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Ein weiterer instrumentaler Reiz der CD ist die Verwendung einer originalen Silbermannorgel, welche einer der Gründe war für die Wahl des Aufnahmeorts, eine kleine Kirche in Ponitz / Thüringen. Der bezaubernde Klang dieser Orgel kommt nicht nur im Rahmen des Continuospiels, sondern auch in den obligaten Partien der Kantate BWV 49 "Ich geh' und suche mit Verlangen" wunderbar zur Geltung: Diese Solokantate für Sopran und Bass enthält als einleitende Sinfonia einen Konzertsatz, der mit dem ersten Satz des Cembalokonzerts in E-Dur BWV 1053 identisch ist. Die folgenden Sätze der Kantate entfalten eine typische barocke Brautmystik als Liebesbeziehung zwischen Jesus und der Seele. Barbara Schlick und Gotthold Schwarz brillieren hier durch souveräne Gestaltung und stimmschöne Darbietung der Arien und Rezitative. Barbara Schlicks Sopranstimme zeigt zum Zeitpunkt der Aufnahme im Jahre 1993 noch nicht so deutlich die Spuren des Verschleißes, die wenig später in den ersten Folgen von Koopmans Gesamteinspielung der Kantaten hörbar werden sollten. Eine Alternative zu ihrer Interpretation von BWV 49 in vergleichbarer Qualität ist diejenige von Nancy Argenta, gemeinsam mit Klaus Mertens. Argentas Stimme ist mit weniger Vibrato geführt als diejenige Barbara Schlicks und zu noch mehr Wohlklang fähig.
BWV 49, komponiert 1726, markiert das letzte Auftreten des Violoncello piccolo in Bachs Kantaten. In BWV 180 "Schmücke dich, o liebe Seele", wie auch BWV 115 "Mache dich, mein Geist, bereit" Teil des Choralkantatenjahrgangs 1724/25, kommt es zum ersten Mal vor. Seine solistische Stunde schlägt in dem Sopran-Arioso "Ach, wie hungert mein Gemüte" -- auf dieser CD eine erste Gelegenheit für Christophe Coin, seine glanzvolle Beherrschung dieses Instruments zu demonstrieren. Die vorausgehende Tenorarie "Ermuntre dich: Dein Heiland klopft" mit außerordentlich schwieriger obligater Traversflötenpartie offenbart, beispielsweise im Vergleich mit Karl Richters Aufnahme dieses Stücks, besonders gut die Vorzüge der historischen Aufführungspraxis: Die an die "Badinerie" aus der H-moll-Orchestersuite erinnernde Struktur der Flötenpartie, die sich manchmal mit dem Tenorsolisten in Terzen vereint, geht in Richters viel langsamerer, dickflüssiger Interpretation vollkommen verloren, und darunter leidet auch der Grundgestus dieses virtuosen Stücks, das in Coins Aufnahme von Christoph Prégardien und der Flötistin Maria Tecla Andreotti in einzigartiger Weise gemeistert wird. --Michael Wersin
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