Kamelot schaffen es irgendwie immer sich selbst zu übertreffen. Das war "Karma" der Fall und auch stufenweise bei seinen Nachfolgern "Epica" und "The Black Halo". Nichtsdestotrotz ist "Karma" ein absolut überragendes Album. Es beginnt mit dem eher unspektaklurären "Regalis Apertura", dass in "Forever" übergeht, einem der bombastischsten Opener, die ich jemals hörte. Auffallend ist hier, dass es sich um eine metallische Umsetzung von "Solvejgs Lied" aus Edvard Griegs "Peer Gynt" Suite Nr. 2 op. 55 ist, also eine Umsetzung einer klassischen Komposition, und dazu eine überaus gelungene. Kamelot bleiben auch beim folgenden Song "Wings Of Despair" auf dem Gaspedal,schalten aber einen ganz kleinen Gang runter. Hier wird ordentlich gestampft, bis mit "The Spell" auch die progressive Hörerfront ihre wohlverdiente Behandlung kriegen. Eingängigkeit wird zwar geboten, aber der Song ist vielschichtiger und schwerer zugängig als das Material zuvor. Sehr schön, Mid Tempo. "Don't You cry" ist dann die leider schwächste ballade, die die Band jemals geschrieben haben. Das mich keiner falsch versteht: das Lied ist keinesfalls schlecht, schon alleine weil es die Jungs (besonders Roy S. khan) beherrschen balladeskes Material zu veröffentlichen, aber mit einer so genialen Nummern wie der zweiten Ballde auf diesem Album, "Temples Of Gold", einem Vorzeigebeispiel in Sachen Melancholie gekoppelt mit wirklich ansprechenden Lyrics, ist "Don' You Cry" bei weitem nicht. Der auf dieses Lied folgende Titeltrack "Karma" wird von vielen fans als der Höhepunkt der Band überhaupt bezeichnet. Auch wenn ich das nicht unbedingt unterstützen möchte, ist "Karma" schlichtweg überragend, wunderbar besonders wegen dem tollen Chorus und den progressiven Arrangements. Ein wahrhaftiger Killer, den man zumindest mal gehört haben muss. "The Light I Shine On You" und "Across The Highlands" sind zwei weitere schnellere Lieder, bei denen besonders erstgenanntes begeistern kann. Aber auch "Across The Highlands" ist gut und gefällt dem potentiellen Banger. Somit ist der konzeptfreie Teil des Albums abgeschlossen und die letzten drei Lieder folgen einem thematischen Konzept über Elizabeth Bathory, die der Sage nach in Blut Jungrauen badete, um ewige Jugend zu erlangen. Eine Thematik, die Kamelot wohl sehr anspricht; man denke nur an "Epica" und "The Black Halo", zwei Alben, die sich an Goethes Faust orientieren. "Elizabeth I: Mirror Mirror" ist eine Ballade, die es sich zum Ziel setzt lieber den hörer in die Stoyline einzubinden, als musikalisch zu überragen. Nun gut, dafür kriegen wir bei "Elizabeth II: Requiem For The Innocent" wieder mal eine gelungene schnellere Nummer zu hören, die zwar ziemlich gut ist, aber nicht mit dem Rest des Albums Schritt hält. Den Abschluss macht "Elizabeth III: Fall From Grace" und dieser gelingt absolut. Hier kriegt man eine epische Komposition zu hören, die einen noch einmal abschlißend denken lässt: ich habe beim Kauf dieses Albums nichts falsch gemacht. Besonders beim Refrain steigert sich der Bombast ins unermässliche ohne kitschig zu werden. Müsste ich eine Vorzeigenummer auf diesem Album bestimmen, würde ich dieses Lied, "Forever" und "kamra" nehmen. Da dies allerdings sehr schwer ist, bleibe ich bei einer objektiven Sicht der Dinge, nämlich der, dass "Karma" ein wahrhaft überragendes Album ohne einer Schwäche ist. Und hier dürfen auch Nicht-Metaler ohne Angst (und hoffentlich ohne Vorurteile) reinhören.