Ähnlich wie der "rasende Reporter" Egon Erwin Kisch bereiste Ryszard Kapuscinski die Welt und schrieb Reportagen aus Afrika, Lateinamerika, Rußland und Europa. Sehr anschaulich schildert er das Leben in den ärmsten Regionen der Welt, den Zerfall des sowjetischen Imperiums und die Mechanismen von Macht (z.B. beim äthiopischen Kaiser Haile Selassie) und Krieg (z.B. zwischen zwei mittelamerikanischen Staaten). Große Bewunderung, wenn nicht sogar Seelenverwandtschaft verspürt er zu seinem antiken Vorbild, dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot, der bereits vor 2.500 Jahren die bekannte Welt bereist und vorurteilsfrei Zeugnis abgelegt hat. Herodot gilt als Urvater der Geschichtsschreibung.
"Kapuscinskis Welt" präsentiert auf 5 Cds in knapp 6 Stunden die Höhepunkte aus Herodots Werk und verschachtelt sie mit bedeutsamen Ausschnitten aus "Der Fußballkrieg" (1988), "Imperium" (1992), "Die Welt im Notizbuch" (Lapidarium II u. III, 1995,1997), "Afrikanisches Fieber" (1998) und "Die Erde ist ein gewalttätiges Paradies". Dabei haben Autor wie Lektor besonderen Wert auf die Unversehrtheit der Texte gelegt, um ihre Brillanz zu bewahren. Eine vorzügliche Leseleistung hat der 1947 geborene Schauspieler Hanns Zischler erbracht, der zuletzt für Eichborn Lido Dietrich Schwanitz` "Shakespeares Hamlet" eingelesen hat.
Fazit: Das Hörbuch bietet in knapp 6 Stunden die wunderbare Gelegenheit, das Werk des 1932 in der polnischen (heute weißrussischen) Kleinstadt Pinsk geborenen, Anfang 2007 kurz vor seinem 75. Geburtstag verstorbenen "Reporters des Jahrhunderts" kennenzulernen.