"Ceterum censeo Carthaginem esse delendam...."
(Marcus Porcius Cato Censorius , 234 - 149 v., Chr.)
Nach einer vollständigen Blockade der Stadt und sechs Tagen andauernden Straßenkämpfen ergeben sich am 5. Februar 146 v. Chr. 50.000 Karthager den Truppen des römischen Feldherrn Scipio Aemilianus Africanus minor. Während die Gefangenen in die Sklaverei verkauft werden, wird die einstige punische Metropole dem Erdboden gleich gemacht und von den Römern mit dem Fluch belegt, niemals mehr besiedelt zu werden. Der zertsörung fielen auch sämtliche liteterarischen Zeugnisse der karthagischen Kultur zum Opfer. Als Provinz Africa wird das Territorium dem aufstrebenden Imperium Romanum einverleibt. Nach beinahe 700 Jahren endet damit die Geschichte eines prosperierenden Staatswesen, das einst von phönizischen Siedlern aus der Stadt Tyros im heutigen Libanon als Qart-Hada¨t (neue Stadt) gegründet worden war....
....nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Verfilmungen seit 1914, sowie der historischen Romane Gisberts Haefs "Hannibal: Roman: Der Roman Karthagos und "Das Schwert von Karthago" ist Hannibal (248 - 183 v. Chr.), der größte Feldherr des Altertums, bekannt. Seine logistischen und militärischen Leistungen sind unbestritten. Das Überqueren der Rhone und der winterlichen Alpen mit seinen Kriegselefanten, ebenso wie seine Siege am Trasimenischen See (217 v. Chr.) und in der Umfassungsschlacht von Cannae (2. August 216 v. Chr.), bei der es ihm gelang 16. römische Legionen zu vernichten....
Verdienste hin, militärische Erfolge her, Geschichtsschreibung ist stets die Geschichtsschreibung der Sieger. Und so zeigt bereits die überlieferte Warnung "Hannibal ad portas!", wer aus der Sicht der Weltgeschichte, in diesem Fall der römischen Geschichte, als Freund und als Feind betrachtet wird. Historische Atlanten stellen bis heute die römischen Truppen in blauer Farbe, die feindlichen Karthager in Rot dar. 218 Jahre und drei "Punische Kriege" dauerte es, bis sich die aufstrebende Stadt am Tiber ihrer ebenbürdigen, wenn nicht gar überlegenen nordafrikanischen Rivalin entledigen konnte.
Der als Dozent für Alte Geschichte an der Westfälischen Wihelms-Universität Münster lehrende Klaus Zimmermann beschränkt sich in seinem seinem großformatigen Band "Karthago. Aufstieg und Fall einer Großmacht" nicht nur auf die militärischen Siege und Niederlagen von Feldherren wie Hasdrubal, Hamilkar und schließlich Hannibal Barkas. Beginnend bei dem Gründungsmythos der Stadt mit der Sage um die tyrische Prinzessin Elissa (Dido) und dem trojanischen Flüchtling Aeneas, nimmt der Autor auch die bis heute überlieferten Verzerrungen genauer unter die Lupe. Hierzu gehören die den Karthagern zugeschriebene Verschlagenheit und Grausamkeit. Ebenso die angeblichen und zahlreichen Kindesopfer für ihre Fruchtbarkeitsgöttin Tanit und deren Gemahl Baal-Hammon, dessen Bezeichnung "Baal" bereits im Alten Testament negativ belegt ist.
Zahlreiche Karten zeigen den einstigen Herrschafts- und Handelsraum der Punier, der mit weiten Gebieten in Nordafrika, Iberien, den Balearen und den Inseln Szilien, Sardienen und Korsika umeiniges größer war als der Machtbereich der Römer und ihrer Bundesgenossen. Auch die nautischen Leistungen karthagischer Seeleute, die Himilko bis nach Britannien und Hanno bis nach Äquatorialafrika führten, erfahren eine entsprechende Würdigung.
Zehn Kapitel zeichnen nicht nur eine Chronologie, sondern setzen sich mit überlieferten Irrtümern und Klischees auseinander. Ein Anhang mit Quellen und einer Liste weiterführender Literatur bildet den Abschluss eines reichhaltig illustrierten und mit Spannung zu lesenden Geschichtsbuches, das beim Leser die Frage weckt: "Was wäre denn gewesen, wenn....?"
5 Amazonsterne für den gelungenen Versuch einer objektiven Geschichtsschreibung.