über christa wolfs "kassandra" an sich muß nicht viel gesagt werden.
die erzählung stellt einen meilenstein der literatur dar. hier nun trägt käthe reichel, sehr eigen, sehr typisch, also großartig, eine verdichtete variante vor. die geschichte wird excerpiert nach den grundbetrachtungen über die entstehung, den verlauf und die unmittelbaren folgen des krieges um troja. viele erzählpfade, personen, die die gesamte erzählung ausgestalten, kommen in diesem vortrag nicht vor, nicht zu wort. und doch fügt sich dieses "zerschnittene" zu einem stringenten, thematisch focusierten bild. die darstellung der grossen reichel schürft gründlich, lotet tiefen aus, die dem hörer eine intensität der empfindungen, eine anschaulichkeit des geschehens vermitteln, die dem text eine andere, nicht neue, aber eben gebündelte schärfe schenken. emotionen werden frei- und ausgelegt, spannungen und zweifel in den dialogen/ gedanken in ein greifbares verhältnis zu wirklichkeit und tat gestellt. nach diesem hörerlebnis las und erlebte ich -zumindest- die wolfsche erzählung anders, noch voller, noch packender und noch echter, wahrer. ein tiefempfundener dank an die autorin und an käthe reichel für dieses geschenk.
über "sisyphus" von vytante zilinskaite kann ich nicht mehr sagen, als mir diese cd "liefert". der mythos, gut bekannt und oft als gleichnis bemüht, wird hier auf eine ironische weise entkleidet, vorgeführt und transportiert. in die gegenwart, sicher auch in die zukunft, denn die selbstbezogenen und -gefälligen entwicklungen aller beteiligten erscheinen in dieser darstellung universell und zeitlos. die menschliche gesellschaft (die herde ;)) an sich steht im focus, verglichen immer zwischen wunsch und wirklichkeit, plan und verlauf, vorsatz und erfüllung. daraus entwicklet sich ein kritisch- ironischer, für manche seele sicher beissender, entlarvender blick auf die blendungen, täuschungen und versprechungen, die sich selbst und anderen immer wieder zugemutet werden. mit witz spart diese geschichte mitnichten. und im vortrag reichels gewinnt sie teilweise einen sarkastischen ton, der augen, vielleicht auch grenzen öffnen kann.
hervorragend und unterhaltsam. selten genug!