Schmuckes Hardcoverbüchlein, bordtaugliches Format.
262 Seiten mit Werbung für mareTV und eine Monatszeitschrift.
Gekauft, wegen "Keltischem Ring", Rezensionen von Lesern und Leseempfehlungen hier.
Je mehr ich las, um so unklarer wurde mir die Schwärmerei:
Larsson gewährt hier einfach offenherzige Blicke in seine Seele.
Er wirbt für einen Herrn Martinson, aus dessen Werken er absatzweise zitiert,
jeweils zu Anfang, mittendrin und zum Ende seiner eigenen Kapitel.
Dies stellt dann auch so ungefähr Rahmen, Klammer oder Struktur seines "Kaps" dar.
Larsson liegt mit seinem Boot fest, genießt Whiskey und nutzt den bewunderten Lyriker Martinson als Buchstütze seiner Kapitel.
En passant lesen wir, was wir uns ungefähr so schon vorstellen konnten,
wie es zu dem "Keltischen Ring", seinen Figuren und Schauplätzen kam.
Interessant für Fans; bißchen schwierig für unlyrische Menschen (schätze ich).
Björn Larsson hat mein Herz wiedergewonnen, als er sich
als haftverbüßender schwedischer Totalverweigerer darstellte.
Er hatte einen klaren Moment nach 3 Tagen uniformierter Hirnerweichung.
Fragte einfach nach dem Major und stellte sich glaubhaft als
nicht hinlänglich fremdbeeinflußbar dar...
Er bezahlte mit diversen Monaten Haft nach verschiedenen Gerichtsverhandlungen,
weil so geht's ja nicht.
In einem seiner willkürlichen Kapitel zuvor hatte er sich über das
Nichtvorgesehensein von Erfüllung der Meldepflicht
an Bord eines Bootes ohne Heimathafen mokiert.
Und Gesetzesvorlagen aus 1937 zitiert,
in denen nichtseßhafte Faulpelze vermittels
mehrjährigen Lageraufenthaltes den Willen gebrochen bekommen sollten.
Das der Menschheit immanente Nomadentum beschäftigt ihn sehr.
Kap Zorn ist lautes Denken und Rechtfertigung
eines schreibenden Bootsbewohners,
der um Absolution ringt ein doch nützliches Mitglied der Menschheit zu sein.
Hihi, wenn die deutschen Overschmidt und Dunker und so segelnde Zeigefinger wären, dann Larsson wohl ein segelnder Stinkefinger.
Haha.
Und die Hills (Pete und Annie Hill) segelnde erhobene Daumen.
Und der Bobby? (Tschuldigung, bei Schenk muß ich immer an Määnzer Karneval denken.)(Oder war das Fernsehvolksmusikschlager?)
Der richtende Bobby wäre wohl kein gängiger Finger. Mehr eine Geste.
Der deutsche Bobby vielleicht als in die Magengrube (oder tiefer?) boxender Ellbogen?
So, jetzt habe ich den Karren mit verrutschenden Metaphern tief genug in den Dreck gefahren. Da muß ein frischer Kaffee her und eine neue Zigarette und dann sollte ich mich Produktiverem widmen, als ehrliche Fahrensleute zu verreißen.
Björn? Björn ist eine bereichernde Hafenbekannschaft.
Echt.
Wo ich so sinniere: Wie kann einer beschreiben, wie
im Hafen das Wasser steigt, bis die andern von ihren
Festmacherleinen fast unter Wasser gezogen werden,
ohne anzugeben, was ihn daran hinderte,
rumzulaufen und für die Anderen wenigstens das
Schlimmste verhindern zu wollen?
Ha, Du Seglerkumpel?
Wo er doch in beiden Werken von Fischern schwärmt, die ihn nicht wecken wollen, als sie die Yacht vom Päckchen verholen zum Auslaufen.
Ungelöste Praxisfrage, die mich charakterlich Wunder nimmt.
Und nach der ganzen dargelegten Theorie noch was:
Aber Björn, wenn die Schwangerschaft vorbei ist, in der Helle an Bord dauernd schlecht wird, warum dann Rustica verkaufen, Tochter Kathrine an Land aufziehen?
Ach so, "Stornoway" aus Stahl ist mittlerweile wahrscheinlich in Betrieb - ich ziehe diese Frage zurück.
Unter uns: Wie sollten hauptamtliche Bootsbewohner zu Geld (Bordkasse) und Reputation (Anerkennung) kommen, wenn nicht durch Abfassen von Literatur?
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