Karma von Bernard Craw
Auf 314 Seiten führt Bernard Craw zurück in die Zeit des legendären 4. Nachfolgekriegs.
Der Ort: Die Grenze zwischen Konföderation Capella und der Liga Freie Welten.
Formal sind beide Sternenreiche verbündet. Aber seit wann hält das wahre Patrioten oder größenwahnsinnige Machtmenschen von ihren Intrigen ab?
Im Herzogtum Andurien, einem von Capella Jahrhunderte lang unterdrücktem Mitgliedstaat der Liga, wird die Pakt zwischen beiden Reichen abgelehnt und nach Wegen gesucht den Erbfeind endgültig zu schlagen. Als sich die Kunde vom Ausbruch des 4. Nachfolgekrieges verbreitet, kommt ein Stein ins Rollen, der die einzige ruhige Grenze der umkämpften Konföderation zu Gunsten Anduriens in Flammen setzen soll. Auf der atmosphärenlosen Ödwelt Niomede entwickelt sich in rasanten Tempo eine klassische Battletech-Geschichte: Verrat und Heldenmut treffen aufeinander. Spione und Krieger ringen mit sich und ihren Überzeugungen.
Auf den luftleeren Ebenen und unterirdischen Städte Niomedes treten sich die Teile der 3rd Defenders of Andurien, des capellanischen Warriorhouse Kamata und die einheimische Miliz gegenüber, um unter schwierigsten Umweltbedingungen ihre Ziele zu erreichen. Neben geschmolzener Panzerung, zertrümmerten Mechs und erschütterten Idealen bleiben auch die Charaktere nicht verschont: Karma besticht gerade durch ihre gekonnte Darstellung und die Entwicklung vor dem Hintergrund der brutalen Kämpfe und machtpolitischen Intrigen. Auch die detaillierte Beschreibung der fremdartigen Umweltbedingungen überzeugt. Der Autor erklärt zwar im Nachwort, woher er die vielfältigen Inspirationen erhielt, dies ändert aber nichts an seinem Verdienst eine rundum gelungene Kombination dieser Denkanstöße im Rahmen des Battletech-Universums zu entwickeln.
Für den eingespielten Battletech-Leser gilt noch anzumerken, daß eine oftmals schmerzlich vermißte Karte das Buch schmückt. Innovativ sind außerdem militärische Truppenaufstellungen und Kurzbiographien der beteiligten Personen: Wer den Überblick verlieren sollte, kann hier nachschlagen, welche Mechlanze gerade das Zeitliche segnet und wer Herr Sing noch mal war.
Alles in allem ist Karma ein gelungener Battletech-Roman: Spannend geschrieben, mit vielfältigen Eindrücken und flotten Schreibstil. Capellaner sind nicht einfach stereotype Klone gehirngewaschener Chinesen, sondern ringen mit sich, ihrer niomedischen Gesellschaftsordnung und einigen interessanten einheimischen Kultureigenheiten. LosTech-Wunder der vergangenen Sternebundära werden sparsam aber eindrucksvoll eingestreut, der Technologieverlust als echte Bedrohung dargestellt. Mechs sind noch nicht die schnelllebige Massenware späterer Zeiten sondern schwer ersetzbare Relikte mit Karma.
Nach Duo Infernale und Schattenkrieg I ist Karma ein weiteres gelungenes Buch im durchwachsenen Markt der Classic Battletech und Mechwarrior Literatur. Weiter so!