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Das Buch ist ein einzigartiges Kunstwerk und fuehrt als solches vor, wie Kunst wahrhaftiger als das Leben selbst sein kann. Wichtiger als die Frage, ob die Ereignisse wirklich so waren, wie Malaparte sie als unbestrittener Zeitzeuge erlebte, ist die Erkenntnis, dass hier der Krieg im Osten im Detail wie in der atmosphaerischen Dichte der Beschreibungen genau so wiedergegeben wird wie das bei der Komplexitat des Sujets moeglich ist.
Das Buch zu lesen ist ein aesthetischer Genuss, die expressionistische Kraft der dargestellten Szenen einzigartig in der Literatur. Darf denn ein solches Werk, das keinen Zweifel am menschenverachtenden und sinnlosen Grauen des deutschen Ueberfalls auf Osteuropa laesst, durch die lyrische Schoenheit der Schilderung bezaubern?
Im Buch lebt so das moralische Dilemma des Autors, Ex-Faschist, zukuenftiger Kommunist, auf leise, unangenehme Weise weiter.
Der Autor nimmt dabei zu jedem Zeitpunkt klar Stellung gegen die Verbrechen und fuer die Opfer. Und doch sitzt er mit den Taetern an einem oft ueppig gedeckten Tisch.
Ein spannendes, faszinierendes, einzigartiges und historisch hochbedeutsames Werk, zum 60. Jahrestag des Kriegsendes gerade richtig neu aufgelegt. Empfehlung: unbedingt kaufen, lesen und weiterempfehlen.
Der Autor, als Korrespondent des "Corriere della Sera", hatte als italienischer Offizier die Möglichkeit, an allen Fronten des zweiten Weltkrieges als Berichterstatter teilzunehmen.
Und das hat er auch mit Verve getan.
Malaparte war ja anfänglich dem italienischen Faschismus zugetan, hat aber seine Meinung zu allem Möglichen geäußert und dafür im Gefängnis auf der Insel Lipari eingesessen.
Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft wurde er wieder geduldet, sollte sich aber desweiteren etwas vorsehen.
In diesem Roman, so scheint es, hat er aber wieder so richtig über die Stränge geschlagen und sein Temperament ging mit ihm durch, was - als leidenschaftlicher Künstler, der er nun mal war - nicht verwunderlich ist.
So werden wir mitgenommen auf eine abenteuerliche Reise durch Europa an alle Frontabschnitte, wo er vor allem als bekannter Literat natürlich auch von den politischen "Größen" der damaligen Zeit eingeladen und empfangen wurde.
Nicht nur im Kreise der Soldaten (vor allem schildert er auch deutsche Ereignisse von teilweise grausamster und dann wieder ganz menschlicher Art!), nein, auch in der Gesellschafter der Machthaber, deren Namen er nennt und in Gesellschaft von Adligen, die er genau beschreibt und von früher oftmals kennt, bekennt er sich zu mancherlei Wahrheiten.
Diese werden teilweise verschlüsselt, teilweise direkt wiedergegeben und es weht ein Geruch von Tod und Todesahnung durch alle die Geschichten.
Die Krankheit der Deutschen, so sagt er am Beginn, die will er erkunden und beschreiben und er findet sie in der deutschen Seele, wie er meint, in der "anima tristis", so könnte man sie nennen, die zu Selbstmordattaken in Finnland führt und selbst die SS-Machthaber teilweise sprachlos macht.
Dem deutschen Machthaber in Polen widmet er anfänglich ein Gemälde von furchtbarster Intensität, die eines Hieronymus Bosch`s würdig ist und wo Gelächter und Hochmut der deutschen Männer und Frauen auf den Punkt gebracht werden.
Trotzdem meinte er wohl, dem Frieden seiner Zeit zu dienen und seinen Roman, der 1944 herauskam, hat er wahrscheinlich dem möglichen Ende aller Grausamkeiten gewidmet, leider ohne großen Erfolg, wie wir wissen.
Dieser erstaunliche Roman ist wahrscheinlich ein besserer Beweis für gelebte Grausamkeit eines kriegerischen und rassistischen Kultes als alle historischen Versuche einer Aufarbeitung derselben bisher.
In Europa grassierte also eine Krankheit, die allem Hohn spricht, ein verderblicher Kult, der ja oftmals mit dem Mantel großer Kultur mitunter verbrämt wurde (siehe Ezra Pound oder D`Annunzio!).
Allen, die heute versuchen, diesem Kult das Wort zu reden mit dem Hinweis, so war es damals eben und man könnte zuweilen Verständnis für dies und jenes haben, müssen sich schämen nach der Lektüre dieses Roman.
Das Nachwort ist dem Verständnis halber unbedingt ebenfalls zu beachten.
Wir werden noch mit manchem konfrontiert werden, was uns den Atem stocken lassen wird und trotzdem wird auch heute noch der Krieg als Mittel zum Zweck benutzt. Es ist einfach ein menschliches Versagen und eine - hier ist das Wort wirklich zu gebrauchen-, Schande, die zum Himmel schreit, wenn sich nicht endlich etwas in dieser Hinsicht verändern wird.
Das sogenannte "sieg - und ehrenhafte" germanische Fühlen (das immer auch einen heldenhaften Tod einschließt!) aber hat zur Zeit, meine ich, wiederum Kult, und das nicht nur bei Wagnerfreunden.
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