Nachdem die medizinische Philosphie aus dem Lehrplan des Medizinstudiums gestrichen wurde, ist es ein Glücksfall, zu diesem hochinteressanten Thema überhaupt noch Literatur zu finden. Wer heutzutage schwer krank wird, ist geneigt, es auf die Gene zu schieben oder, stillschweigend seine schlechte Ernährung dafür anzuschuldigen. Wenn es stimmt, was Gerhard Miller in Karma und Gesundheit behauptet, dann tragen wir die volle Verantwortung für unsere Leiden. Das Buch ist von daher sehr anspruchsvoll und das nicht nur für jemanden, der zwar immer von Krankheiten redet, aber nie wirklich etwas damit zu tun haben will. Der Autor fährt schweres Geschütz gleich zweimal auf. Zuerst beschreibt er die Psychosomatik von insgesamt 17 Krankheiten und hier zeigt er aus seiner Sicht, dass eine Krankheit nicht einfach so hereinschneit. Er verwendet viele Assoziationen, und die Symbolik Soma Psyche ist verständlich und dabei in atemberaubender Weise erdrückend. In fast allen Abschnitten fährt er dann das zweite Geschütz vor und das hat es in sich, denn es gibt darüber zwar theoretische Literatur, aber nichts Konkretes, nämlich das Karma von Krankheiten und er verschont uns nicht mit pikanten Details: Was habe ich in meinen vorigen Leben getan, das die Krankheit begründet hat? In Abgrenzung zum Christentum geht es ihm nicht um Schuld, sondern um Karma. Die Ergebnisse sind aus Geburtshoroskopen von Patienten abgeleitet, die er über Jahre auswertete. Deshalb hat das Buch auch eine Einführung in die Astrologie. Es bekommt von mir 5 Sterne, obwohl ich mir mehr Grundlagenwissen zum Karma gewünscht hätte. Alles in allem ein spektakuläres Buch, das eine Lücke in der medizinischen Philosophie füllt.