Zunächst ist das Buch didaktisch gut aufgebgebaut. Alles fängt an mit der Linie der Diamanthalter von Tilopa bis Gampopa an. Dazwischen finden sich Größen wie Milarepa. Der Diamanthalter verkündet die Lehre der Sangha und haben somit den ersten wichtigen Schritt, die Überwinden der Ich-Illusion, auf dem Weg zur Erleuchtung erreicht.
Dieser Diamantweg ist schließlich die Basis für die Entwicklung der Schwarzmützen, den sogenannten Karamapas. Im zweiten Abschnitt werden der erste bis zum sechzehnten Karmapa vorgestellt. Dies geschieht fast mantramäßig von Düsum Khyenpa bis Rangjung Rigpe Dorje. Fast immer gleicher Anfang und gleicher Schluss. Kind kann schon im Mutterleib Mantras aufsagen. Kind behauptet der neue Karmapa zu sein. Alle Vorhersagen des Vorgängers stimmen hundertprozentig mit dem am Kind beobachteten überein. Beim Tod gibt es Zeichen (bevorzugt Regenbögen). Klar gab es die eine oder andere interessante Information auch. Oder wussten sie, dass das Mahakalakakamukha ein krähenförmiger schwarzer Mantel ist?
Weiter geht es mit einer Abhandlung von eng verbundenen geistigen Führern wie der Shamarpa, Situ-Linie etc.
Es passiert nix aus der Reihe. Entwerder waren die Karmapas alle Waisenknaben oder es wurden unrühmlichere Lebensabschnitte nicht ausgeführt. Nimmt man z. B. den 6.ten Dalai Lama so war dessen spirituelle Laufbahn alles andere als vorbildlich. Leider wird auch der Hintergrund zur Fluch des XVI Karmapa ins Kloster Rumtek in Sikkim im Buch nicht herausgearbeitet. Mit dem Hintergrundswissen, dass der 16.te Karmapa 1980 verstorben ist und das Buch wohl 1976 geschrieben wurde, kann man wohl begründen, dass der derzeitige Karmapa-Konflikt kein Thema des Buches ist. Gerade hier würde es aber interessant. Folgt man dem Verständnis des Buches, dass der Shamarpa wesentlich an der Findung des Karmapas beteiligt ist, so müsste der richtige Anwärter wohl Trinley Thaye Dorje sein. Da Urgyen Trinley Dorje aber im Orginalkarmapakloster Tsurphu intronisiert wurde, könnte auch er eine gewisse Berechtigung haben.
Mir war das Buch einfach zu langweilig geschrieben. Freunde von historischen Fakten & Daten mögen am geschriebenen ihre Freude haben. Da der Karmapa an Rang 3 der tibetanischen Führer (nach Dalai Lama und Panchen Lama) steht, kann man sich dieses Buch aber schon mal reinziehen.