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Kassandra: Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
 
 
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Kassandra: Erzählung (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Christa Wolf
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 178 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 5 (18. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518460528
  • ISBN-13: 978-3518460528
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,6 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 88.987 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Christa Wolf
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

In Kassandra greift Christa Wolf auf einen Mythos des abendländischen Patriarchats zurück, den Trojanischen Krieg. Während Kassandra, die Seherin, auf dem Beutewagen des Agamemnon sitzt, überdenkt sie noch einmal ihr Leben. Mit ihrem Ringen um Autonomie legt sie Zeugnis ab von weiblicher Erfahrung in der Geschichte.

Über den Autor

Christa Wolf, geboren 1929 in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski), lebte in Berlin und Woserin, Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Georg-Büchner-Preis, dem Thomas Mann Preis und dem Uwe-Johnson-Preis, ausgezeichnet. Sie verstarb 2011 in Berlin.


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25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Unehrlich und einseitig 9. Januar 2010
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
"Kassandra" ist Christa Wolfs größter Verkaufserfolg, und mit diesem Buch traf sie 1982-83 in der damals heftig frauen- und friedensbewegten Gesellschaft der Bundesrepublik einen Nerv.

Die trojanische Seherin und Königstochter Kassandra, mittlerweile Kriegsbeute des Königs Agamemnon, weiß, dass sie in wenigen Stunden sterben wird. Klytämnestra wird sie töten, und Kassandra erinnert sich während dieser letzten Stunden an ihr zurückliegendes Leben als Seherin, als Zeugin des trojanischen Krieges, an ihre Zeit am Skamander. Entsprechend ist der Text als innerer Monolog angelegt, der mehrere Zeitebenen berührt.

Ich kann mich mit diesem Text nicht anfreunden. Das Projekt, die Mythen um den Trojanischen Krieg aus weiblicher Sicht zu erzählen, hat sicher seinen Reiz, aber insgesamt bin ich enttäuscht. Enttäuscht nicht, weil diese "weibliche Sicht" einen Perspektivenwechsel darstellt, enttäuscht auch nicht, weil andere Schwerpunkte gesetzt werden; sondern enttäuscht, weil Christa Wolf massive Verfälschungen des Mythos selbst vorgenommen hat, um ihr Bild einer patriarchalischen Gesellschaft zu zeichnen, in der Frauen unterdrückt und vom gesellschaftlichen Leben zunehmend ausgeschlossen werden. Im Gegensatz dazu zeichnet sie eine utopische Gegen-Welt am Fluss Skamander auf, in der Frauen ohne Hierarchien in Frieden und Eintracht leben, die im Kontrat zur männlichen Palast-Welt steht.

Ein paar Zeilen mögen zeigen, worin die Unehrlichkeit und Oberflächlichkeit Wolfs bestehen. So heißt es auf Seiten 171-172, auf denen Wolf "ein Drittes zwischen Töten und Sterben" darstellt, die Gegenwelt am Skamander: "Und unser neues ungebundenes Dasein, eine neue Freude jeder neue Tag, bis hierher reichte die Zitadelle nicht [...] Wir drückten unsere Hände nebeneinander in den weichen Ton. Das nannten wir, und lachten dabei, uns verewigen. Es wurde daraus ein Berührungsfest, bei dem wir, wie von selbst, die andere, den anderen berührten und kennenlernten. Wir waren gebrechlich. Da unsere Zeit begrenzt war, konnten wir sie nicht vergeuden mit Nebensachen. Also gingen wir, spielerisch, als wäre uns alle Zeit der Welt gegeben, auf die Hauptsache zu, auf uns. Zwei Sommer und zwei Winter." Wer Lesern einreden will, dass in einer Kriegssituation, mit der die Frauen auch immer wieder konfrontiert werden durch entsprechende Überfälle, dennoch nur Friede, Freude und Berührungsfeste herrschten, in der jeder neue Tag eine neue Freude sei, ein völlig spannungs- und konfliktfreies Dasein, der nimmt diese Leser sichtlich nicht ernst. Diese Darstellung Wolfs, die die Nähe zum Kitsch nicht scheut, ist in ihrer Einseitigkeit einfach unglaubwürdig und literarisch wertlos.

Ein anderes Beispiel: Hekabe, Kassandras Mutter, war vor dem Krieg eine dominierende Größe im politischen System Trojas. Intellektuell und als politischer Kopf ihrem Mann überlegen, geschätzt und geachtet. Doch plötzlich verliert sie Macht und Einfluss, schließlich wird ihr sogar der Zugang zum Hof verwehrt. - Laufen so die dem großen Publikum verborgen bleibenden Machtkämpfe ab? Dass eine Person so einfach verzichtet, ohne jeden Widerstand, ohne Zwist? Hier verschenkt Wolf sehr viel, über platte Bestandsaufnahmen kommt sie nicht hinaus. Wolf gibt weder Einblick in politische noch in psychologische Strukturen; weder erklärt sie Entwicklungen, noch bietet sie Einsicht in gesellschaftliche Zusammenhänge. Das ideologisch motivierte Weltbild Wolfs mit seiner simplen geschlechterdichtomischen Weltsicht ließ offenbar solche interessanten Sichtweisen und Fragestellungen nicht zu, die eigentliche Aufgabe eines Schriftstellers, Zusammenhänge und Verborgenes deutlich zu machen, wird nicht nur nicht erfüllt; sie wird sogar nicht einmal gestellt. Sehr traurig.

Ich halte es auch für einen Irrtum, wenn man annimmt, es sei nicht so wichtig, ob man den Mythos kenne oder nicht; ich meine, wer ihn nicht kennt oder nur sehr oberflächlich, wird die Zielrichtung Wolfs nicht erfassen.

Einige Beispiele mögen das belegen:
Zunächst einmal ist die Behauptung nicht korrekt, der Sagenschatz um Troja verherrliche den Krieg oder einzelne Krieger wie Achilles, und Christa Wolf mache lediglich deutlich, wie menschenverachtend und anachronistisch diese Sicht sei. Schon den Griechen selbst galt Achilles als Barbar, weil er gegen bestimmte Kampfregeln verstieß. Als er z.B. Hektor nach dessen Tod an seinen Streitwagen bindet und hinter sich her um die Festung schleift, verstößt er gegen bestehende ritterliche Kampfregeln; und das wurde schon damnals kritisiert. Dennoch ist er insgesamt ein gebrochener Charakter. Nach dem Sieg über die Amazonenkönigin Penthesilea, nimmt er ihr den Helm ab und bricht in Tränen aus und bereut seine Tat. Nichts davon bei Christa Wolf ... Sie nimmt ausschließlich die schlechten Seiten Achills heraus und, als reiche das nicht, verfälscht sie den Mythos mitunter: Achill beweint nicht Penthesilea, sondern er schändet sie auch noch nach ihrem Tod. Die nekrophilen Neigungen Achilles sind eine Erfindung Wolfs, und ich halte es für nicht vertretbar, antike Mythen derart umzukehren, um die eigene Weltsicht belegen zu können. Aus dem gebrochenen Charakter der Figur bei Homer wird ein eindeutig negativer, der insgesamt eine entscheidende Rolle dafür spielt, dass sich eine sehr simple Schwarz-Weiß-Sicht ergibt. Und das ist in keinem Fall ein Merkmal großer Literatur, sondern nur ein Merkmal zweifelhafter Ideologien.

Aber auch andere Erfindungen dienen dazu, die Sicht auf Frauen als Opfer männlicher Gewalt zu zeigen. So wird der Raub der Helena zu einem Phantom erklärt, der Krieg selbst wird zum ausschließlichen Raub- und Eroberungskrieg umgedeutet, in dem idealistische Motive keine Rolle spielen, der aber aus zerstörerischem "männlichen Denken" folge; die Geschichte Marpessas (Vergewaltigung durch Stallknechte wird angedeutet) wird ebenso verändert wie die der Kassandra selbst. Warum glaubte man der Seherin nicht? Die Antwort Wolfs: Weil man Frauen nicht glaubt. Es sei deren Schicksal, in einer Männerwelt nicht gehört zu werden. Im Mythos dagegen: Die Gabe einer Seherin erhielt Kassandra durch Apoll aufgrund des Versprechens, ihn zu lieben. Kassandra aber hielt ihr Versprechen nicht, und daraufhin wurde sie mit dem Fluch belegt, dass niemand ihr mehr glauben werde. Ein frauenfeindlicher Akt? Nun, auch das wäre nur der Fall, wenn entsprechende Flüche nur Frauen getroffen hätten. Der Sagenschatz um Troja kennt aber andere Beispiele. Das bekannteste ist sicher der Fall des Königs Odysseus, der, von Poseidon verflucht, nach dem Krieg lange nicht nach Ithaka zurückkehren durfte.

Nun wird man einwenden können, dass jede Antike-Rezeption Veränderungen des Homerschen Sagensschatzes mit sich bringt; die entsprechende Verfilmung von Wolfgang Petersen ist sicher ein bekanntes Beispiel dafür. Die Frage muss aber sein, ob man den Geist eines Mythos widerspiegelt, ob man zentrale "Botschaften" erfasst oder nicht. Und hier muss man das im Falle von Christa Wolfs Erzählung verneinen. Sie trifft Homer eben nicht. Sie denunziert ihn als angeblichen Vertreter einer "männlichen Sicht" (was immer das auch ist) und verändert seine Geschichte maßgeblich: aus gebrochenen, differenziert dargestellten Helden werden schablonenhafte Schwarz/Weiß-Figuren.

Ein Fazit also: Mich stört erheblich, dass Christa Wolf den Mythos in erheblichem Umfang verfälscht, um die eigene Sicht einer seit Jahrtausenden bestehenden frauenfeindlichen patriarchalischen Gesellschaft zu entwickeln. Ich kann nur hoffen, dass die Schüler, die den Text im Rahmen ihrer Abiturvorbereitungen lesen, von ihren Lehrern auf diese erheblichen inhaltlichen Veränderungen Wolfs hingewiesen werden.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Perspektivwechsel 10. April 2008
Von David S.
Format:Taschenbuch
Über den Mythos Troja muss man wohl keine Worte verlieren - er ist hinlänglich bekannt. Christa Wolf verarbeitet diesen Mythos, indem sie die trojanische Seherin und Königstochter zur Erzählerin werden lässt. Diese schildert ihre ganz persönliche Sicht auf ihr Leben in der Retrospektive. Dies beinhaltet zwei (vielleicht von einander stark abhängige) neue Sichtweisen. Ersten wird durch die moderne Erzählung der trojanische Krieg seiner heldenhaftigkeit beraubt, indem der Krieg in seiner Grauenhaftigkeit und Sinnlosigkeit entlarvt wird und zweitens ist die Erzählerin in ihrer Betrachtungsweise konsequent weiblich. Letzteres will heißen, dass die Protagonisten und ihre Handlungen auf ihr Geschlecht zurück geführt werden. Den Vorwurf allerdings das Buch sei Männerfeindlich kann ich nicht teilen. Zwar wird hier animalisch-männliches Verhalten verurteilt (personizifiert durch den Griechenheld Achill), aber Männer kaum pauschal verurteilt. Es gibt durchaus 'positive' Männergestalten.
Die Erzählung ist, fast ausschließlich, als innerer Monolog von Kassandra verfasst, ein Umstand der dazu führt, dass, ins Besondere zu Beginn der Lektüre, wenig klarheit über Chronologie und Wirkungszusammenhänge herrscht. Andererseits kann die Autorin erreichen, dass man so ein Gefühl für die Situation in der sich Kassandra befindet bekommt und sich durch das Geschilderte betroffen fühlt. Die Autorin geht bei der Beschreibung der Charaktere nach mit sehr viel psychologischem Scharfsinn vor. Meiner Meinung nach ist es im Besonderen hervorragend gelungen, die Tragik der Geschichte, die Unausweichlichkeit der Unglücks darzustellen.
Insgesamt eine Lektüre, die mich gefesselt hab und die ich mit Gewinn gelesen habe. Ein wenig Vorwissen um den Mythos kann nicht Schaden, ist allerdings auch nicht unbedingt von Nöten. Kauf- und Leseempfehlung von mir.
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44 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Es dauert, aber dann...! 16. Januar 2005
Format:Taschenbuch
Aufgrund der Tatsache, dass dieses Buch vorgeschriebene Schullektüre war, auf der einen Seite, zum Anderen nach dem Lesen der ersten Seiten stand ich dem Buch äußerst kritisch gegenüber. Das Bittere ist, dass man anfangs wirklich überhaupt nichts versteht, nicht, worum es geht, nicht, wer die handelnden Personen sind. Erst nach einem Drittel des Buches kristallisieren sich langsam echte Handlungsstränge heraus und in der zweiten Hälfte kann man das Geschehen dann nachvollziehen. Wenn man fertig ist, muss man halt noch einmal den Anfang lesen, der im Gesamtkontext durchaus einen Sinn gibt. Das Problem bei der Aufnahme des Buches ist, dass sich die Geschichte keineswegs chronologisch entwickelt, sondern durch zahlreiche Zeitsprünge durchzogen ist, die zu allem Überfluss auch noch vermehrt zu Beginn des Buches auftreten.

Wenn man einmal in die Welt von "Kassandra" eingetaucht ist, dann entsteht eine tiefe Faszination für die mythologischen Figuren, die ja gerade zur Zeit, da Troja und Co. wieder groß in Mode sind, von Interesse sein dürften, und das komplizierte Beziehungsgeflecht, das sie umgibt. Dabei ist es besonders interessant, die ganze Geschichte aus einer radikal veränderten Position zu lesen. "Kassandra" ist kein trojanisches Heldenepos, keine Beweihräucherung männlicher Kampfkraft, sondern das genaue Gegenteil. Aus weiblicher Sicht, nämlich aus Sicht der trojanischen Königstochter Kassandra, werden die Ereignisse geschildert, wobei allerdings nicht der Trojanische Krieg an sich, sondern ihre Seelenlandschaft auf dem Weg zur Selbstfindung- und befreiung im Mittelpunkt steht. Das ist durchaus faszinierend. Mit einer ordentlichen Portion Bitterkeit wirft Kassandra ihren zuweilen glasklaren Blick auf die Geschehnisse um sie herum und entlarvt dabei die Urtypen menschlicher Dummheit und Abgründe. Somit steckt in diesem Buch auch erschreckend viel Wahrheit.
Nebenher begeistert mich auch die Sprache, die eine fast lyrische Schönheit erreicht. Ich habe das Buch ein weiteres Mal komplett laut gelesen, um mir die brillanten Wortkompositionen wirklich auf der Zunge zergehen zu lassen.

Kritikpunkte am Buch sind für mich Folgende:
1. Der Aufbau: Wie gesagt, man durchsteigt den komplizierten Aufbau nach einiger Zeit, nur frage ich mich, ob das Buch weniger gut wäre, wenn es weitesgehend chronologisch geschrieben wäre und komme zu der Erkenntnis, dass nicht. Nun mag man argumentieren, dass das eben der "moderne" Stil sei, der die Unfassbarkeit der Welt hervorhebt. Nur halte ich dem entgegen, dass der moderne Stil nicht auch unbedingt der beste Stil sein muss.

2. Das Projekt "Weibliches Schreiben": Wenn man sich auch mit der Entstehungsgeschichte des Werkes ein wenig auseinander setzt, was im Rahmen des Schulunterrichtes nicht ausbleibt, so kommt Christa Wolfs Vorhaben des "weiblichen Schreiben" alsbald zur Sprache. Dies ist eine neue, feministische Konzeption des Autorentums, in der die Unterdrückung der Frau aufgehoben werden soll und Dinge aus einer speziellen, weiblichen Sicht geschildert werden sollen. Mal ganz davon abgesehen, dass dieser ganze Feminismus-Komplex für mich als Mann vielleicht nicht ganz so interessant ist, so finde ich Christa Wolfs Konzept nicht weniger diskriminierend als die Unterdrückung der Frau. Männer werden in dieser Konzeption als "Unmenschen" pauschalisiert. Ich sperre mich zudem gegen den oft vertretenen Gedanken der Trennung von Mann und Frau. Ich glaube nicht, dass beide Geschlechter die Welt anders sehen. Es gibt Unterschiede zwischen den Menschen als Individuen, aber nicht grundsätzlich zwischen den Geschlechtern. Das mag natürlich jeder sehen, wie er oder sie will, keine Frage, mich verschreckt das "weibliche Schreiben" allerdings ein wenig.

Insgesamt aber ein sehr kluges und durchdachtes Werk, das zu lesen sich lohnt!

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