Nachdem ich "Mein Kino" von Karasek gelesen hatte war mir klar; dies ist zwar das erste Buch Karaseks für mich, aber mit Sicherheit nicht das letzte welches ich von diesem Autor lesen werde. Stil und Sprachwitz hatten mich begeistert, und entsprechend hoch lag meine Meßlatte als ich begann, Karambolagen zu lesen.
In Karambolagen geht es um Zeitgenossen und Wegbegleiter Hellmuth Karaseks. Zum Teil aus seiner Zeit am Theater in Stuttgart oder auch als er Redakteur beim Spiegel war. Keine Frage: Der Mann ist viel herumgekommen und hat noch mehr erlebt. Meistens sind es eher kleine und scheinbar nebensächliche Begebenheiten die er erlebte, aber die Art und Weise wie er sie zu Papier gebracht hat, machen daraus Unterhaltung im besten Sinne des Wortes. Man erfährt viel über die Menschen die er traf. Niemals wird er dabei respektlos oder gar verletzend. Karasek ist ein Philanthrop mit Wortwitz und einem geradezu unglaublich vielfältigen Vokabular. Es ist nicht so, das er mit Fremdwörter und seinen Kenntnissen der deutschen Sprache protzt; vielmehr benutzt er exakt die richtigen Adjektive um den Zeitgenossen zu beschreiben. Nur kannte ich diese Worte bis jetzt noch nicht. Besonders interessant fand ich die Story mit Dürrenmatts Weinkeller und wie er ihn füllte sowie die Entstehungsgeschichte des Zwistes zwischen Günter Grass und Karasek. Andere Episoden schilderten weniger positive Schicksale. Doch wenn bei Karasek jemand starb oder in den Mühlen der Psychiatrie verschwand, war er einfach „der Welt abhanden gekommen". Ein wunderschöner Euphemismus wie ich finde, der es wert ist in Erinnerung zu bleiben. Das trifft auch auf diese Sammlung von Erlebnissen, Anekdoten und Begebenheiten zu. Danach wünscht man sich fast, ebenfalls mal auf Karasek zu treffen und Teil seiner Geschichtenwelt zu werden