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Karajan: Eine Biographie
 
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Karajan: Eine Biographie [Taschenbuch]

Peter Uehling
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 2 (1. April 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499622874
  • ISBN-13: 978-3499622878
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,6 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 607.509 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Peter Uehling
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Um Missverständnissen vorzubeugen: Herbert von Karajan, Liebling der Yellow Press, Mann der schnellen Fortbewegungsmittel und des Yoga, Stargast in Salzburg und der St. Moritz-Society -- all dies findet bei Peter Uehling nicht statt. Der Musikwissenschaftler und Kirchenmusiker beschränkt sich in seiner Lebensdarstellung strikt auf den Dirigenten und sein Werk. Und dies in einer musiktechnischen Detailvernarrtheit und Akribie, dass notenunkundige Leser hier schon einmal vorgewarnt seien. Klassischer Ernst ist angesagt. Musikalisch Fortgeschrittene hingegen dürften auf ihre Kosten kommen. Das „Wunder Karajan“ wird entschlüsselt - und fast entzaubert!

Altlasten zuerst. Uehling bringt Licht in das Rätsel von Karajans „doppelter“ NSDAP-Mitgliedschaft. Böhm, Strauss, Furtwängler – Karajan, allesamt keine Ruhmesblätter deutscher Musikschaffender zu Zeiten der Naziherrschaft. Karajan, der „Unpolitische“, hätte im Mai 1935 nach fünf Jahren in der Ulmer Stadttheaterprovinz nahezu alles getan, um die begehrte Stelle als Generalmusikdirektor in Aachen zu erlangen. Spätere Aussagen im Entnazifizierungsverfahren zeugen von kältestem Pragmatismus. Diese Aufsteigermentalität ließ ihn bald die höchsten Weihen erlangen, sein Debüt 1938 bei den Berliner Philharmonikern.

Nach dem Krieg erkannte der moderne Karajan -- im Gegensatz zum kratzbürstigen Erzkonkurrenten Furtwängler --, die Macht der Reproduktionsmedien. In der Zeit seines Berufsverbots enstand zusammen mit der englischen Produzentenlegende Walter Legge zwischen 1949 und 1956 eine wahre Flut an Plattenaufnahmen. Und hier gerät Uehling auf Betriebstemperatur, nachdem sein Porträt des „Menschen Karajan“ merkwürdig fahl ausfiel. Detaillierte spieltechnische Analysen folgen, Interpretationsfragen werden geklärt. Uehlings Erkenntnisse ließen sich auf die -- grobe -- Kurzformel bringen: Symphonischer Gleichklang und Ebenmaß auf Kosten musikalischen Finetunings. In glücklicheren Beethoven-Momenten führte dies zu bahnbrechenden Aufführungen; Karajans formelhafte Gleichförmigkeit zeigte aber auch ihre Grenzen an Mahlers mal erhabener, mal derb-burlesk auffahrender Sinfonik, an der er kläglich scheiterte.–Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Der Dirigent Herbert von Karajan hat das Musikleben seiner Zeit geprägt wie kaum ein Zweiter. Er leitete über dreißig Jahre die Salzburger Festspiele und führte die Berliner Philharmoniker zu ungeahnter Meisterschaft. Ein Klangmeister und Despot am Pult. Aber zu seiner Biographie gehören auch umstrittene Seiten wie die frühe Mitgliedschaft in der NSDAP. Peter Uehling beschreibt die Entwicklung eines Dirigenten neune Typs, der früher als andere begriff, welche Möglichkeiten in den neuen Techniken liegen. Uehling untersucht erstmals systematisch den Interpreten Karajan in seinen Aufnahmen. Er zeigt, wie entschlossen dieser auf LP, CD und Musikvideo zugriff und wie sich auf diese Weise die Rolle der Musik im Leben der Gesellschaft veränderte.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Karajan Renaissance Now? 1. September 2006
Von CL
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch bietet keine Biographie des Dirigenten. Die biographischen Teile nehmen nur geringen Raum ein und sind anderorts (zuletzt Osborne, 1999) anschaulicher dargestellt. Der weit überwiegende Teil des Buches ist der Analyse des nachschaffenden, aufgenommenen(!) Werkes v. Karajans gewidmet. Das Buch kann dabei auch nicht als eine umfassende Darstellung des künstlerischen Schaffens des Dirigenten gelten; denn sowohl die Arbeit v. Karajans als legendärem Orchestererzieher als auch seine sich über Jahrzehnte erstreckende Aufführungspraxis vor lebendem Publikum werden nur ganz vereinzelt angesprochen. Treffender wäre also gewesen: Versuch einer Darstellung der musikalischen Entwicklung Herbert von Karajans anhand exemplarischer Tondokumente.

Der Ankündigung in der Einleitung, mit diesem Buch die interpretatorische Idee hinter der Kunst v. Karajans herausarbeiten zu wollen, wird Uehling durchaus gerecht. Diese sieht er mit guten Gründen in dem Ansatz v. Karajans, die von ihm interpretierte Musik zu transzendieren, sie in eine kunstautonome Sphäre reiner Musik zu heben, sie in einer Weise von allem Materiellen zu abstrahieren, dass ihre Teile im Ganzen aufgehen und die Musik zu einer Erscheinung des Geistes wird. Dies alles beschreibt Uehling im Ganzen sehr evident und mit Sachverstand. Der Autor hat ein Talent für die generell schwierige Beschreibung musikalischer Phänomene und Zusammenhänge. Mit dem Überspielen von Taktstrichen, der ausgeprägten Legato-Kultur, der gleich bleibenden Ruhe und Präzision und den zügigen Tempi, die Einzelheiten in den allgemeinen, durchstrukturierten Ablaufplan zwingen, nennt Uehling zutreffend auch die empirisch hör- und überprüfbaren technischen Bedingungen dieses Schaffensprozesses. Als grundlegendes interpretatorisches Moment erscheint Uehling das Prinzip der großrhythmischen Gestaltung, das ihm allerdings zu einer Art Steckenpferdchen gerät. Wenn Uehling bei seinen nachfolgenden Analysen mit diesem Gestaltungsprinzip auf Widerstände stößt, etwa weil es sich als mit einer von ihm analysierten Werkaufnahme inkompatibel erweist, meint er damit einer interpretatorischen Inkonsequenz oder gar Schwäche des Dirigenten auf die Schliche gekommen zu sein. An solchen Stellen wirken die Analysen Uehlings stets ein wenig schematisch forciert. Alles in allem machen diese Interpretationsanalysen aber wohl die besten Teile des Buches aus.

Negativ fallen die zum Teil grellen und unerklärlichen Wertungswidersprüche des Autors auf: Das Fazit Uehlings zu v. Karajans Lebenswerk fällt überaus anerkennend aus. So spricht Uehling davon, dass die Werke unter v. Karajan Stabführung eine Geschlossenheit erhielten, die sie aus der Welt heraushebt und darin sei der Dirigent unerreicht gewesen. Er attestiert ihm eine künstlerische Kraft, die ihresgleichen sucht und beschließt sein Buch mit der Feststellung, dass es sich um ein Lebenswerk von seltener ästhetischer Prägnanz und Konsequenz handele. An anderer Stelle aber beschreibt der Autor das Werk v. Karajans dann als Entspannungsmusik, Popmusik und emotionale Dienstleistung mit der ganzen Skala von Affekten, wie sie die Popmusik vermittelt. Eine Erklärung darüber, wie das alles zusammenpassen soll und welcher Musikbegriff hier zugrunde liegt, bleibt der Autor schuldig. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang das auffallende Unverständnis (Vorverständnis?), mit dem sich Uehling zitierten Aussagen des Dirigenten nähert. Wenn v. Karajan zur Eröffnung seiner Osterfestspiele in konventionellem Ton seinem Wunsch von einer großen [Festspiel-]Gemeinde, verbunden durch die Musik Ausdruck gibt, so ist dies Uehling hinreichender Anlass, von Vereinnahmungsphantasien des sich in eine große Zusammengehörigkeit hineinträumenden, im menschlichen Kontakt durch und durch gehemmten Dirigenten zu spekulieren. Man könnte diese laien-psychologische Exkursion belustigt überblättern, würde Uehling darauf nicht eine seiner (widersprüchlichen) Thesen von den angeblichen Hintergründen der musikalischen Motive des Dirigenten aufbauen wollen. So führt Uehling weiter aus: Ein Publikum, das nicht mehr getrennt ist vom Aufführenden, hört auf zu existieren und wo durch diese Vereinigung Sender und Empfänger verschwinden, verschwindet die Kunst. Daraus schließlich schlussfolgert Uehling: Der Eindruck, dass v. Karajan mit Kunst nichts sagen möchte, wird mit diesen naiven Äußerungen [gemeint sind die Eröffnungsworte] anschaulich bestätigt. Diese widersprüchlichen Wertungen sind für den Leser nicht nachvollziehbar. An solchen Stellen wirkt das Buch in seiner Aussage seltsam inkonsistent.

Letztlich muss der Leser den Eindruck gewinnen, dass Uehling der Musikästhetik v. Karajans innerlich fremd gegenübersteht. Immer wieder versucht er, den Interpretationen einseitig mit den erlernten Mitteln des Musikintellektuellen beizukommen, der die ästhetischen Konzepte von außen an die Musik heranträgt, statt anzuerkennen und nachzuvollziehen, dass sie sich nach der erklärten Auffassung des Dirigenten ausschließlich aus der Musik entwickeln lassen. Dass auch dieses Buch Beispiele einer rein geschmacksorientierten Interpretationsästhetik enthält (so etwa der pauschale Verriss der berühmten Cosi-Aufnahme, die mittlerweile Generationen von Musikkritikern zu Superlativen veranlasst hat), braucht heute leider kaum noch eigens angefügt zu werden.

Im Ganzen ein gleichwohl lesenswertes (aber verbesserungsfähiges) Buch für den fortgeschrittenen Musikinteressierten, das zur Auseinandersetzung anregt.
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14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von
Format:Gebundene Ausgabe
Mit großem Anspruch angetreten, eine neue Erklärung des Wunder Karajan" zu liefern, verliert sich dieses Buch über die Wiedergabe längst Bekanntem, über unvollständige Zitate ins formelhaft wiedergekäute Kleinklein des Fachchinesischen:

Großrhythmus, Schönklang und ununterbrochene Klangströme.

Fast ist man festzustellen geneigt, das deutsche Publikum und die Schallplattenkäufer der 60er und 70er Jahre waren allesamt Idioten, die in Karajan lediglich einen Ersatzführer fanden (Die Auslandserfolge bleiben allerdings unbegründet).

Anhand vieler technischer Analysen wird versucht, den Interpreten Karajan in die Nähe des Celibidache-Vergleichs Karajan = Coca Cola" zu rücken. Anstatt wenigstens einmal die Fragestellung umzudrehen, weshalb hier ein Rhythmiker diese (seine) Klangvorstellung über lange Zeit so streng kultiviert und zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Auch bleibt er in diesem Kontext die schlüssige Erklärung schuldig, weshalb es Toscanini und Furtwängler anders gemacht haben. Dass sich in 60 Berufsjahren ein ständig wiederkehrendes Kernrepertoire einstellt, wird kurzerhand wie seine abschließende späte Verfilmung im Homevideo" (Zitat: Kasperletheater) nur negativ kritisiert, anstatt positiv anzumerken, daß nachfolgende Generationen die Möglichkeit haben, den Interpreten im Konzert bei der Arbeit seiner" Hauptwerke zu sehen - die gleich Freude empfinde ich übrigens auch, wenn ich Leonard Bernstein im Film sehen!

Ein erlernter und tradiert praktizierter Mozartstil wird mit der Zeit anders beurteilt, doch ist er deswegen nicht gleich als falsch anzusehen. Wo bleibt die Freude, Bach einmal mit großem Orchester zu hören? Die hier geübte Kritik liefert keine Deutung, weshalb das angeblich Falsche eine so lange Erfolgsgeschichte werden konnte.

Neben den vielen Kritikern findet sich ausgerechnet nur Harnoncourt als Dirigent - kein Masur, kein Abbado, kein Rattle, kein Ozawa, die wirklich sachkundig ihren verstorbenen Kollegen beurteilen könnten, da sie mit ihm zusammengearbeitet haben. Orchestermitglieder, die über 30 Jahre mit ihm zusammengearbeitet haben und sich dennoch gerne an den Musiker Karajan erinnern, fehlen hier gänzlich.

Warum der Autor einem Schwerstbehinderten das Tragen eines Trainingsanzuges in den Proben als Zeichen der Verwahrlosung ankreidet, bleibt sein Geheimnis.

Weitaus erstaunlicher noch, dass ein spezialisierter Kirchenmusiker über sämtliche Aufführungstile, Interpretationsfragen, aufführungstechnische Probleme aller Epochen suggeriert Urteilsvermögen zu besitzen - man darf gespannt sein, auf welche Karriere und Leistungen wir hier einmal später beurteilend zurückblicken können.

Vielmehr erscheint der Autor als Sprachrohr jener Intelektuellen, die glauben wollen, ein Monopol auf Universalbeurteilung zu besitzen.

Das Buch schließt mit der Aussicht, daß nun die Zeit gekommen sein könnte, ein Lebenswerk von seltener ästhetischer Prägnanz und Konsequenz wieder zu entdecken und zur Diskussion zu stellen. Warum aber hat dies der Autor nicht gemacht?

(Bei Richard Osborne (A life in music) kann man trotz aller Faktenfülle noch viel über Karajan lachen.)
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Leider gehen die meisten Rezensionen hier von einem Missverständnis aus: Dieses Buch ist nicht in erster Linie eine Biografie des großen Dirigenten Karajan, sondern eine Analyse des Interpreten. Diesen Ansatz verfolgt Peter Uehling sehr überzeugend und, wie ich finde, auch sehr spannend. Ehrlich gesagt hat wohl noch niemand so genau die Bedeutung und gleichzeigig die Grenzen dieses wohl berühmtesten Kapellmeisters unserer Zeit herausgearbeitet. Wen wirklich interessiert, warum Karajan diesen immensen Erfolg hatte, der findet in diesem Buch eine mögliche Antwort.
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