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Ich habe „Kariuki" mit einer siebten Gymnasialklasse gelesen. Das Urteil einiger von ihnen fiel vernichtend aus. „Das ist ein Buch für Jungs, denn es wird viel zu viel vom Jagen geschrieben." „Das Buch ist zu brutal. Bücher die gut ausgehen, gefallen mir besser."
Ich selbst finde „Kariuki" ein gutes Buch - weil es brutal ist. Es schönt nichts. Kariuki ist ein schwarzer Junge, der zur Zeit der Mau-Mau-Aufstände in Kenia einen weißen Jungen, Nigel, den Enkel eines weißen Farmers kennenlernt und mit ihm Freundschaft schließt. Das kann nicht gut gehen und es geht nicht gut.
Lesenswert ist dieses Buch des Kenianers Meja Mwangi, weil es zwar um Schwarze und Weiße geht, weil es aber nicht schwarz-weiß malt. Die Schwarzen sind nicht per se gut oder schlecht. Kariuki leidet unter seinem strengen Vater, doch auch dieser Vater ist Opfer. Kariukis Bruder schlägt Kariuki - und letztendlich rettet er den weißen Nigel. „Friede ist etwas, von was wir nur träumen konnten." lautet einer der traurigsten Sätze des spannenden Jugendromans. Er regt an, über strukturelle Gewalt zu reden, über Hierarchien im spätkolonialialistischen Kenia und hier und heute. Den Lesenden stellt sich die Frage: Ist Gewalt ein gerechtfertigtes Mittel, um gegen Gewalt zu kämpfen. Das Buch gibt die Antwort nicht vor.
Interessant wird das Buch nicht zuletzt, weil es die Leserinnen und Leser in eine fremde Welt führt. Tiere und Landschaft um Nanjuki werden beschrieben. Es geht um interkulturelle Begegnung. Nigel begegnet Kariuki. Sie erkennen ihre kulturelle Prägung im Vergleich mit dem Anderen. Sie profitieren von den Fähigkeiten des anderen Jugendlichen. Vielleicht profitieren die jugendlichen Leser auch hier von diesem „erlesenen" Kontakt mit einem anderen Land.
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