Der 100. Geburtstag sowie 20. Todestag des Jesuiten Karl Rahner (1904-1984) haben zumindest innerkirchlich in den deutschsprachigen Ländern zu einer nicht enden wollenden Flut an euphorischen Lobeshymnen geführt.
Kritische Stimmen zu Rahner lösten in diesem Klima sofort helles Entsetzen, bisweilen auch Wut aus: Ein Münsteraner Emeritus erklärte die Rahnerkritiker kurzerhand für verrückt, ein deutscher Bischof gab offiziell die Devise aus, hier die Taktik des Ignorierens anzuwenden.
Aber man muss doch fragen: Wie kann einer vorbehaltlos und ohne Abstriche zu machen als ein „Mann der Kirche“, der „allgemeine Lehrer“ der „dritten kirchengeschichtlichen Epoche“ (?) gepriesen werden, der für sich explizit das Recht in Anspruch nahm, „auch am Lehramt der Kirche vorbei Aussagen zu formulieren“, der ganz in diesem Sinne die Deutsche Bischofskonferenz zur verhängnisvollen „Königsteiner Erklärung“ maßgeblich motivierte und dessen scharfe Kirchenkritik in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil zum Vorbild Ungezählter und damit indirekt zu einer der Ursachen für die schwere Kirchenkrise wurde? Ist es legitim, Rahner zu einem wichtigen Konzilstheologen hochzustilisieren, obwohl dazu zuverlässige Forschungen fehlen und jene, die die Sache vorurteilsfrei angingen, eher gegen einen nachhaltigen Einfluss Rahners auf die Texte des Konzils sprechen? Ist es empfehlenswert, die Schriften Rahners zur Pflichtlektüre zu erheben, obwohl nachweislich bestimmte dort entwickelte Theorien (etwa die des „anonymen Christen“) nicht nur ein sehr brüchiges philosophisch-theologisches Fundament haben, sondern zudem fatale Auswirkungen hatten? Ist es angemessen jemandem zum „Lebemeister“ zu erklären, der nachweislich gegen Papst und Bischöfe in polemischer Weise, bisweilen sogar mit öffentlichen Beschimpfungen und unter Zuhilfenahme der „öffentlichen Meinung“ agierte, konnte er seine kirchenpolitischen Vorstellungen nicht durchsetzen? Dessen Verhältnis zu der zweifelhaften Schriftstellerin Luise Rinser bis zum heutigen Tag ungeklärt ist?
So stellt dieses Buch einen Tabubruch dar. In Hochschätzung vor dem Wissenschaftscharakter auch der Theologie übergeht es das Verbot einer Kritik an Rahner, indem es ausschließlich kritische Stimmen zu diesem sammelt. Keinem der Beiträge geht es dabei darum, ein „Zurück hinter Rahner“ (Kard. W. Kasper) zu propagieren. Vielmehr ist hier als gemeinsames Ziel erkennbar, über Rahner hinaus und in kritischer Auseinandersetzung mit seinem Denken, Wege in die Zukunft aufzuzeigen, die sich mit Respekt vor der Stimme des Lehramtes konsequent an der Wahrheit des katholischen Glaubens orientieren und von daher über die Kategorie der neuen theologischen Zeitrechung „vor“ oder „nach Rahner“ erhoben sind.
Der sich in diesem Jahr zum hundertsten mal jährende Geburtstag sowie der zwanzigste Todestag Karl Rahners hat zumindest innerkirchlich in den deutschsprachigen Ländern zu einer nicht enden wollenden Flut an euphorischen Lobeshymnen geführt.
Kritische Rückfragen hat man dabei leider kaum zugelassen: Wie kann einer vorbehaltlos und ohne Abstriche zu machen als ein „Mann der Kirche“, der „allgemeine Lehrer“ der „dritten kirchengeschichtlichen Epoche“ (?) gepriesen werden, der für sich explizit das Recht in Anspruch nahm, „auch am Lehramt der Kirche vorbei Aussagen zu formulieren“, der ganz in diesem Sinne die Deutsche Bischofskonferenz zur verhängnisvollen „Königsteiner Erklärung“ maßgeblich motivierte und dessen scharfe Kirchenkritik in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil zum Vorbild Ungezählter und damit indirekt zu einer der Ursachen für die schwere Kirchenkrise wurde? Ist es legitim, Rahner zu einem wichtigen Konzilstheologen hochzustilisieren, obwohl dazu zuverlässige Forschungen fehlen und jene, die die Sache vorurteilsfrei angingen, eher gegen einen nachhaltigen Einfluss Rahners auf die Texte des Konzils sprechen? Ist es empfehlenswert, die Schriften Rahners zur Pflichtlektüre zu erheben, obwohl nachweislich bestimmte dort entwickelte Theorien (etwa die des „anonymen Christen“) nicht nur ein sehr brüchiges philosophisch-theologisches Fundament haben, sondern zudem fatale Auswirkungen hatten? Ist es angemessen jemandem zum „Lebemeister“ zu erklären, der nachweislich gegen Papst und Bischöfe in polemischer Weise, bisweilen sogar mit öffentlichen Beschimpfungen und unter Zuhilfenahme der „öffentlichen Meinung“ agierte, konnte er seine kirchenpolitischen Vorstellungen nicht durchsetzen? Dessen Verhältnis zu der zweifelhaften Schriftstellerin Luise Rinser bis zum heutigen Tag ungeklärt ist?
Seit ihrem Bestehen hat die katholische Monatsschrift „Theologisches“ mutig die Grenzen der „ökologischen Nische“ gesprengt, falsche Tabus gebrochen und der sonst im deutschen Sprachraum mit großer Konsequenz unterdrückten Rahnerkritik immer wieder geistreich Raum gegeben: Bedeutende Rahnerkritiker, die an diesem Wechsel von der Offensive zur Defensive mitgewirkt haben, taten dies über Artikel, die in „Theologisches“ veröffentlicht wurden: Kardinal Scheffczyk, die Professoren Bernhard Lakebrink, Leo Elders, Alma von Stockhausen, Alfred Locker, Walter Hoeres, Georg May, Heinz-Jürgen Vogels, u.a. – International bekannte und anerkannte Wissenschaftler, die über jeden Verdacht des Ignorantentums unbestreitbar weit erhaben sind. So war „Theologisches“ bislang auch weltweit die einzige Fachzeitschrift, die den Mut hatte, zum Rahnerjahr ein Sonderheft herauszubringen, das auf ausschließlich sachlich auf hohem wissenschaftlichen Niveau kritisch argumentierende Stimmen zu Rahner versammelte. Hier kam auch jene Kritik zu Worte, der man in der „scientific community“ deutscher Universitätstheologen weithin das Rederecht bestreitet. Wie notwendig dies war, zeigt die Tatsache, dass das Sonderheft dem Verlag geradezu aus der Hand gerissen wurde und dieser kaum damit nachkam, die vielen Nachbestellungen zu beantworten. In diesem Zusammenhang wurde auch der Wunsch laut, in einem eigenen Sammelband die dort veröffentlichten Studien zusammen mit älteren, bereits in „Theologisches“ erschienenen und nur noch schwer greifbaren Arbeiten zu Rahners Denken zu veröffentlichen. Dies geschieht hier nun. Bereichert werden sie durch einige wichtige, bislang unveröffentlichte Artikel aus der Feder des Römischen Professors und Zuständigen für die Gesamtausgabe der Werke Cornelio Fabros, Christian Ferraro, des Dortmunder Theologieprofessors Thomas Ruster, des Bamberger Dogmatikers Johannes Stöhr, des polnischen Philosophen Tadeusz Guz, sowie des belgischen Thomisten Jörgen Vijgen.
Keinem der Beiträge geht es darum ein „Zurück hinter Rahner“, vor welchem viele Rahnerverehrer offensichtlich Angst haben, zu propagieren. Vielmehr ist hier als gemeinsames Ziel erkennbar, über Rahner hinaus und in kritischer Auseinandersetzung mit seinem Denken Wege in die Zukunft aufzuzeigen, die sich mit Respekt vor der Stimme des Lehramtes konsequent an der Wahrheit des katholischen Glaubens orientieren und von daher über die Kategorie der neuen theologischen Zeitrechung „vor“ oder „nach Rahner“ erhoben sind.