Die im Titel angedeutete gelinde Zähigkeit des Buches, verschulden nicht die Worte Kardinal Franz Königs und die reichlichen Zitate seiner Schriften, öffentlichen Reden, aus persönlichen Gesprächen und Predigten. Diese machen das Buch so wertvoll!
Die Zähigkeit entsteht ungewollt durch die Autoren A.Fenzl und W.Moser, die dem Kardinal offebar zu sehr huldigen wollten. In ihrem Buch, in dem sie erleuternde oder einführende Brückentexte für die König O-Ton Beiträge verfaßten, drohen sie zu sehr in durchaus liebevoller Ehrfurcht zu versinken. Dieser Makel ist verzeihlich, für den Leser auch erträglich, da, wenn man wie die beiden Autoren dem Kardinal, diesem wirklich außergewöhnlichen Menschen, sehr nahe stand, einem der nötige Abstand wohl verloren geht und die Zuneigung und Faszination den Tonfall wohl zwangsläufig fast bis zur Lobpreisung steigert.
Das Wesentliche des Buches, sind die aus allen Lebensabschnitten zusammengetragenen Gedanken des Kardinals selbst, sie füllen weit mehr als die Hälfte der 230 Buchseiten. Und diese sind auch mit einem Höchstmaß an Sachlichkeit nur als weise zu bezeichnen und bestechen darüber hinaus mit einer entwaffnenden Friedfertigkeit. Menschen mit hoher Intelligenz und rational pragmatischem Denkvermögen, wirken oftmals kühl. Besonders liebevolle, friedfertige Menschen scheinen hingegen meist etwas naiv. Kardinal König verband von beidem nur das positive, einen beeindruckend scharfen Verstand, der ihn befähigte jede Situation, jedes Problem, jede gesellschafftliche Strömung klar und rational zu erfassen, pragmatisch die Möglichkeiten des Umgangs zu folgern, Lösungen und kluge Kompromisse zu finden und dennoch alles unter das bedingungslose Primat der Liebe und des Friedens zu stellen.
So kann man sich Kardinal Franz König und seinem Wesen aus jedmöglicher Richtung nähern, als Katholik, als Christ anderer Konfession, als Gläubiger anderer Religion, als Agnostiker, selbst als Atheist, und wird dennoch die Unumstößlichkeit seiner Ausführungen erkennen.
König sagte einmal (im Buch seite 84): "Es geht um die Sehwürdigkeit und Hörwürdigkeit, um die Gesprächswürdigkeit und damit letztlich um die Glaubwürdigkeit der Kirche im gesellschaftlichen Raum."
Dafür trat er sein beinahe einhundert Jahre andauerndes Leben ein. Nicht Menschen haben einem von der Kirche vorgegebenen Bild zu entsprechen, sondern die Kirche muß für die Menschen Anziehungspunkt und Zufluchtsort sein. So ist es nicht verwunderlich, daß er sich zeitlebens als Seelsorger verstand (und als solcher wirkte!) und nur nachrangig als Kirchenfunktionär.
Kardinal Franz König war ein außergewöhnlicher und zurecht bewunderter Mann. Um dies zu empfinden und die Weisheit seiner Worte zu begreifen, muß man kein Katholik sein. Sehr zu empfehlen.