Neben den Karl-May-Verfilmungen aus den 60er-Jahren ist Kara Ben Nemsi Effendi die Verfilmung von Karl Mays Werken, die einem am besten im Gedächtnis bleibt ... und dies völlig zu recht. Anders als bei den Verfilmungen vom "Schatz im Silbersee" und "Winnetou" mit Lex Parker und Pierre Price hat man sich hier sehr eng an die Buchvorlage gehalten. Wer allerdings einen Roman gleichen Titels sucht, wird enttäuscht werden, denn die Serie ist eine Bearbeitung der sechs Orientromane "Durch die Wüste", "Durchs wilde Kurdistan", "Von Bagdad nach Stanbul", "In den Schluchten des Balkan", "Durch das Land der Skipetaren" und "Der Schut". Dabei werden die einzelnen Passagen ausgesprochen nah an der Romanvorlage wieder gegeben, allerdings werden einige Kapitel der Romane und auch Personen ausgespart. So entfallen beispielsweise die Geschichte um den vertriebenen Prinzen aus Persien, die Abenteuer im Harem in Ägypten und dementsprechend auch die Figur des Montenigrieners Osko sowie die Geschichte um die Teufelsanbeter in Kurdistan. Den Karl-May-Puristen mag dies stören, aber am logischen Ablauf der Geschichte ändert dies nichts und so kommt die Serie wesentlich werksgetreuer daher als die Orient-Verfilmungen mit Lex Parker und Ralf Wolter in den Hauptrollen. Mit Karl-Michael Vogler (Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten) in der Titelrolle und Heinz Schubert (Ein Herz und eine Seele) als sein arabischer Sidekick Hadschi Halef Omar sind die Hauptrollen sehr passend besetzt. Wer die ersten Filme mit Vogler kennt, der mag vielleicht ein wenig zweifeln, wenn man ihn mit Lex Parker vergleicht - aber er macht eine dennoch sehr gute Figur als Kara Ben Nemsi/Old Shatterhand/Karl May und Heinz Schubert ist ohnehin eine Fernsehikone. Zudem wartet die Serie mit einigen überraschenden Nebenrollen auf, u. a. Dieter Hallervorden als Offizier, Herbert Fleischmann als Mütessellim und Ferdy Mayne (Tanz der Vampire) als Sir David Lindsay.
Auch über die Ausstattung der Filme kann nicht gemäkelt werden. Gedreht wurde vielfach an Originalschauplätzen in Nordafrika, lediglich die auf dem Balkan spielenden Folgen wurden in Spanien gedreht - in Almeria. Dem gleichen Drehort wo u. a. auch "Der Schuh des Manitu", "Lawrence von Arabien" oder "Spiel mir das Lied vom Tod" entstanden. Ein kleines Detail am Rande: Kara Ben Nemsis Henrystutzen kommt tatsächlich nicht als krudes Phantasieprodukt daher, sondern im Gewande eines amerikanischen Repetiergewehrs vergleichbar einer Winchester (was ja auch dem historischem Original entspräche). Die Musik komponierte - wie schon bei den Winntou-Filmen - Martin Böttcher und bringt sowohl die orientalische wie auch die für Karl-May-Abenteuer typische Stimmung sehr gut rüber.
Kara Ben Nemsis Effendi kommt zumindest im Äußeren ganz im Gewand der übrigen Karl-May-Verfilmungen daher: in schönem Grün und mit Hochglanzbildern auf dem DVD-Cover. Nach dem Einlegen der ersten DVD war ich zunächst jedoch erstmal unangenehm überrascht, denn das Menü kommt mit ausgesprochen grieseligen Bildern daher. Aber die Bild- und Tonqualität der Filme selbst ist (gemessen am Standard der Entstehungszeit) nicht zu bemängeln und die einzelnen Folgen waren ein echter Genuss. Ich kannte einzelne Folgen der Serie noch aus meiner Kindheit, wo die Serie im Montagnachmittagprogramm lief. Für mich waren die beiden DVD-Boxen mit der ersten und zweiten Staffel eine sehr schöne Kindheitserinnerung und wer die Karl-May-Filme liebt, wird an diesen DVDs nicht vorbei kommen. Eine echte Kaufempfehlung also.