Seibts Karlsbiographie ist leider ein geschichtliches Werk im "herkömmlichen" Sinne: Krieg - Konzil - Krieg - Reichstag - Krieg - politische Intrige - Krieg - Aufstand - Krieg - Heiratspolitik - Krieg etc. Wenn man einmal von dem religiösen Schwerpunkt absieht, den der Titel suggeriert (wenngleich die Beschreibung militärischer Konflikte dennoch den Schwerpunkt des Buches ausmacht), bleibt der Mensch, die Persönlichkeit des Kaisers, völlig im Dunkeln. Die menschlichen Beziehungen Karls V. werden schlagwortartig umrissen, fertig. Über seine Ehe erfahren wir, daß sie geschlossen wurde und glücklich war. Dann kommt lange gar nichts, und einige Kapitel später heißt es, Kaiserin Isabella sei im Kindbett gestorben, was den Kaiser schwer getroffen habe. Und weiter geht's mit der nächsten Militäraktion.
Fazit: Wer etwas über Karls Kriege, Karls Politik und über die religiösen Konflikte der Zeit erfahren möchte, ist an der richtigen Adresse. Interessant sind die eingestreuten theoretischen Überlegungen, z.B. über die Natur des mittelalterlichen Kaisertums oder über kaiserliche Frömmigkeit u.a. - wenngleich der Stil des Autors insgesamt eher auf der trockenen Seite angesiedelt ist. Wer aber etwas über die Persönlichkeit des Kaisers erfahren möchte, sollte sich auf die Suche nach einem anderen Buch machen.