Kurzbeschreibung
Der Kardinal von Galen ist vielleicht die berühmteste Gestalt der jüngsten Münsterischen Geschichte. Wegen seines mutigen Auftretens gegen die Nationalsozialisten gilt er noch heute als Identifikationsfigur des deutschen Katholizismus. Seine drei herausragenden Predigten gegen Euthanasie und politische Verfolgung, die er 1941 in Münster hielt, sind hier in den wichtigsten Passagen wiedergegeben.
Günter Beaugrand hat neues Archiv- und Aktenmaterial verwertet und aktuelle Forschungsergebnisse einbezogen -- besonders berücksichtigt ist das Verhältnis des Kardinals zur Muttergottes in Telgte.
Vorwort
Als von 1933 bis 1945 die dunkle Nacht des Naziregimes in Deutschland herrschte, die nationalsozialistische Partei mit ihrer Ideologie das gesamte Leben zu durchdringen suchte und alle Schulen, Gruppen und Verbände "gleichschaltete", blieben vor allem die Kirchen Fremdkörper im NS-Herrschaftsbereich.
Unter den Glaubenszeugen der katholischen Kirche ragt der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, hervor. Durch sein unerschrockenes Auftreten gegenüber den Machthabern wurde er weit über sein Bistum hinaus bekannt. Papst Johannes Paul II., der damals in seiner polnischen Heimat 1941 auch die Predigt des Bischofs gegen die Ermordung der Geisteskranken vervielfältigt und verbreitet hatte, war während seines zweiten Deutschlandbesuches am 1. Mai 1987 auf eigenen Wunsch in den St. Paulus-Dom gepilgert, um an Kardinal von Galens Grab zu beten.
Die Diözese Münster hat ein Seligsprechungsverfahren für Kardinal von Galen eingeleitet. Ich bin überzeugt, daß sein Glaubensmut auch den Menschen heute helfen kann, den Glauben zu bezeugen und sich manchen Strömungen des Zeitgeistes und der vielfach feststellen Einebnung von Werten entgegenzustellen. Die Persönlichkeit des Bischofs kann auch für die Gegenwart Vorbild sein, die das unantastbare Recht auf Leben in Zweifel zieht und sich von den Geboten Gottes und den Forderungen des Evangeliums immer mehr löst.
Der 50. Jahrestag der Erhebung des Bischofs zum Kardinal sowie die 50. Wiederkehr seines Todestages rücken Leben und Werk des Bischofs wieder in den Blickpunkt. Dem vorliegenden Buch, das der "Freundeskreis Heimathaus Münsterland" aus diesem Anlaß neu herausgibt und damit auch die enge Verbindung des Bischofs mit dem Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter von Telgte herausstellt, möchte ich meine guten Wünsche mit auf den Weg geben.
Häufig ging Bischof Clemens August allein in der Morgenfrühe den Pilgerweg nach Telgte, um die Hilfe und den Schutz der Gottesmutter für sein bischöfliches Wirken zu erbitten. Die Eucharistie und die Marienfrömmigkeit waren für ihn die Kraftquelle seines freimütigen Auftretens gegenüber den gott- und menschenfeindlichen Machthabern des Dritten Reiches. Zum letzten Mal betete Kardinal von Galen am 16. März 1946 vor dem Gnadenbild in Telgte, bevor er in der zerstörten Bischofsstadt Münster mit großer Begeisterung begrüßt wurde. Wenige Tage darauf wurde er zu Gott heimgerufen.
Mein Dank gilt den Herausgebern und dem Autor dieses Buches, das den Kampf des Bischofs Clemens August gegen den Nationalsozialismus, sein konsequentes Eintreten für Recht und Gerechtigkeit, in Text und Bild darstellt. Besonders begrüße ich, daß neue wissenschaftliche Forschungen einbezogen wurden, die den sofort nach seiner Bischofsweihe im Oktober 1933 beginnenden Widerstand des Bischofs gegen das NS-Regime dokumentarisch belegen.