Zaimoglu macht sichs nicht einfach - und macht sich angreifbar. Schon klar. F¾r die ¾beralterte Lehrerschaft in Deutschen Landen ist das zu starker Tobak, was aus den M¦ulern der sich selbstbewu§t selbst so nennenden "Kanaken" motzt und quillt. Und f¾r Anh¦nger eines 70er-Jahre-Multikultis ist es sicher auch nicht erbauend, zu lesen, da§ all die M¾he mit integrativen Bauchtanzkursen und "T¾rkisch f¾r Deutsche" und hier noch ne Sambaparty und da noch ein Nachbarschaftsfest nach 20, 30 Jahren Multikulti immer noch nicht zur fl¦chigen Anpassung unserer "ausl¦ndischen Mitb¾rger" gef¾hrt hat. Aber halt: Mu§ Literatur immer "erbauend" sein und das Gutmenschentum unterst¾tzen ? Nee. Literatur mu§ auch mal einfach abbilden d¾rfen, was abgeht "drau§en im Land", mu§ auch mal k¾nstlerisch und kunstfertig zuspitzen d¾rfen, was man / frau als im Ausland geborenes oder als Kind in Deutschland lebender ausl¦ndischer Eltern geborenes "Deutschl¦nderw¾rstchen" so Tag f¾r Tag erlebt im Bimbes-Land von Kohl, Dagma Berghoff und dem Moik. Also: Der Zaimoglu hat seinen Freunden aus "Kanakistan" aufs Maul geschaut und das ziemlich genau. Damit ist er genauer als viele Politiker, die sich als "Ausl¦nderfreunde" geben und doch uns alle nur als Stimmvieh sehen und meinen. Im Gegensatz zu vielen selbsternannten "Ausl¦nderfachleuten" in Politik und Gesellschaft, l¦§t Feridun Zaimoglu junge Ausl¦nder in selbst zu Wort und Ausdruck kommen - in ihrer eigenen, manchmal radebrechenden, manchmal auch sehr poetischen, oft harten, immer treffsicheren und direkten Sprache. Zaimoglu hat diese Interviews offensichtlich literarisch bearbeitet und zugespitzt - Werner Schwab, Elfriede Jelinek und Peter Turrini lassen gr¾§en - und das ist sein gro§es Verdienst: Hier wird nicht jounalistisch exotische Subkultur abgefeiert, sondern hier wird Realit¦t lesbar, ja auch genie§bar gemacht: Kunst. Ich wette: Das ist Literatur von morgen. Ich selbst bin 28 Jahre alt und mu§ mich, zugegeben, in diese Sprache erst einlesen. Meine 15j¦hrigen Nachbarskinder verschlingen Zaimoglus B¾cher und haben mit der Sprache gar keine Probleme. So reden die eben und die haben auch schon mal "f...." gesagt - auch wenns die Lehrer und Eltern gruselt. - Aber DARAN wird das Abendland NICHT zugrunde gehen! brigens: Wers noch genauer, daf¾r nicht ganz so derb mag, der lese lieber erst einmal Zaimoglus "KOPPSTOFF" - da kommen die Frauen zu Wort. Etwas differenzierter noch, und etwas sensibler und genauer in den inhaltlichen und sprachlichen Nuancierungen. Was nicht hei§t, da§ nicht auch in diesem zweiten Buch harter Stoff geboten wird, der nicht einfach zu konsumieren ist und dre nicht jedem gefallen wird. F¾r alle Lehrer und Sch¾ler, die sich immer noch und immer wieder an den Tageb¾chern der Anne Frank und der Geschichte der "Wei§en Rose" abarbeiten, eine dringend zu empfehlende Lekt¾re: Es gibt auch HEUTE ein Deutschland, in dem nicht alles in Ordnung ist. Auch in der Literatur.