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Kap Hoorn
 
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Kap Hoorn [Gebundene Ausgabe]

Francisco Coloane
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 185 Seiten
  • Verlag: Unionsverlag (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 329300248X
  • ISBN-13: 978-3293002487
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,2 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Francisco Coloane
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das Herz als Faust

Francisco Coloane erzählt vom rauhen Ende der Welt

In Lateinamerika ist Francisco Coloane ein bekannter Autor. Für Pablo Neruda war er ebenso ein Begriff, wie er es für Alvaro Mutis ist, zu dessen bevorzugten Motiven auch der Seefahrer gehört. In seiner Einführung zu «Feuerland» vergleicht ihn Luis Sepúlveda mit Joseph Conrad und Herman Melville – allerdings agieren die Helden Coloanes mehr an Land als auf See. Es sind «mutige Männer, deren Herz nichts anderes als eine zusätzliche geballte Faust» ist, die auf Feuerland und auf Kap Hoorn Robben jagen oder nach Gold suchen, auf Farmen Sklavendienste verrichten oder in Banden kriminell werden. Was wir aus den Geschichten des «Wilden Westens» der USA kennen, wird hier in einer ganz eigenartigen Variante erzählt, denn noch vor den Menschen steht die rauhe Natur im Mittelpunkt, mit unerbittlich heulenden Stürmen, Schnee in hohen Verwehungen und einem für seine tückischen Strudel und Strömungen berüchtigten Meer. Immer geht es für die Beteiligten ums Überleben, sei es bei Kälte, Hunger oder Einsamkeit. Hierhin verschlägt es – zumindest in Coloanes Geschichten – nur noch die letzten der Hoffnungslosen, verzweifelte Glücksucher, deren Los eine Niete ist. Zum Beispiel Denis. Zureiter und Schlachter auf einer Farm, wegen ferner englischer Vorfahren und trotz seiner olivenfarbenen Haut immer noch Gringo genannt, will er wie so viele andere ein neues Leben beginnen. Dafür lässt er sich auf einen Aussenposten versetzen, wo doppeltes Gehalt bezahlt wird, «weil es eine teuflische Gegend ist». Die Einsamkeit will er nicht mit der Flasche überwinden wie die anderen, sondern mit seiner frisch angetrauten Frau, die bis zur Hochzeit eine Hure war. Auf dem Aussenposten hatte sich zuvor ein Chilene erhängt, ein Schotte den Verstand verloren, und bald ist es auch mit Denis soweit: Zuerst tötet er in einer Art Schlachtwahn seine Frau, dann verläuft er sich in der eisigen Steppe.

Oder die beiden Robbenjäger, die eine «kehlige Mischung aus Spanisch und Englisch» reden, wenn überhaupt, denn das ewige Alleinsein hat sie «der Gabe beraubt, Gedanken zu spinnen». Immerhin schwebt ihnen dasselbe vor, als ein entflohener Sträfling auftaucht und als Gegenleistung für Essen anbietet, sie zu einer Wurfhöhle auf einer Insel bei Kap Hoorn zu führen, in der die Robben ihre Jungen bekommen. Dort schlachten die drei ein paar Tage lang die Jungtiere ab, bevor sie noch ganz aus den Mutterleibern gekommen sind. Nach dem Robbenschlag, als es ans Teilen gehen sollte, lassen die beiden den Sträfling zurück. Coloane beschreibt das Ende dieses Mannes in wahnhaften Bildern; von den beiden andern lässt er in einem Nachsatz berichten, man habe ihren Kutter verlassen aufgefunden.

Während andere Schriftsteller die Stimmungen des Wetters zur Illustration der Gemütslage ihrer Helden verwenden, macht die Natur bei Coloane kurzen Prozess: Es ist eine endgültige Rauheit, der die kruden Gedankenrudimente seiner Figuren entsprechen. Differenzierte Empfindungen, Zärtlichkeit unter Liebenden oder Kameradschaft unter Schicksalsgefährten – das gibt es kaum in dieser Welt der Gewalt, wo ein Wortwechsel mehr Kraft kostet als ein Messerstich. Um so mehr fühlt man sich denen von Coloanes Helden verbunden, die ein wenig Menschlichkeit, Mitgefühl und Charakter bewahrt haben.

Francisco Coloane ist der Sohn eines Walfängerkapitäns, 1910 kam er auf einer der Inseln an der pazifischen Seite der patagonischen Kordilleren zur Welt, fuhr selber zur See und lebte mit den Menschen, die er in seinen Erzählungen beschreibt. Als er 1941 diese Sammlung vorlegte, galt die kurze Erzählform nicht viel in Lateinamerika: Auf den «grossen Roman» zielte der allgemeine dichterische Ehrgeiz. So brach Coloane, den Sepúlveda als einen an die zwei Meter grossen Seebären beschreibt, als ein Fremdling in eine geschlossene Szene ein und wurde für die jüngere Generation, die die übernommenen europäischen Ideale überwinden wollte, zum Vorbild.

«Die Niederlage hatte sich an ihre Fersen geheftet.» So beginnt der schon länger vorliegende Erzählband Coloanes, «Feuerland» . Auch hier sind die Helden Desperados aller Länder, die vom Leben allenfalls noch einen matten Abglanz von Glück erhoffen. Dies Buch ist kaum neuer als «Kap Hoorn» , es wurde 1956 in Santiago veröffentlicht, als Coloane schon ein populärer Schriftsteller war, und es erfüllte die Erwartungen aller, die dasselbe noch einmal wollten.

Rudolf von Bitter

Kurzbeschreibung

Vor dem unendlichen Horizont, in der Einsamkeit der Wildnis verfallen die Menschen auf Kap Horn dem grausamen Irrsinn. Mit seinem ausgeprägten Sinn für Tonlagen und seinem feinen Gespür für Figuren verleiht Coloane den vielschichtig gewebten Erzählungen eine ungeheuerliche Spannung. Die Landschaft nimmt Gestalt an, ist Schauspielerin in einem Stück ohne Ende, das sich nie wiederholt , nie ermüdet.

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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein literarischer Titan, 29. März 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Kap Hoorn (Gebundene Ausgabe)
Zersetzender Wahnwitz dämmert in die alltägliche Verlorenheit der Menschen Feuerlands und Patagoniens. Sie sind ständig gegen das Verderben ankämpfende Glücksritter inmitten einer famosen Natur, die geprägt wird von der grenzenlosen Graspampa, dunkel verschlungenen Meereskanälen, verhexten Eisbergen und geheimnisumwitterten Höhlen. Magisch und unheimlich ist der verhängnisvolle Lockruf dieser Landschaften, dem auch Schriftsteller von Rang wie Bruce Chatwin, Paul Theroux und Luis Sepúlveda gefolgt sind. Ihre Bücher gehören längst zu den Klassikern der Reiseliteratur.

Auch Francisco Coloane hat dieses Land durchstreift, und zwar oft, wie aus der abenteuerlichen Biographie des Chilenen hervorgeht. Er ist kein Schreibtischautor, er hat hier gelebt, gearbeitet, gefühlt, geatmet. So wird verständlich, warum seine unwahrscheinlich dicht gewobenen Erzählungen von der ersten Zeile an lebendig und packend sind, warum er über faszinierende Details Bescheid weis. Beispielsweise erfahren wir, daß es bei allen oberflächlichen Gemeinsamkeiten bedeutende Unterschiede zwischen den Landstrichen nördlich und südlich der Magellan-Straße gibt: Patagonien nimmt jeden auf, auch die, die in Feuerland hoffnungslos gestrandet sind.

Mit meisterhafter Sprachbeherrschung läßt Coloane keine Zweifel aufkommen, worum es geht. Für Mitleid bleibt kein Platz in dieser abgeschiedenen Welt. Der Schrei geschundener Kreaturen verhallt ungehört zwischen den bluttriefenden Schlachtwerkzeugen der Robbenjäger und Menschenmörder. Von Raubvögeln blindgehackte Schafe irren augenlos durch die Ausweglosigkeit eines Schneesturms. Der Meerestod schließt gierig gurgelnd die Wasserdecke über seinen schuldigen Opfern, brutalen Fohlenschlächtern widerfährt tödliche Gerechtigkeit in der einsamen Pampa. Coloane beschwört, ohne Pathos, das ewig gültige Naturgesetz vom Überleben in ruhigen, fast unspektakulären und gerade deshalb so spannenden Geschichten.

»Kap Hoorn« - und der ebenfalls auf deutsch erhältliche Erzählband »Feuerland« - sind eine mitreißende Hommage an den fernen Süden dieses Planeten und seine schicksalhaft mit ihm verstrickten Bewohner.

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