Zu Recht wurde "Karrieresprung" 2006 für den Debüt-Glauser nominiert. Erfmeyers Erstling ist als gewaltige Steigerung angelegt: Eine alltägliche, in ihrer Durchschnittlichkeit fast langweilige Anwaltskarriere wird nach und nach von einem Strudel dubioser Ereignisse erfasst, parallel dazu gerät das Privatleben des Protagonisten in Schieflage - bis am Ende ein Toter auf dem Asphalt liegt und der Ehebruch vollzogen ist. Erfmeyer verzichtet auf Action und dreht dafür sehr langsam, sehr subtil an der Handlungsspirale.
Freilich funktioniert das nur, weil der Autor außerordentliches sprachliches Vermögen hat. Wie er innere Vorgänge, Entwicklungen, Tendenzen, Gewichtsverlagerungen beschreibt, ist beispielhaft und liegt deutlich über gängigem Kriminiveau. Teilweise gelingen ihm grandiose Schlusswirkungen: wenn die abgezirkelten Schachtelsätze seiner Kurzkapitel in ein knappes Fazit von schlagender Wirkung münden. (Allerdings nähert sich dieser Effekt, zu oft angewandt, m.E. irgendwann der Masche.) Dass Juristenkorrektheit durchaus mit sprachlicher Eleganz einhergehen kann, ist die überraschende Leseerkenntnis dieses Krimis.
Trotzdem fehlt mir etwas an dem Buch. Vielleicht die Tatsache, dass man am Ende das Gefühl hat, bloß den ersten Teil eines großen Romans gelesen zu haben. Inhaltlich passiert schon verdammt wenig, da kann Erfmeyer sprachlich anstellen, was er will. Vielleicht hat es auch mit der Entscheidung des Autors zu tun, sowohl die berufliche Karriere als auch das Privatleben seines Protagonisten aus weiter Distanz, sehr oft in indirekter Rede, zu schildern. Da wünschte man sich, ein wenig näher an den Figuren "dran" zu sein. An der Feststellung, dass da ein sehr talentierter Autor sein Debüt abgelegt hat, ändern diese Einwände aber nichts.