Das Kartenlegen mit deutschen Spielkarten wie dem Schafkopfblatt hat eine lange, mündlich weitergegebene Tradition, Literatur dazu gab es bislang (und auch nur in geringer Zahl) allenfalls antiquarisch. Sogar im Internet findet man kaum Anleitungen. Diese Lücke wird mit dem vorliegenden Buch endlich geschlossen. Neben den buntern, die Phantasie und das Gedächtnis mehr anregenden Bildern ist ein Hauptvorteil des deutschen Blattes beim Kartenlegen die um 4 erhöhte Anzahl an Karten. Alle 36 Karten werden im Buch in ihren Bedeutungen hinreichend beschrieben (die Ober stehen, das ist für Neueinsteiger(innen) gewöhnungsbedürftig, für die Damen, sonst werden auch gerne die Unter als weibliche Personenkarten genommen) sowohl in stimmigen, widerspruchsfreien Stichworten, als auch in manchmal recht humoristischen knappen Kurztexten. Wer schon mit dem französischen Skatblatt arbeitet, wird sich anhand der im Buch angeführten Gleichsetzung der Farben (Karo = Schellen, Kreuz = Eicheln usw.) schnell zurechtfinden, die Unterschied sind nicht sehr groß, einige Bedeutungen scheinen auch direkt übernommen.
Das Buch lädt auch zur Benützung von Jasskarten ein, wie die Zuordnung zu den Farben Rosen und Schilten erfolgen soll, wird aber nicht geklärt; man kann aber wohl Rosen mit Herz/Rot und Schilten mit Pik/Grün/Blatt gleichsetzen.
Abgerundet wird dies durch eine zusätzliche Auflistung der Personenkarten mit Altersangaben, der Signifikatoren für verschiedene Themenbereiche und der Zeitkarten (inkl. einer überzeugenden Zuordnung der vier Farben zu den Jahreszeiten.
Die einzige Schwachstelle des Buches ist, dass nur zwei Legesysteme angegeben werden, und diese auch noch eher knapp charakterisiert werden, vor allem zum "Großen Blatt", wo alle Karten ausgelegt werden, bräuchte ein(e) Anfänger(in) wohl ein wenig mehr Hilfe. Kombinationen werden allerdings nur ganz wenige angegeben, auch da braucht es also eine gewisse Begabung oder Übung.
Für (etwas) Fortgeschrittene ist das Buch unbedingt zu empfehlen; wer diese traditionsreiche Form des Kartenlegens weiterpflegen will und es etwas ungewöhnlicher mag als Tarot, Skat oder Lenormand, dem sei es besonders ans Herz gelegt.
Klassisches, handfestes Kartenlegen ohne Psychologisieren oder esoterischen Aufputz kann daraus wunderbar in kurzer Zeit erlernt werden. Das Buch ist knapp, übersichtlich und mit Genuss lesbar, hoffentlich findet es Nachfolger.