Wie sieht eigentlich der berufliche Alltag von HochschulabsolventInnen aus? Dieser Frage geht die Reihe ‚Karrieren unter der Lupe' nach. Im vorliegenden Band werden 15 Menschen vorgestellt, die ein Lehramtsstudium absolviert haben und seitdem als Lehrer arbeiten, und solche, die nach Abschluss des Studiums einen anderen Beruf ergriffen haben. Zu Wort kommen Lehrer aller Schularten sowie unter anderem eine Schulbuchredakteurin, eine Personalreferentin, eine Softwaretrainerin und ein Content Manager.
Interessant ist, dass sich sowohl bei den heutigen Lehrern als auch den Nicht-Lehrern einige parallele Denk- und Handlungsweisen feststellen lassen. So geben alle interviewten Lehrer an, dass sie Ihre Berufswahl sehr bewusst getroffen haben, dass sie große Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben und dass sie das in ihrem Beruf für unverzichtbar halten. Zugleich beanstanden sie, dass in der universitären Ausbildung zu wenig pädagogisches Wissen vermittelt wird und man daher als Lehrer bereit sein muss, sich dieses Wissen selbst anzueignen. Bemerkenswert ist auch, dass alle befragten Lehrer neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit freiwillig weitere Aufgaben übernommen haben. Die Gründe dafür liegen offensichtlich im Bedürfnis nach Abwechslung und im Wunsch nach intellektuellen Herausforderungen, die ihrer Altersgruppe entsprechen.
Auch die Interviewpartner, die sich letztlich gegen den Beruf des Lehrers entschieden haben, bringen Argumente vor, die sich ähneln. Als Gründe werden hier vor allem Einschränkungen bei der persönlichen Entfaltung und die begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten angeführt. Außerdem haben mehrere der Befragten in ihrer Referendariatszeit festgestellt, dass der tägliche Umgang mit Kindern und Jugendlichen sich doch nicht mit ihren Vorstellungen von beruflicher Erfüllung deckt.
Fazit: Das Buch ist für all diejenigen interessant, die sich ihrer eigenen Entscheidung für den Beruf des Lehrers noch nicht sicher sind, denn es zeigt die Anforderungen und Chancen des Berufsstandes auf, aber auch Wege zu beruflichen Alternativen. Dafür hat es 5 statt 4 Punkte verdient. Doch leider haben sich die beiden Autoren bei ihren eigenen Aussagen wenig Mühe gegeben. Da gibt es Formulierungen wie „Das geschieht zunehmend weniger ...", „Das liegt ... am derzeit in den Lehrerzimmern [?] stattfindenden Generationenwechsel" (S. 5) und „Nicht alle ... sind bereit, sich vor den immer voller werdenden Klassenkarren spannen zu lassen" (S. 11). Das klingt - in Abwandlung einer Kapitelüberschrift des Buches - wie ‚Die heiß gestrickte Nadel im Heuhaufen'. Gerade bei Büchern zu diesem Berufsfeld wäre aus meiner Sicht jedoch mehr sprachliche Sorgfalt angebracht.