Handlung:
Der verurteilte Gewalttäter Max Cady (Robert de Niro) wird nach einer vierzehnjährigen Haftstraße aus dem Gefängnis entlassen. Er sinnt auf Rache gegenüber seinem damaligen Pflichtverteidiger, Sam Bowden (Nick Nolte), da dieser in seinerzeit nicht nur sein Mandat niedergelegt hatte, sondern darüber hinaus auch noch ein wichtiges Beweisstück, das möglicherweise zu einer Verringerung der Schuld Cadys geführt hätte, nicht zum Verfahren gereicht hatte.
Der religiös und philosophisch überspannte, selbstgerechte Cady, der sich daraufhin autodidaktisch juristisches Grundwissen angeeignet hatte, beginnt damit, Bowdens Familie zu verfolgen, zu belästigen und schließlich zu terrorisieren. Er versteht es dabei allerdings geschickt, seine Taten so zu verschleiern, dass man ihm nichts nachweisen kann. Der Jurist Bowden versucht zunächst, Cady mit Geld zu bestechen, damit dieser verschwindet, er merkt aber schnell, dass dies sinnlos ist. Er sieht daher keine andere Möglichkeit, als Cady im Wege der Selbstjustiz aus seinem Leben zu vertreiben. Er engagiert einen Privatdetektiv zum Schutz der Familie und zur Überwachung Cadys sowie einen Schlägertrupp, der Cady zusammenschlagen und ihm so signalisieren soll, dass er verschwinden soll. Da Cady eine Drohung Bowdens, in der diesem ihm Gewalt androht, mitgeschnitten hat, gelingt es Cady, Bowden mit seinen eigenen Waffen zu schlagen: Er erwirkt eine einstweilige Verfügung gegen Bowden mit der Auflage, dass dieser sich von ihm fernzuhalten habe. Ferner gelingt es ihm, die Spannungen innerhalb der Familie Bowdens aufzugreifen und so die einzelnen Familienmitglieder gegeneinander auszuspielen. Schließlich bricht er in das Haus der Bowdens ein und ermordet den Detektiv und die Haushälterin. Als Bowden samt Frau (Jessica Lange) und Tochter (Juliette Lewis) zu dem gemeinsamen Hausboot flüchtet, hängt sich Cady unbemerkt unter ihren Wagen und verfolgt sie. Schließlich kommt es zum gnadenlosen Finale auf dem Hausboot, bei dem sich Bowden seiner Vergangenheit endgültig stellen muss.
Kritik:
Mit "Kap der Angst" hat Regisseur Martin Scorsese einen Klassiker seines Genres geschaffen. Der über zwei Stunden dauernde Film versteht es, dem Zuschauer durchgehend eine Gänsehaut zu verschaffen und viele Schauer über den Rücken laufen zu lassen, weil einfach alles stimmt. Angeführt von einem großartig adaptierten Drehbuch, über seinem genial spielenden Antagonisten De Niro, der für seine Darstellung 1992 für einen Oscar als Bester Hauptdarsteller nominiert worden ist, bis hin zur passend eingesetzte Filmmusik, hier stimmt einfach alles. Der Zuschauer wird über die volle Laufzeit hinweg im übertragenen sinne gefesselt und unterhalten, der Film hält, was sein Titel verspricht. Er widmet sich dem fast immer aktuellen Thema der Schuld und der (Doppel)Moral und zeigt die Schwäche und gelegentliche Absurdität des (amerikanischen) Rechtssystems auf. Rechtfertigt das letzten Endes gemeinsame Versagen der drei Gewalten den Griff zur Selbstjustiz? Was zählt letztendlich - die tatsächliche Schuld oder deren Beweis?
De Niro verkörpert den brutalen und rachsüchtigen Mörder und Vergewaltiger Max Cady absolut überzeugend. Er ist geradezu erschreckend realistisch Angst einflössend und abstoßend. Man zweifelt keine Minute an seiner Boshaftigkeit und hat dementsprechend auch nicht im Ansatz Mitleid mit ihm, selbst als heraus kommt, dass der Protagonist des Films, Nick Nolte, seinerzeit als Cadys Pflichtverteidiger rechtswidrig gehandelt hat, um Cady für seine Tat ins Gefängnis zu bringen. Bowden ist jedoch nicht der strahlende Held, den man eigentlich bei einem solchen Bösewicht erwartet hätte: Er unterhält er (wohl nicht zum ersten Mal) ein Verhältnis zu einer seiner Mitarbeiterinnen und hintergeht somit seine Familie, er "verdreht" gelegentlich das Gesetz zu Gunsten seiner Mandanten, später im Film wählt er zu seinem eigenen Schutz das Mittel der Selbstjustiz, als er merkt, dass das Gesetz versagt.
Bei "Kap der Angst" handelt es sich um ein spannendes Remake des im Jahr 1962 entstandenen Films "Ein Köder für die Bestie", in welchem Robert Mitchum und Gregory Peck die Hauptrollen spielten. Beide sind hier erneut in Nebenrollen als Anwalt und Polizist zu sehen. Er kommt zwar nicht ganz an das Original heran und hat ein paar Logikfehler, nähert sich diesem aber relativ dicht an, ohne dabei wirklich nennenswerte Abschläge zu machen, nicht zuletzt dank der herausragend agierenden Darsteller. De Niro musste sich 1992 letztlich nur dem unübertroffenen Anthony Hopkins für dessen Darstellung des Dr. Hannibal Lecter in "Das Schweigen der Lämmer" im Kampf um den begehrten Academy Award geschlagen geben. Nick Nolte war im selben Jahr übrigens auch für den wichtigsten Filmpreis der Welt in der Kategorie Bester Hauptdarsteller nominiert, allerdings für den Film "Herr der Gezeiten".
Nie war es spannender, einen auf einem Stuhl sitzenden Teddybären dabei zu beobachten, ob er herunter fällt (und damit anzeigt, ob Cady in das Haus einbricht) oder nicht. Scorsese versteht es gekonnt, subtile Symbole zum Zeichen des Schreckens einzusetzen. Auch die dabei heranzoomende Kamera verfehlt ihre Wirkung nicht. Zahlreiche Überraschungsmomente und erstklassige Dialoge runden den Film ab und machen ihn zu einem wirklich sehenswerten Thriller.