Aus der Amazon.de-Redaktion
Viele durchaus normal begabte Europäer können nur schwer begreifen, wie die fast schon triumphale Wiederwahl von US-Präsident George W. Bush im Herbst 2004 möglich war. Dies zumal, da man hierzulande schon bei seiner ersten Wahl im Jahr 2000 nicht schlecht darüber gestaunt hatte, was sich auf der anderen Seite des Atlantiks zutrug. Doch muss man sich seiner Begriffsstutzigkeit nicht schämen! Selbst begabtere (nicht nur Ostküsten-)Amerikaner reagieren auf das nach Ansicht manches Experten spieltheoretisch absurde Wahlverhalten der Mehrheit der US-Wähler mit ratlosem Staunen.
Wie, so fragte sich etwa Thomas Frank, ist es möglich, dass Bush ausgerechnet im ärmsten County der USA über 80 Prozent der Stimmen erhält? Wie sich so viele Menschen hinsichtlich ihrer eigenen Interessen so gründlich irren könnten, sei in mancherlei Hinsicht die Frage unserer Zeit. Das ganze politische Leben Amerikas drehe sich um diese geistige Verirrung, von der er glaubt, sie sei das Fundament der amerikanischen politischen Ordnung: die Grundlage, auf der alles andere beruht. Sein Buch ist der Versuch, sich und uns zu erklären, wie es dazu kommen konnte, dass sich das republikanische Wahlvolk immer wieder und immer fragloser von evangelikal-moralinen Phrasen an die Wahlurnen locken lässt und anschließend fromm und stumm die Folgen einer ebenso desaströsen wie unfrommen Politik erträgt.
Franks Buch ist eine Mischung aus schwer zu widerlegenden Fakten, einleuchtenden Interpretationen und -- dies vor allem! -- sprachlich vorzüglich vorgetragener, ätzender Polemik (die Friedrich Griese ebenso vorzüglich ins Deutsche übertragen hat): Kansas ist bereit, lautet demgemäß denn auch das Fazit des Bandes, uns singend in die Apokalypse zu führen. Es lädt uns alle ein, mitzumachen, unser Leben hinzugeben, damit andere oben kassieren können; für immer unserem mittel-amerikanischen Wohlstand zu entsagen, um einer zornroten Phantasie von mittel-amerikanischer Rechtschaffenheit nachzujagen. -- Andreas Vierecke
Kurzbeschreibung
Warum wählen so viele Amerikaner gegen ihre wirtschaftlichen und sozialen Interessen? Das ist die Kernfrage nach Georg W. Bushs Triumph an den Wahlurnen und das fundamentale Rätsel, dem Thomas Frank sich mit seinem neuen Buch zuwendet. Wo bleibt der Aufschrei über Korruption, Selbstbereicherung und militante Politik? Warum beschäftigen sich die Leute mehr mit vermeintlichen Verletzungen der Zehn Gebote, mit Abtreibung und Homosexualität als mit der Aussicht auf weiter fallende Löhne oder das Monopol wirtschaftlicher Macht, das ihren Wohlstand und ihre Lebensweise direkt bedroht? Thomas Frank, einer der klügsten Gesellschaftskritiker Amerikas (Los Angeles Times) löst das größte politische Rätsel unserer Zeit mit einer scharfsinnigen und zugleich witzigen Analyse der konservativen Revolution in seinem Heimatstaat Kansas, dem statistisch ärmsten Staat der Region. Wie in weiten Teilen Mittelamerikas sind es hier gerade die Verlierer der Gesellschaft, die sich bedingungslos dem republikanischen Credo unterwerfen. Die Folge ist eine erstaunliche Allianz der Ärmsten mit den Reichen. Nach dem erneuten Wahlsieg Bushs eine Pflichtlektüre für alle, die die neue amerikanische Gesellschaft und ihre Werte verstehen wollen!