Eins muss man Volker Sassenberg lassen: Er versteht es, eine technisch perfekte Soundkulisse zu erstellen, hervorragende Sprecher zu engagieren, einen hollywoodreifen Soundtrack zu erstellen und mit alledem eine düstere, geheimnisvolle Atmosphäre zu erzeugen.
All dies fand man bereits bei seiner Hörspielserie „Gabriel Burns“ vor, und es wird hier quasi nahtlos weitergeführt. Die stilistischen Ähnlichkeiten sind nicht zu überhören: Der Tonfall der Sprecher, der Erzählrhythmus, die Soundeffekte, die Musik, der leichte Schauder, der einem über den Rücken läuft. D.h., wir haben hier kein Fantasyhörspiel der gewohnten Sorte, sondern eher Mystery-Fantasy mit Gruselanteilen, bei der man genau zuhören muss, um etwas davon zu haben. Tut man dies, erschliesst sich einem eine geheimnisvolle Welt.
Allerdings muss man auch sagen, dass sowohl „Gabriel Burns“ als auch „Abseits“ einige Eigenheiten haben, mit denen man einfach zurechtkommen muss, um sie zu mögen. Sassenberg ist zwar ein Meister im Erzeugen einer gruseligen Gänsehautatmosphäre, aber dort, wo diese nicht angebracht ist, hat er Schwächen. Ein Hörspiel kann nicht komplett von einer bedrohlichen Erwartungsspannung leben. Genau das versuchen die Sassenberg-Produktionen jedoch häufig. Wo aber die Handlung an Fahrt gewinnen soll und Spannung oder Komik vonnöten ist, da baut vor allem „Abseits“ ab. Es ist einfach nicht passend, dass selbst eher komische Passagen (wie die beim Einfangen eines Gnoms, bei dem dieser der etwas simpel gestrickten Nebenrolle ins Hinterteil beisst) mit geheimnisvollen Blätterrauschen, mystischem Donnergrollen und geheimnisvoller Hintergrundmusik unterlegt werden. Und auch dort, wo temporeiche Action eher angebracht wäre als mystisches Geraune (prinzipiell nichts dagegen, im Gegenteil, aber bitte in Maßen), plätschert die Handlung immer weiter in seinem gemessenen Erzählrhythmus vor sich hin. Tempowechsel finden fast nicht statt, obwohl gerade das die Handlung dringend nötig hätte - was es dem Zuhörer nicht immer leicht macht, seine Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten.
Trotzdem werde ich Teil zwei wohl noch eine Chance geben, in der Hoffnung, dass die Handlung noch an Fahrt gewinnt. Sollte das nicht der Fall sein, wird das meine letzte „Abseits“-Folge gwesen sein.