Ich persönlich bin kein Freund davon, systematisch Karteikärtchen zu schreiben. Ein vernünftiges Set selbst zusammen zu stellen ist generell eine große Herausforderung an Kontinuität und Motivation, obwohl das Lernen über Karteikarten eine extrem sinnvolle Variante des Vokabeltrainings ist. Also habe ich mich sehr über diese praktische Hilfestellung des Ademo-Verlags gefreut.
Über die Auswahl der 500 Wörter kann man sicher streiten, aber dazu möchte ich mich nicht weiter äußern, da das sicher eine Wissenschaft für sich ist. Viele wichtige sind schon dabei, wenn etwas fehlt, kann man ja nach Beliebe neue Kärtchen schreiben (ob man nun für alle Zahlen bis zwanzig eine Karte braucht, ist zwar fraglich, aber gut).
Auch die Beispielsätze, in denen die Vokabeln 'angewendet' werden (auch deutsch & russisch) sind meistens sehr gut gewählt.
Zwei Merkmale der Kärtchen sind jedoch sinnlos, das zweite davon leider für den Abzug von zwei Punkten verantwortlich:
1) Die Kärtchen kommen alphabetisch, nach den russischen Vokabeln sortiert an und sind durchlaufend Nummeriert. Also muss man diese, auch nachdem man die seiner Meinung nach sinnlosen Vokabeln aussortiert hat, durchmischen und am besten die Nummerierung ausblenden. Einfach nutzlos, nur, dass man weiß, dass das russische Wort auf den Kärtchen 001, 002 etc. mit 'a' anfangen muss...
2) Die Karteikärtchen sind jeweils nach Kategorien (teils auch Unterkategorien) sortiert, z.B.
"Kommunikation - Fragen stellen und Antworten geben." Vokabel z.B. : "(auf etw. antworten)"
"Kommunikation - Erklären und begründen." Vokabel z.B.: "weil".
oder:
"Denken und meinen - Glauben, nicht wissen, zweifeln." Vokabel z.B.: "glauben, meinen".
"Denken und meinen - Denken, meinen, wissen, kennen." Vokabel z.B.: "verstehen, bereifen.
Das könnte sinnvoll sein, wenn die Kategorie nur auf der deutschen Seite stünde, etwa um das Sortieren zu vereinfachen, falls man das denn aus irgend einem Grund machen wollte. Die Kategorie steht aber - in DEUTSCHER Sprache - jeweils auf der deutschen UND auf der russischen Seite - was besonders beim Lernen vom Russischen ins Deutsche ein gewaltiges Problem ist, denn so steht beim russischen Wort in deutsch, in welche Kategorie es einzuordnen ist. In jeder dieser Kategorien gibt es aber nur sehr wenige Vokabeln. So kann anhand der recht feinen Kategorisierung der Vokabeln leicht im Ausschlussverfahren erraten, um welches Wort es sich handeln kann... welchen Zweck erfüllt das? Ich bezweifle, dass das lerntechnisch sinnvoll ist, lasse mich aber gern eines besseren belehren.
Ein drittes Manko sei noch genannt: die Verbkonjugation kann man nicht direkt mitlernen bzw. muss sie sich, wenn man dazu denn in der Lage ist, aus den Beispielsätzen ableiten. Einfacher wäre gewesen, wenn hinter einem russ. Verb einfach E- oder I-Konjugation stehen würde oder so.
Deshalb, besonders aufgrund einer unnötigen und überflüssigen deutschen Kategorisierung auf der russischen Seite zwei Sterne abzug. Sonst sicher keine Fehlinvestition, da man mit eigenen Karteikarten ja immer noch das Set modifizieren und erweitern kann.