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Erstaunlicherweise steckt das Werk voller historischer Fehler. Doch sein an den Kaiserviten Suetons geschulter Blick offenbart Charakterzüge des Frankenkaisers, die ihn vor unseren Augen wieder lebendig werden lassen. Nach Einhards Worten war Karl von hoher Gestalt, kräftig und stark, seine ganze Körperhaltung männlich. Er besaß eine klare Stimme und schöne graue Haare. Schonungslos nennt Einhard auch die Schwächen: „Sein Nacken war zwar dick und kurz, und auch sein Bauch trat ein wenig hervor, doch fielen diese Fehler bei dem Ebenmaß seiner Glieder nicht sehr auf“. Karl war offenbar ein Anhänger der deftigen Küche: „Enthaltsamkeit im Essen fiel ihm dagegen schwer, und er beklagte sich oft, dass das Fasten seiner Gesundheit schade.“ Trunkenheit dagegen verabscheute er sehr. Zu seine Hobby zählten das Reiten und das Schwimmen: “Oft badeten mehr als hundert Leute mit ihm“.
Felicita, patientia, constantia – (Kriegs)glück, Ausdauer und Standhaftigkeit waren nach Einhards Urteil ausschlaggebend für Karls Erfolg. In den 45 Jahren seiner Regentschaft vergrößerte er das Frankenreich „fast um das Doppelte“. Der mehr als 30 Jahre währende Krieg gegen das Volk der Sachsen wurde schließlich vom Erfolg gekrönt. Einhard notiert, dass die Sachsen „ihren religiösen Bräuchen und dem Götzendienst abschwören, die christliche Religion und die heiligen Sakramente annehmen“ mussten. Wild, feindlich, wankelmütig, treulos und wortbrüchig tituliert er die Sachsen, die es nicht als ehrlos empfanden, „alle göttlichen und menschlichen Gesetze zu verletzen“.
Gleich mehrfach betont Einhard dagegen die Seelengröße und Freigiebigkeit, mit der Karl die christlichen Armen unterstützt. Große Teile seines Vermögens hinterließ er seinem Volk als Almosen. Einhard weiß auch von der Religiosität Karls zu berichten: „ Die christliche Religion, mit der er seit seiner Kindheit vertraut war, hielt er gewissenhaft und fromm in höchsten Ehren. ... Er besuchte die Kirche regelmäßig morgens und abends...“. Die Freundschaft war ihm heilig: „Karl war überhaupt besonders fähig zur Freundschaft, er schloss sie leicht und hielt unerschütterlich an ihr fest. Er hing mit großer Treue an allen, mit denen er eng verbunden war.“
Wenige Zeilen später lesen wir, dass er auch ein liebenswürdiger Familienvater war. Seine vier Ehefrauen und sechs Konkubinen schenkten ihm 16 Nachkommen. Die Söhne wurden in den Wissenschaften erzogen. Die Töchter lernten weben und spinnen. An ihnen hing sein Herz und „obwohl sie sehr schöne Mädchen waren und er sie über alles liebte, erlaubte er seltsamerweise keiner von ihnen zu heiraten“. Karl konnte zwar kaum schreiben, war aber sehr lernbegierig und wissensdurstig. Aus allen Teilen des Reiches und darüber hinaus versammelte er die Gelehrten an seinem Hofe. Die Wissenschaften erreichten eine bis dato nicht gekannte Blüte im Frankenlande. Auf seine Veranlassung hin, wurden die heidnischen Volkssagen niedergeschrieben. Leider fielen diese unwiederbringlichen Zeugnisse dem religiösen Wahn seines Sohnes zum Opfer. Die frühesten Aufzeichnungen althochdeutscher Sprache verdanken wir Einhards Aufzeichnungen. Karl gab den zwölf Monaten und den zwölf Winden volkstümliche Namen.
Die vielen Kriege, die Karl führte, hinderten ihn nicht daran, mit ausländischen Herrschern Freundschaften zu pflegen und Bündnisse einzugehen. Der König von Persien und der oströmische Kaiser von Konstantinopel zählte er zu seinen Verbündeten. Nachdem er jedoch im Jahre 800 zum Kaiser des weströmischen Reiches gekrönt wurde, verfolgten Römer und Griechen den Herrscher mit Misstrauen. Einhard überliefert uns ein griechisches Sprichwort, das auch den Respekt vor dem Herrscher ausdrückt: „Der Franke soll dein Freund, nicht aber dein Nachbar sein“.
Nach Karls Tod zog sich Einhard mit seiner Frau in das von ihm gestiftete Kloster Seligenstadt zurück. Er starb am 14. März 840.
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