Der französische Komponist Camille Saint-Saëns (1835-1921) schaufelte sich zu Lebzeiten sein eigenes musikalisches Grab: Als sein bekanntestes Werk ging "Der Karneval der Tiere" in die Musikgeschichte ein. Dabei wollte der Franzose dieses Stück gar nicht veröffentlicht haben, indes er hier sich und seine Musikerkollegen karikiert.
"Der Karneval der Tiere" ist für kleines Kammerensemble gesetzt und besticht durch seine fein gearbeiteten Charakterbilder. Besondere Berühmtheit genießen hier das "Aquarium" sowie der oft auch separat aufgeführte "Schwan". Saint-Saëns wusste wohl darum, dass die größtenteils konservativ gestimmte Musikwelt seiner Zeit diese Komposition nicht gut aufnehmen würde. Dennoch gelangte sie in Umlauf und stigmatisierte ihren Schöpfer - bis heute. In allen nachfolgenden Werken erkannte die Kritik schließlich negative Einflüsse der jüngsten Arbeiten des französischen Tonsetzers.
Fast vollständig in Vergessenheit geraten ist die Kammermusik des Franzosen, darunter ein herrliches Septett Es-Dur op. 65 für Klavier, Trompete, zwei Violinen, Bratsche, Violoncello und Kontrabass. Das viersätzige Stück ist sehr tänzerisch konzipiert. Nach einer Préambule folgt ein friedliches Menuett. Der Höhepunkt ist freilich das tiefsinnige Intermède, das unversehens in die nostalgische Gavotte mündet.
Als Zugabe gibt's drei Orchesterwerke aus dem umfangreichen Schaffen Saint-Saëns', namentlich das Prelude zum Oratorium "La Déluge" op. 45, den Caprice-Valse "Wedding Cake" As-Dur op. 76 für Klavier und Orchester sowie die Sarabande E-Dur op. 93,1 für Violine und Orchester; allesamt Stücke von höchster melodiöser Schönheit, die zeigen, wie wenig der Franzose sich durch die vernichtenden Kritik an seinem "Karneval" einschüchtern ließ.
Die vorliegende Einspielung durch das London Festival Orchestra unter der Leitung Ross Poples entstand Anfang des letzten Jahrzehnts. Die Aufnahmequalität ist ausgezeichnet, die Produktgestaltung allerdings weniger.
Was die Interpretation anbelangt, kann man den Akteuren nur größtes Lob aussprechen. Es handelt sich hier um eine ernsthafte und dennoch espritvolle Darbietung voll farbiger Nuancen und differenzierter Schattierungen. Treffsichere Akzente garantieren Spannung und Gänsehaut. Auch die weniger bekannten Stücke gedeihen unter Poples Händen wundersam und einprägsam. Hinzu kommen Texttreue und absolute Transparenz, die nichts zu wünschen übrig lassen.