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Produktinformation
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Wenn man einmal in die Welt von "Kassandra" eingetaucht ist, dann entsteht eine tiefe Faszination für die mythologischen Figuren, die ja gerade zur Zeit, da Troja und Co. wieder groß in Mode sind, von Interesse sein dürften, und das komplizierte Beziehungsgeflecht, das sie umgibt. Dabei ist es besonders interessant, die ganze Geschichte aus einer radikal veränderten Position zu lesen. "Kassandra" ist kein trojanisches Heldenepos, keine Beweihräucherung männlicher Kampfkraft, sondern das genaue Gegenteil. Aus weiblicher Sicht, nämlich aus Sicht der trojanischen Königstochter Kassandra, werden die Ereignisse geschildert, wobei allerdings nicht der Trojanische Krieg an sich, sondern ihre Seelenlandschaft auf dem Weg zur Selbstfindung- und befreiung im Mittelpunkt steht. Das ist durchaus faszinierend. Mit einer ordentlichen Portion Bitterkeit wirft Kassandra ihren zuweilen glasklaren Blick auf die Geschehnisse um sie herum und entlarvt dabei die Urtypen menschlicher Dummheit und Abgründe. Somit steckt in diesem Buch auch erschreckend viel Wahrheit.
Nebenher begeistert mich auch die Sprache, die eine fast lyrische Schönheit erreicht. Ich habe das Buch ein weiteres Mal komplett laut gelesen, um mir die brillanten Wortkompositionen wirklich auf der Zunge zergehen zu lassen.
Kritikpunkte am Buch sind für mich Folgende:
1. Der Aufbau: Wie gesagt, man durchsteigt den komplizierten Aufbau nach einiger Zeit, nur frage ich mich, ob das Buch weniger gut wäre, wenn es weitesgehend chronologisch geschrieben wäre und komme zu der Erkenntnis, dass nicht. Nun mag man argumentieren, dass das eben der "moderne" Stil sei, der die Unfassbarkeit der Welt hervorhebt. Nur halte ich dem entgegen, dass der moderne Stil nicht auch unbedingt der beste Stil sein muss.
2. Das Projekt "Weibliches Schreiben": Wenn man sich auch mit der Entstehungsgeschichte des Werkes ein wenig auseinander setzt, was im Rahmen des Schulunterrichtes nicht ausbleibt, so kommt Christa Wolfs Vorhaben des "weiblichen Schreiben" alsbald zur Sprache. Dies ist eine neue, feministische Konzeption des Autorentums, in der die Unterdrückung der Frau aufgehoben werden soll und Dinge aus einer speziellen, weiblichen Sicht geschildert werden sollen. Mal ganz davon abgesehen, dass dieser ganze Feminismus-Komplex für mich als Mann vielleicht nicht ganz so interessant ist, so finde ich Christa Wolfs Konzept nicht weniger diskriminierend als die Unterdrückung der Frau. Männer werden in dieser Konzeption als "Unmenschen" pauschalisiert. Ich sperre mich zudem gegen den oft vertretenen Gedanken der Trennung von Mann und Frau. Ich glaube nicht, dass beide Geschlechter die Welt anders sehen. Es gibt Unterschiede zwischen den Menschen als Individuen, aber nicht grundsätzlich zwischen den Geschlechtern. Das mag natürlich jeder sehen, wie er oder sie will, keine Frage, mich verschreckt das "weibliche Schreiben" allerdings ein wenig.
Insgesamt aber ein sehr kluges und durchdachtes Werk, das zu lesen sich lohnt!
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