Bierlaune und Weltwirtschaftskrise: Das Bild der deutschen Gesellschaft gegen Ende der Weimarer Republik, wie es Ödön von Horváth in Kasimir und Karoline zeichnet, ist äußerst facettenreich. Die einfachen Leute ächzen unter der explosionsartig steigenden Arbeitslosigkeit, die Kluft zwischen den Bevölkerungsschichten wird breiter und breiter. Das Theaterstück des österreichisch-ungarischen Schriftstellers ist aber auch ein Beziehungsdrama, eine scharfe Analyse der selbstzerstörerischen Illusionen, denen sich die beiden Liebenden immer wieder hingeben. Kasimir und Karoline, beide eigentlich auf Vergnügen aus, lassen sich von Alkohol und Pöbeleien anheizen und verlieren sich allmählich aus den Augen wörtlich und im übertragenen Sinn. Die Liebe ist ein höchst flüchtiges Gefühl inmitten fest gefügter gesellschaftlicher Verhältnisse und Regeln diese ernüchternde Erkenntnis bewegt heute wie damals.