Ein Kombinations- oder Kumite-Buch muss meiner Ansicht nach vor allem zwei Dinge leisten: erstens den elementaren Unterschied zwischen statischer Kihon- und flexibler Kumite-Technik herausarbeiten, und zweitens Übungen zeigen, die das vollkommen anders gelagerte Kumite-Bewegungssystem von Aktion und Reaktion trainierbar machen.
Dieses Buch befindet sich leider immer noch auf dem Entwicklungsstand des Karate, als Kumite vor allem „Grundschule am Partner" bedeutete, und ist damit wohl am ehesten als historisches Dokument zu betrachten.
Kein Wort zu Beweglichkeit, Faustschützern und Pratzen, zur historischen Entwicklung des Wettkampf-Karate und zur (aus gutem Grund entwickelten) Wettkampf-Form von Techniken wie Gyaku-Zuki und Mawashi-Geri. Hinweise wie „Greift dich jedoch dein Gegner laufend auf schnellen Beinen an, so nimm eine tiefe Stellung ein, dadurch bist du stark" scheinen mir heutzutage eher kontraproduktiv zu sein - ebenso wie Bilder, die eher zeigen, in welcher Distanz und mit welcher Haltung man sich heute lieber NICHT mehr auf eine Kampffläche stellen sollte.
Allen Interessierten sei das Video „Competition Karate" von Samad Azadi empfohlen.
Die Katas sind leider ebenso lieblos aus „27 Shotokan-Katas" übernommen. Auch dies wohl weitgehend ein historisches Relikt, da die Erst-Ausgabe von „Karate 2" lange vor Pflügers großartigem Kata-Buch erschienen ist.
Fazit: Absolut unzeitgemäß und eher von Sammler-Wert. Das Buch erfüllt seinen Anspruch wesentlich schlechter als „Karate 1". Und es ist mehr als schade, dass der geschätzte Pflüger Sensei so lieblos mit seinem eigenen Werk umgeht.