke, so möchte man gerne noch einmal die Zeit zurückblättern und die Woche von vorn beginnen lassen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jesus wäre ein prima Kassierer gewesen 6. März 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Eine Woche im Leben eines namenlosen, in einem Hamburger Kaufhaus arbeitenden und in der Platte am Stadtrand wohnenden Kassierers. Eines Kassierers, der mit Herz und Hirn bei der Sache ist, dafür aber nicht so recht zu sagen weiß, wie es eigentlich kam, daß er Kassierer geworden ist. Dafür weiß er umso genauer anzugeben, weshalb er es noch immer ist: das Kassieren ist eine Kunst von hoher Intensität, und diese Kunst, erweitert um die an Sarkasmen und Humor ausgesprochen reiche Innenwelt unseres Endzwanziger-Kassierers, stellt Nils Mohl auf 200 stilistisch von wunderbarer und selten gewordener Sicherheit gestalteten Seiten vor.

>>Dass man gut vierundzwanzig Arbeitsstunden und rund zweitausend Kunden nach Wochenstart den Eindruck hat, es sind nicht Krethi und Plethi, sondern Krethi, Plethi und Yeti unterwegs, ist nicht verwunderlich: Reizüberflutung. Der Donnerstag kommt einem immer so vor wie der Tag der Gestörten und Kaputten, wie der Tag der Seligen, Dummtröpfe, Paradebilen, Teilverwirrten, der Halbidioten, wie der Tag der Narren, Tölpel, Simpel und Toren, wie der Tag der Trottel, Volldeppen und Komplettdefekten.<<

Die ungewöhnliche, den Leser direkt ins Geschehen einbeziehende Du-Perspektive, die zuweilen in eine neutrale, eine Erzählperspektive des „Man“ übergeht, das vage Schwebende der inneren Monologe, die von einer nachgerade naturwissenschaftlichen Versuchsanordnungs-Diktion und einer teilnahmslos-beobachtenden Haltung durchzogen sind, auch die bis ins Detail genauen und lebensechten Darstellungen von Menschen (der Spezies „Kunde“), ohne jede Sentimentalität vorgetragen, haben mich an niemand Geringeren als an Alain Robbe-Grillet denken lassen. Oder auch an Michel Butor. Nicht zufällig sind sie, die Anklänge an den Nouveau Roman.
Sicher, dadurch ist ein nicht gerade plotorientiertes Buch entstanden, Figuren im klassischen Sinne gibt es auch keine; bisweilen erinnert „Kasse 53“ mehr an eine hochironische Einzelhandelsreportage im Stil der späten Sechziger Jahre als an eine konventionell erzählte Geschichte. Und gerade dies macht es in einer Zeit der gesichtslosen und ununterscheidbaren kulturindustriellen Hochproduktion, auch und gerade in der deutschsprachigen Belletristik, zu einem Kleinod. (Zumal das Buch, dies nur am Rande vermerkt, perfekt lektoriert und gestaltet ist. So etwas erlebt man bei Großverlagen schon lange nicht mehr, da muß man zu Achilla-Presse greifen.)
Dieses Buch zu lesen ist höchster Genuß! Vor allem für all die, die Nils Mohls wunderbare Welt zwischen den Zeilen aufzuspüren vermögen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das wären dann bitte zweihundertundzehn Seiten 30. Juli 2009
Format:Gebundene Ausgabe
Wer lange genug im selben Supermarkt einkauft, kennt seine Kassierer(-innen), es sei denn, alle Sensoren sind schon völlig tot: die Arrogante, die Nette, die Trödelige, die Hektische, den Ungepflegten, die Neue, die immer fragen muss. Sehen diese Angestellten uns als Individuen oder sind wir nur anonyme Masse, einfach Paxe, wie es in der Luftfahrtbranche heißt. Kategorisieren sie uns als Drängler, Träumer, Schwatzhafte, Kleingeldhorter, PIN-Vergesser?

Nils Mohl hat sich das alles gut angeschaut, hat die Gerüche der Scheine, der Kunden, des Linoleums in der Umkleide sortiert. Sein Service ist routiniert, er kann zugleich Akteur und sein eigener Beobachter sein: "Ihr Kassenbon und einen Pfennig zurück für Sie." Wir lesen es und fühlen uns durchschaut. Nie wieder werden wir nach der Lektüre auf die Idee kommen, auf die Frage "Eine Tüte?" mit etwas Witzigem ("Wenn Sie mich so drängen") zu antworten.

Worin liegt aber nun der Reiz des Romans? Ich denke, es ist der Erzählstil, den Nils Mohl durchgängig wählt: lange Aufzählungen, präzise Beobachtungen allerlei Trivialitäten (Korpusfarbe anthrazitgrau RAL 7016, vier Bestattungsinstitute auf dem Heimweg), Ordnungen und Reihen, schnelle absurde Zahlenspiele (das wären dreineunundneunzig bitte und noch genau dreihundertneunundneunzig Minuten bis Kassenschluss). So ein wenig erinnert es an ein Savant-Syndrom, Dustin Hoffman als Raymond im Film "Rain Man" 1988 lässt grüßen ("Doch es gibt eine Fluglinie, Qantas hatte noch nie einen Absturz"), auch in der Art, wie er und Raymond unvermittelt zu philosophischen Ausflügen anheben.

Trotzdem ist sein Kassierer anders, weil er mehrere Ebenen des Bewusstseins beherrscht, feine zwischenmenschliche Töne und Ironie inklusive, etwa wenn er seinem Chef einen Streichholzeiffelturm als Abendbeschäftigung auftischt. Insgesamt kommt dabei ein intelligentes Buch eines begabten Autors heraus, dem es - themabedingt - nur ein wenig an Spannung mangelt.

Fazit: Darf man dank hübschem Umschlag im Urlaub auch als pièce de conversation auf den Caféhaustisch legen, das Lesebändchen auf S. 124 (Donnerstag, der Tag der Gestörten und Kaputten...).
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