Die positiven Seiten dieses Hörspiels wurden in den Rezensionen vorher bereits ausreichend beschrieben. Es ist handwerklich hervorragend: Die musikalische Untermalung, die Geräuschkulisse, die Sprecher, der Erzählstil, die Sprache und die Dialoge. Das alles ist perfekt, zieht einen in seinen Bann und nimmt einen mit seiner Atmosphäre gefangen.
Die Geschichte beginnt geheimnisvoll und vielversprechend, aber ...
... auch nach einigen Stunden und den kompletten bereits erschienenen 5 Kapiteln steht man als Zuhörer noch immer in absolut jeder Hinsicht vollkommen im Dunkeln. Man kann bei allen Ereignissen nur Vermutungen anstellen, worum es dabei eigentlich geht. Von Beginn an wird von dem Welkenwerk gesprochen, den purpurnen Prüfern, dem Verweser, den Unlichen, der Chronik, den Nebelchronisten, den weinenden Gärten, dem Königsschloß, den lebenden Karten und zahlreichen anderen Peronen, Kreaturen, Dingen und Orten. Ebenso weiß man, daß es in der Welt nur noch den Herbst gibt. Dies alles scheint den Protagonisten und den meisten Bewohnern ein klarer Begriff zu sein und zumeist meiden sie diese. Als Zuhörer jedoch bekommt man im ganzen Verlauf zu keinem dieser Dinge eine Erklärung, so daß man die meisten Ereignisse erstmal nur zur Kenntnis nehmen kann, ohne sie jedoch verstehen oder ihren Stellenwert einordnen zu können. Es bleiben einem nur Vermutungen und man kann der Handlung insofern einfach nur hinterher laufen.
Dies ist für mich ein gravierender Nachteil dieses Hörspiels. Ich kann der Handlung auch im 5. Kapitel noch immer nicht folgen, die Ereignisse noch immer nicht einordnen oder sagen, worum es eigentlich genau geht, weil ich einfach nichts genaues weiß. Es ist eine Sache, daß es Geheimnisse gibt, denen auch die Protagonisten erst noch auf die Spur kommen müssen und Handlungen, die auch diese noch nicht zu durchschauen vermögen, denn diese Elemente machen eine interessante und spannende Geschichte überhaupt erst aus. Eine andere Sache ist es jedoch, wenn man als Zuhörer keine Ahnung von den grundlegenden Gegebenheiten der Welt hat, die man als bekannt voraussetzen kann und die einem eigentlich zu Anfang im Rahmen der Geschichte vermittelt werden müßten.
Insofern also: Ein handwerklich perfektes Hörspiel aber mit erheblichen inhaltlichen Defiziten.