Mit "Menschen im Hotel" kam Vicki Baum der Weltliteratur sehr nahe. "Die Karriere der Doris Hart" mag ihrem Bankkonto und ihrer Karriere als Autorin von "Frauenromanen" genutzt haben, Weltliteratur ist dieses Buch aber keineswegs. Beschrieben wird die Geschichte einer nach New York ausgewanderten Deutschen, die trotz Intrigen und Krankheit Karriere als Opernsängerin macht. Das geschieht auf ganz wundersame Weise, so dass sich das Buch stellenweise selbst wie ein Opernlibretto liest.
Vicki Baum soll froh darüber gewesen sein, dass diese Art von Roman nicht den Gefallen ihrer jugendlichen Söhne fand. Sie schrieb diese Bücher ausdrücklich für Frauen. Und die Karriere der Doris Hart war wohl nach dem Geschmack der gelangweilten Amerikanerin des Mittelstands der Vorkriegszeit.
Die Autorin profitiert von ihrer profunden Musikkenntnis, die sie sich als Harfenistin erworben hatte, bevor sie Romanautorin wurde.
Wenn man sich als Leser auf all diese Dinge einstellt und eine kleine Schwäche für Herz-Schmerz-Intrigantentum hat, dann ist dieses Buch eigentlich gar nicht so schlecht. Und wer sich für die Arbeit Vicki Baums interessiert und "Menschen im Hotel" und "Liebe und Tod auf Bali" bereits gelesen hat, der sollte wenigstens eines dieser "anderen" Bücher lesen, die heute für typisch für Vicki Baum gehalten werden, den Ruf der Autorin aus Sicht der Gegenwart aber eher geschadet haben. Gäbe es nur "Menschen im Hotel" und "Liebe und Tod auf Bali", dann würde man die die Autorin mit Sicherheit völlig anders einordnen. Aber das Leben in Hollywood war teuer, und wie Vicki Baum das finanzierte, dafür ist dieses Buch ein Beispiel.