Zunächst hat mich der zugegebenermaßen recht happige Preis von 49 Euro vom Kauf abgeschreckt, aber als langjähriger Freund und Züchter von Fleischfressenden Pflanzen, konnte ich mich nicht zurückhalten - zumal ich bisher keine Literatur über diese faszinierenden botanischen Wunderwerke besessen habe und das Buch von Barthlott das umfangreichste und umfassendste Werk im Deutschsprachigen Raum ist, welches sich mit Fleischfressenden Pflanzen befasst.
Nun habe ich das Buch bekommen und kann sagen, dass es seinen Preis durchaus wert ist. Es ist vom Layout sehr gelungen, sehr liebevoll gestaltet und voller prachtvoller Fotos. Der Text ist in der Tat sehr fachspezifisch und voller biologischer und chemischer Fachbegriffe, die aber im Anhang erläutert werden. Es ist wissenschaftlich fundiert und detailliert geschrieben, allerdings dennoch auch für halbwegs gebildete Laien verständlich, die in der Schule im Biologieunterricht nicht geschlafen haben.
Die Kultur der Pflanzen wird hier nur sehr sporadisch skizziert - der Schwerpunkt liegt in der Tat auf die wissenschaftliche Beleuchtung der Carnivorie im Pflanzenreich. Alle Gattungen werden abgedeckt, wobei kaum Wünsche offen bleiben. Auch die Bromeliengewächse Brocchinea und Catopsis, bei denen die Carnivorie erst jüngst festgestellt wurde, werden hier behandelt.
Die Kapitel über die einzelnen Gattungen sind alphabetisch angeordnet: Von Brocchinea über Byblis, Cephalotus, Drosera, Drosophyllum, über Nepenthes, den Wasserschlauchgewächsen (Lenthibulariacea) zu welchen auch die Fettkräuter (Pinguicula), die Reusenfallen (Genlisea) und die unscheinbaren, aber höchst faszinierenden Wasserschläuche (Utricularia) gehören, bis zu den wirklich spektakulären Kannenpflanzen (Nepenthes) und zum Schluss die Schlauchpflanzengewächse (Sarraceniacea), zu welchen man die Kobralilie (Darlingtonia), die urtümlichen Sumpfkrüge (Heliamphora) und die eigentlichen Schlauchpflanzen (Sarracenia) zählt.
Die Fotos sind bei allen Gattungen atemberaubend, aber nicht seitenfüllend. Man findet faszinierende, sehr detaillierte Raster-Elektronenmikroskop-Aufnahmen von Verdauungsdrüsen und Fangorganen, besonders bei den auf mikroskopischer Ebene fressenden Utricularien sehr interessant. Bei den Utricularien bestechen ja sonst eher nur die bezaubernden Blüten - die Fangorgane sieht man ja im Normalfall nicht. Ebenso spektakulär sind die Fotos von den Nepenthes und den Drosera-Arten. Als Freund und Halter der Sumpfkrüge finde ich, dass diese ungewöhnliche und urtümliche Gattung etwas unterrepräsentiert ist. Aber das ist eine Subjektive Einschätzung.
Auch die Evolution der Fleischfressenden Pflanzen wird ausführlich behandelt, ebenso wie Symbiosen mit Tieren, die in und an den Pflanzen leben, ohne gefressen zu werden und von der gefangenen Beute profitieren. Ein interessanter Aspekt ist, ab wann eine Pflanze eine Fleischfressende Pflanze ist, da die biologischen Grenzen sehr fließend sind. Wie kam es überhaupt dazu, dass Pflanzen begonnen haben, Insekten zu fangen? Wann traten Fleischfressende Pflanzen in der Erdgeschichte erstmals auf? Welche Zwischenstadien gab es und gibt es?
Aspekte des Umweltschutzes werden ebenfalls abgedeckt, ebenso wie ökologische Wechselwirkungen zwischen den Pflanzen und ihrem Habitat.
Die Elf Jahre andauernde Schmach, als Züchter von Fleischfressenden Pflanzen kein einziges Buch über dieses Thema zu besitzen, ist nun beseitigt.
Jeder, der sich mit Fleischfressenden Pflanzen beschäftigt, muss dieses Buch besitzen. Kulturhinweise aber sind, wie ich eingangs erwähnte, eher weniger vorhanden.