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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Durch kapitalistischen Erfolg zum sozialistischen Staat?, 27. Oktober 2009
Zunächst geht Schumpeter auf die marxistische Wirtschaftstheorie ein, diese lässt sich plakativ mit den folgenden Schlagworten umreissen:
- die Theorie des Klassenkampfes zwischen Kapitalisten und Arbeitern;
- die Arbeitswerttheorie, diese ist die Quelle der Ausbeutungstheorie, weil dem Arbeiter der geschaffene Mehrwert aus seiner Arbeitsleistung von den Kapitalisten vorenthalten wird;
- ein Teil des Mehrwertes wird von den Kapitalisten in Maschinen (Kapital) investiert, die erhöhte Kapitalmenge führt zu einer sinkenden Ertragsrate, daraus resultiert das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate, folglich können nur die Kapitalisten längerfristig bestehen, die einen immer größeren Kapitaleinsatz finanzieren können;
- dieser vermehrte Kapitaleinsatz bedingt die Verelendungstheorie, immer mehr Arbeit wird durch Maschinen ersetzt, daraus folgt eine fortgesetzte Senkung der Lohnsumme verbunden mit Freisetzungen von Arbeitskräften, also zu steigender Arbeitslosigkeit, der Lebensstandard der Massen wird bis zur Verelendung abgesenkt;
- dies Verelendung führt schließlich zur Weltrevolution, die Massen der Arbeiterklasse enteignen die besitzende klasse der Kapitalisten;
Die Theorie von Marx zum Arbeitswert, zu Ausbeutung und Verelendigung werden von Schumpeter kenntnisreich kritisiert und trefflich zurechtgerückt. Dabei hebt Schumpeter sehr wohl hervor, dass Marx als einer der ersten Ökonomen den Konzentrationsprozess in der Wirtschaft und die Konjunkturzyklen analysiert habe.
Den meisten Lesern, die an Ökonomie interessiert sind, werden wohl Schumpeters populären Wortfeiler der "schöpferischen Zerstörung" kennen. Dieser Slogan wird zwar viel zitiert, doch das dieser aus diesem Buch (7. Kapitel, Seite 134) stammt, das ist oftmals unbekannt.
Die Erfolgsgeschichte des Kapitalismus ist für Schumpeter durch diesen Prozess der 'schöpferischen Zerstörung' geprägt, "unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft", im Grunde findet man diesen Ansatz schon in seinem Buch 'Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung' voll entwickelt (siehe dort die Seiten 88 - 139, dabei insbesondere 103 - 107), dort ist zu lesen "Sie werden Neues schaffen und Altes zerstören".
Diese "schöpferische Zerstörung" ist für Schumpeter die Ursache der enormen Leistungsfähigkeit des Kapitalismus'. Nicht nur, dass enorme technische Fortschritte gemacht wurden, welche die materielle Wohlfahrt verstärkten und zu mehr Bequemlichkeiten führten, sondern auch die sog. sozialen Wohltaten der Regierungen seien nur durch die Erfolge der kapitalistischen Unternehmer zu finanzieren gewesen.
Dieser Erfolg des Kapitalismus' bedingt nach Schumpeter auch seinen Niedergang. Auch für Schumpeter besteht die Tendenz zu immer mehr Konzentration in der Wirtschaft, die vielen kleinen und kreativen Unternehmen werden von großen, marktbeherrschenden Riesenbetrieben übernommen und verdrängt werden. In diesen Riesenbetrieben wird der innovative Fortschritt Angelegenheit von Spezialistenteams werden, die Unternehmung wird bürokratisiert.
Die demokratischen Politiker werden ein übriges tun, weil sie nur an ihre Wiederwahl denken, wird in Demokratien die staatliche Sozial- und Wirtschaftspolitik nur im Hinblick auf die nächste Wahl betrieben und dies wird die Kräfte der freien Wirtschaft lähmen (z. B. durch Neidsteuern, wie Schumpeter dies an anderer Stelle vermerkte).
Der Unternehmertypus wird im Volk kaum noch Anhänger haben, so dass ein mehr oder weniger reibungsloser Übergang zur staatlichen Kontrolle der Wirtschaft stattfinden wird - Großbetriebe machen es leichter für die Politiker diese zu kontrollieren und zu verstaatlichen. Dies heißt dann Sozialismus, anders als Marx sich diesen dachte, aber trotzdem wäre dies eine Spielart von Sozialismus.
Das Buch lässt sich sehr gut lesen und bietet eine Fülle von Gedankengängen und Ideen, welche von Schumpeter zu einer Einheit verschmolzen worden sind. Seine Prognosen sind zwar nicht so wie er erwartet hat eingetroffen, festzuhalten bleibt aber, dass auch unsere sog. Wohlfahrtsstaaten viele Dinge beinhalten, die im Grunde zu Schumpeters Ansichten passen; z. B. höhlen die politisch Verantwortlichen der westlichen Demokratien die Verfügungsrechte über das persönliche Eigentum ständig weiter aus. Die politische Praxis der Wohlfahrtsstaaten tendiert sehr wohl in Richtung dessen, was z. B. Roland Baader 'Samtpfotensozialismus' nennt und zu Schumpeters Aussagen passt.
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18 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sozialismustheorie jenseits von Marx, 17. November 2004
Joseph Alois Schumpeter überraschte die Leser in seinem Spätwerk mit einer gewagten These. Der Ökonom, der in seinen früheren Arbeiten den Unternehmer und den Kapitalismus über alles gelobt hatte, kam plötzlich zu einem völlig entgegengesetzten Schluss: 80 Jahre nach Karl Marx stimmte er mit diesem darin überein, dass der Kapitalismus absterben und der Sozialismus aus ihm hervorgehen werde. Grund dafür sei aber keine sozialistische Revolution. In Schumpeters Theorie soll der Sozialismus sein Erstarken sozusagen einem "schlappen Kapitalismus" verdanken, der an seinen eigenen Leistungen zu Grunde gehen werde. Innovationen, die Wachstumsimpulse der Wirtschaft, würden im Kapitalismus immer weiter von der unternehmerischen Initiative weg verlagert. Der Kapitalismus würde zusehends in bürokratische Strukturen gedrängt, was ihn schließlich krepieren ließe. Vorsorglich diskreditiert Schumpeter auch noch die Demokratie als Veranstaltung des Wählerstimmenfangs zum Zweck des Machterhalts der Berufspolitiker. Auch wenn das Buch aus heutiger Sicht streckenweise veraltet erscheint, gehört es zu den bekanntesten Werken der Ökonomie, nicht zuletzt wegen der berühmten Formulierung der "schöpferischen Zerstörung", die heute jeder Wirtschaftsführer in den Mund nimmt, wenn es schmerzliche Anpassungsprozesse in der Wirtschaft zu legitimieren gilt.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Verblüffende Kehrtwendung, 9. August 2009
Schumpeters Stil kommt für heutige Wirtschaftswissenschaftler-Ohren etwas altertümlich daher und wer sich nicht speziell für ''Die Marxsche Lehre'' interessiert, sollte Schumpeters Rat im Vorwort beherzigen und Kapitel 1 bis 4 überspringen.
Danach stellt Schumpeter sehr wohlwollend die Errungenschaften des Kapitalismus dar, der trotz immer wiederkehrender Krisen eine ungeheure Steigerung des Wohlstands der Massen ermöglichte. Gerade die Armen haben vom Kapitalismus profitiert. Ein feudaler Aristokrat, der genug Geld hatte um Diener und Kerzenleuter zu bezahlen, wird das dank Kapitalismus allgemein verfügbar gewordene elektrische Licht weitaus weniger schätzen als ein Arbeiter. Dem ''Prozess der schöpferischen Zerrstörung'' folgend, sorgen im Kapitalismus wagemutige Unternehmer, ohne etwas anderes anzustreben als ihrem Profit, dafür, dass veraltete Produktionsmethoden, Produkte und Organisationsformen durch neue ersetzt werden. In einer zunächst verblüffenden argumentativen Kehrtwendung kommt jedoch Schumpeter zu dem Schluss, dass sich dieser Prozess irgendwann totlaufen wird. Deshalb verliert der Kapitalismus gewissermaßen seine Daseinsberechtigung und wird dann durch Sozialismus ersetzt.
Im Laufe der kapitalistischen Entwicklung werden nur wenige Großunternehmen übrig bleiben, die die Märkte monopolisieren. Das ist auch gut so weil gerade dadurch die Kostenvorteile durch Massenproduktion am wirkungsvollsten genutzt werden. Dem Modell der vollständigen Konkurrenz entsprach der Kapitalismus, so Schumpeter, ohnehin nie. Diese Großunternehmen werden nicht dem ''bourgoisen'' Ideal einer vom Eigentümer geführten Unternehmung entsprechen, sondern bürokratisierte Aktiengesellschaften sein, deren Chefs im Angestelltenverhältnis stehen und das Geld anderer Leute verwalten. Profitträchtige Investitionsgelegenheiten schwinden, technischer Fortschritt wird planbar und nur noch in bürokratisierten Entwicklungsabteilung der Monopolunternehmen stattfinden. Der Kapitalismus wird schließlich ohne viel Federlesen durch eine sozialistische Planwirtschaft ersetzt, die frei von krisenhaften Konjunkturschwankungen und Depressionen ist.
Im letzten Teil entwickelt Schumpeter ''eine andere Theorie der Demokratie'' die er der ''klassischen Lehre der Demokratie'' gegenüberstellt. Diese ''andere Theorie der Demokratie'' gab vielleicht den entscheidenden Anstoß für das, was heute ''Neue Politische Ökonomie'' genannt wird. Ich fand diesen Abschnitt neben dem bekannten ''Prozess der schöpferischen Zerrstörung'' den interessantesten Teil des Buchs.
Demokratischen Sozialismus hält Schumpeter, zwar grundsätzlich für möglich, jedoch nur unter sehr einschränkenden Bedingungen. Er kommt daher eher zu pessimistischen Voraussagen. Im 1942 verfassten Nachwort äußert er die Vermutung, dass durch die kriegswirtschaftlichen Maßnahmen die Fahrt zum Sozialismus überall, auch in den USA, rasant beschleunigt wird. Diese sozialistische Zivilisation wird aber nicht so aussehen wovon orthodoxe Sozialisten träumen, sondern sehr viel wahrscheinlicher faschistische Züge zeigen.
Wie wir heute wissen, haben sich die Dinge in entscheidenden Punkten - wohl eher zum Glück - nicht so entwickelt, wie es Schumpeter vorhergesehen hat. Er unterschätzte massiv die Kräfte des Wettbewerbs, der auch dann wirkt, wenn nur wenige große Unternehmen gegeneinander konkurieren. Außerdem kommen viele bahnbrechenden Neuerungen nicht geplant aus den Entwicklungsabteilungen der Großkonzerne, sondern ungeplant aus vielen kleinen "start-ups".
Nachdem ich mich an die schumpetersche Rhetorik gewöhnt hatte, fand ich in dem Buch viele interessante Ideen. Es ist auch kein ''Ideen - Sammelsurium''. Die einzelnen Teile passen gut zusammen. Die Kehrtwendung zum Sozialismus hat mich nicht wirklich überzeugt, aber viele seiner Analysen sind in sich stimmig.
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