Kariuki, ein 13-jähriger Junge, wächst in einem kenianischen Dorf auf. Sein Leben ist geprägt von Furcht. Er fürchtet seinen Vater, der überaus streng ist und ihn permanent schlägt. Er fürchtet die Grausamkeit des weißen Herren und er fürchtet die mau mau, die Guerilla-Kämpfer aus den Wäldern, die sich gewaltsam gegen das Joch der Unterdrückung durch die britische Kolonialmacht wehren.
Eines Tages begegnet er Nigel, dem Enkel des weißen Herren. Nigel ist elf und verbringt seine Sommerferien in Kenia. Die beiden Jungen lernen eine Menge voneinander. Kariuki erfährt viel über das Leben der Weißen. Er lernt, dass sie genauso Menschen sind wie Schwarze. Nigel wiederum lernt eine Menge über den Dschungel. Gemeinsam durchstreifen die Freunde das Dickicht der Wälder. Die Freundschaft der beiden ist allen ein Dorn im Auge. Kariukis Familie, weil sie fürchtet, dass der Vater seinen Arbeitsplatz als Koch des weißen Herren verliert, wenn Nigel etwas zustößt. Und auch der weiße Herr ist freilich gegen diese Verbindung. Auf der Jagd nach einem Stachelschwein verlieren sich die beiden Jungen aus den Augen. Nigel verschwindet spurlos. Die weißen Soldaten beginnen die gesamte Dorfbevölkerung zu verhören und die Wälder zu durchkämmen. Als Kariuki sich ebenfalls auf die Suche begibt - und Nigel tatsächlich findet - kommt es letztlich trotzdem nicht zu einem Happy End. Fest steht aber, dass es eine wirklich tiefe Freundschaft ist, die die beiden Jungen verbindet.
Kariuki und sein weißer Freund ist für mich vor allem deswegen ein sehr gelungenes Kinderbuch, weil es eine Geschichte erzählt, die kein bisschen konstruiert erscheint. Die Freundschaft zwischen Kariuki und Nigel ist eine natürlich gewachsene. Bei Büchern, die sich mit interkulturellen Begegnungen befassen, ist die künstlich entworfene Handlung oft ein Problem. Ich vermute, dass "Kariuki" diesen Fehler nicht hat, weil der Autor selbst Kenianer ist und solche Erfahrungen gemacht hat. Es ist also aus der Sicht eines Menschen geschrieben, der unmittelbar im Mittelpunkt der Handlung steht (auch wenn es kein rein autobiographisches Buch ist, wie Mwangi im Nachwort bemerkt).
Auch sprachlich sehr gelungen, ist dieses Buch für Kinder, Jugendliche und Erwachsene hervorragend geeignet. Und zwar nicht nur für männliche! Denn obwohl viel gejagt und geangelt wird, stehen diese Dinge nicht im Mittelpunkt.