Als ich die ersten 10 Seiten des Krimis gelesen hatte, dachte ich: Toll. Das könnte eine gute Lektüre werden. Die Stimmung bei einem Billard-Turnier kommt gut rüber, ist detailreich beschrieben, da kennt sich jemand aus.
Doch dann geht es steil bergab. Nicht einmal beim Billard-Turnier selbst, beim Duell zwischen Sykora und Fellner, will Spannung aufkommen. Hier fehlen kurze, knackige Sätze. Danach sind die Protagonisten geschwätzig. Oberkellner Leopold erzählt verschiedenen Personen dreimal die gleiche Story, wie was vor dem Cafe Heller passiert ist, das bringt die Handlung nicht voran, sondern führt nur neue Personen ein, die die Sache in die Länge ziehen.
Spannung wird nicht unbedingt durch Geschwätzigkeit erzeugt. Und dann reden sie und reden sie und erzählen immer wieder das gleiche, was der Leser längst weiß. Das ist wie eine überlange Zündschnur. Die eingangs gute Schilderung einer Cafehaus-Stimmung will sich nicht wiederholen, der Tathergang oder Unfall wird unbeholfen ausgebreitet; das ist nicht spannend, sondern irgendwie hilflos erklärt mit vielen überflüssigen Worten. Hätte man das ganze verdichtet und von Wiederholungen befreit, wäre vielleicht eine gute Geschichte draus geworden, mit etwa 150 Seiten weniger.
So glimmt die Zündschnur müde vor sich hin, und am Ende wartet keine überraschende Explosion auf den Leser, mit einer Wendung, einem neuen, nicht einkalkulierten Mörder, sondern nur ein müdes "Plopp". Schade.
Zwei Sterne gibt es dennoch. Wiener Krimigeschichten haben wohl eine eigene Dynamik bzw. Gemächlichkeit, was an der Wiener Mentalität liegen mag. Aber man kann auch übertreiben.