Wir sind den West Coast Trail im Herbst 2005 gewandert, nachdem wir das Vorhaben schon einige Zeit ins Auge gefasst hatten. Zu Beginn der Vorbereitungen haben wir als erste Lektüre das Buch von Wolfgang Winterhoff gekauft-damals das nach meiner Kenntnis einzig deutschsprachige. Weder hinsichtlich der für die Planung und Durchführung einer solchen Wanderung notwendigen Informationen, noch hinsichtlich des Berichts über die eigene Wanderung des Autors hat mich das Buch überzeugt. Die Angaben waren in der damals verfügbaren Auflage nicht aktuell und im Vergleich zu den tatsächlichen Gegebenheiten z.T. sogar falsch.
Der WCT ist eine anspruchsvolle Wanderung, deren Verlauf von vielen Faktoren beeinflusst wird. Der Zustand des Trails, die Wetterbedingungen und die eigene Kondition sind dabei sicherlich die wichtigsten Punkte. Ich finde es wichtig, dass ich nach der Lektüre eines solchen Buches einschätzen kann, ob die dort beschriebene Wanderung überhaupt für mich in Frage kommt und körperlich machbar ist, wofür eine möglichst objektive Darstellung erforderlich ist. Ein Extremsportler wird naturgemäß an einem anderen Punkt von Anstrengung sprechen, als ein völlig untrainierter. Und an dieser Stelle hatte ich u.a. Probleme mit dem Buch. Der Autor beschreibt hier seine eigene Wanderung, so u.a. auch, dass er am ersten Tag die erste ca. 5 Km lange Etappe von Port Renfrew aus nicht geschafft hat... Zugegeben, das ist wohl die anstrengendste Etappe des Weges. Sie ist unter "normalen" Umständen für Personen, die halbwegs körperlich fit sind und über grundlegende Wandererfahrungen verfügen, aber dennoch gut zu schaffen. Dass der Autor die Mitnahme einer Axt empfiehlt, dürfte sich bereits herumgesprochen haben. Ich will darauf auch nicht herumreiten. Doch wer den WCT gewandert ist, weiß, dass das Sammeln von Feuerholz in jeder Größe überhaupt kein Problem darstellt und eine Axt nicht nur nicht nötig ist und unverhältnismäßig viel Gewicht bedeutet, sondern überhaupt nicht weiterhilft. Da wäre, wenn überhaupt, eine kleine und leichte Bandsäge m.E. schon viel sinnvoller.
Mich hat zwar auch das weitere deutschsprachige Buch über den WCT nicht überzeugt, im Vergleich zu dem Buch von Wolfgang Winterhoff würde ich es dennoch vorziehen. Wer der englischen Sprache halbwegs mächtig ist, dem empfehle ich uneingeschränkt das Buch "Blisters and Bliss" von David Foster und Wayne Aitken, zwei WCT-Veteranen, die alles Wissenswerte humorvoll verarbeitet haben und wirklich wissen, wovon sie reden. Mehr Information ist, neben der Quelle Internet, m.E. nicht erforderlich. Was kann man dagegen von einem Buch erwarten, dessen Autor den Weg ein einziges Mal gewandert ist? Allen, die den WCT ins Auge gefasst haben, kann ich nur sagen: So schlimm, wie manchmal beschrieben, ist der Weg nicht, wenn man gut vorbereitet ist. Von einzelnen Extremberichten sollte man sich nicht abschrecken lassen.