Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2003
"Kanthapura" ist ein 1938 erstmals erschienener Klassiker des indischen Romans in englischer Sprache - umso erstaunlicher findet es die Rezensentin Claudia Wenner, dass er nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt. Der Roman erzählt die Geschichte eines die Nation widerspiegelnden Dorfes, das sich Mahatma Gandhis Widerstand anschließt, insbesondere in Gestalt des jungen und idealistischen Brahmanen Moorty. Als größtes Akzeptanzproblem erweise sich dabei Gandhis Ablehnung des Kastenwesens. Formal lehne sich das Werk an die epische Legendendichtung der "Sthalapurana" an; in die Erzählung einer als Erzählerin kaum hervortretenden alten Frau mischen sich, so die Rezensentin, "Zeitgeschichte, Folk-Tale und Tratsch". Dieses Buch, betont Wenner, ist nicht nur als Klassiker der indischen Literatur von Interesse, sondern als Erinnerung an einen heute verloren gegangenen Idealismus und als Mahnung in Zeiten, in denen ein Rechtsradikaler und Freund des Gandhi-Mörders wie Savarkar offiziell in die "Galerie der Nationalhelden" im indischen Parlament aufgenommen wurde.
© Perlentaucher Medien GmbH
Kurzbeschreibung
Kanthapura ein Dorf in Südindien: Moorthy, in Bombay zum Anhänger Gandhis geworden, kehrt aufs Land zurück, um hier die Ideen von Gleichheit und gewaltlosem Widerstand zu verbreiten. Als Erste schließen sich ihm die Frauen und Unberührbaren an. Wie in ganz Indien beginnen die Kolonialherren und ihre brahmanischen Handlanger, die Bewegung mit massiven Einschüchterungsversuchen zu bekämpfen.
Erzählt wird diese Geschichte von der alten Achakka. Ihre Sprache erzeugt durch ihren Rhythmus einen hypnotischen Sog und wirkt dadurch wie der Sprechgesang des Rap eminent modern.
»Rao reiht sich in die Tradition des philosophischen Erzählens Indiens ein, die er in ihrer englischsprachigen Variante begründet und deren hervorragender Vertreter er ist.« Kindlers Literaturlexikon