Wäre dies meine erste Buxtehude-CD gewesen, ich hätte einer solch süßlichen Zeitlupen-Zuckerguß-Kitschmusik ohne Umstände den Rücken gekehrt. Mißt man das am heutigen Stand der Buxtehude-Interpretation, dann hat man dies: sowohl vom Chor als auch von den Instrumenten her total überbesetzt, unstrukturiertes Zeitlupen-Tempo, in dem die musikalischen Gedankengänge eher buchstabiert als interpretiert werden. Vermittlung, Dramatik: Fehlanzeige. Auch die (schon erheblich erträglicheren) Solo-Passagen ertönen eher opernhaft interpretiert als von der Idee geleitet, geistliche Inhalte vermitteln zu wollen. Die süßliche Streicher-Soße tut noch das Ihrige dazu, das Anhören schwer erträglich zu machen. Die Noch-Existenz dieser Einspielung im Carus-Katalog, der gerade zu Buxtehude Neueinspielungen mit absolutem Referenz-Status anzubieten hat, die die hier vorliegende weit, weit hinter sich lassen, ist nur im Lichte einer Pionier-Einspielung nachvollziehbar, die am Beginn des Weges zum heutigen Werkverständnis und der daraus erwachsenen Interpretationsweise steht.