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Kamtschatka: Roman
 
 
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Kamtschatka: Roman [Gebundene Ausgabe]

Marcelo Figueras , Sabine Giersberg
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Nagel & Kimche; Auflage: 5 (5. August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3312003776
  • ISBN-13: 978-3312003778
  • Originaltitel: Kamchatka
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 174.349 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Marcelo Figueras
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Kinderfragen und Gleichnisse tragen mit grosser Würde das Gewicht der Welt, an dem die Familie zerbricht. Sanft eskaliert der Schmerz in diesem Roman, und am Ende will er nicht mehr weichen." Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung, 27.01.07 "Das Buch ist aus zahllosen gleichberechtigten Erzählsplittern zusammengesetzt, und dass der Roman trotzdem nicht einfach in tausend Einzelteile zerspringt, so wie die Standuhr, die Harrys Vater eines Abends aus lauter Verzweiflung im Wohnzimmer zu zerlegen beginnt, ist vor allem Marcelo Figueras' sorgfältigem Umgang mit der Sprache zu verdanken." Kolja Mensing, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.06 "Figueras' Blick auf die argentinische Militärdiktatur trifft einen Ton, der noch Wochen nachklingt." Christine Pries, Frankfurter Rundschau, 14.12.06 "Zärtlich, sensibel und voll warmem Humor werden aus der Sicht eines 10-Jährigen die schrecklichen Geschehnisse nach dem Putsch der argentinischen Militärjunta 1976 geschildert, die er nur durch den Rückzug in eine Fantasiewelt verarbeiten kann. Traurig und tief bewegend." Elke Heidenreich, 21.11.06 "Man wird die Geschichte von Harrys Familie nie mehr vergessen." Marko Martin, Literarische Welt, 06.01.07

Elke Heidenreich, LESEN! (ZDF), 21. November 2006

"Zärtlich, sensibel und voll warmem Humor."

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53 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein tragischkomischer Roman über eine blutige, bitter-gefährliche Zeit, 22. November 2006
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Kamtschatka: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman spielt während der Zeit der Militärdiktatur von Jorge Rafael Videla in Argentinien. Nach dem Staatsstreich gegen Isabel Martinez Perón herrschte er von 1976 bis 1981. Das Buch des damals zehnjährigen Ich-Erzählers beginnt 1976. Nach dem Militärputsch veränderten sich sein Leben und das seiner Familie von einem Tag auf den anderen dramatisch. Nichts war mehr wie vorher. Seine politisch engagierten Eltern, er und sein kleiner Bruder, den sie ulkiger Weise Zwerg nannten, mussten Hals über Kopf aus Buenos Aires fliehen. Zuflucht fanden sie in einem abgelegen Landhaus, das ihnen Freunde zur Verfügung gestellt hatten. Der regimekritische Anwalt und die in der Wissenschaft tätige Mutter können nicht mehr an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Alle müssen außerdem ihre Namen ändern. Der Protagonist wählt den Namen Harry, der ihn an einen von ihm bewunderten Entfesselungskünstler erinnert. Der ist sein großes Vorbild, inspiriert ihn zu allerlei Fesselungskunststücken.

Harry hat sich eine tolle Lebensphilosophie zum Überleben ausgedacht, er will die Angst vergessen, hofft dadurch, dass sie dann auch verschwindet. Für die Eltern wird das Leben im Untergrund zu einer gefährlichen Angelegenheit, die Kinder machen daraus ein großes Abenteuerspiel.

Harry erinnert sich natürlich als Erwachsener zurück und schildert dieses Überleben in dem gefährlichen Exil in einem sanften, liebevollen und dankbaren Ton. Dankbar weil er überlebte. Und immer wieder unterstreicht er die gegenseitige Liebe und Achtung die in dieser Familie dominierte. Er schildert die ständige Angst die herrschte, denn man konnte ja verraten werden. Und so geschah es dann auch am Schluss. Die Eltern wurden denunziert und eines Nachts abgeholt. Man muss annehmen, dass alles dann nicht gut enden wird.

Das letzte Wort das der Vater dem Harry ins Ohr flüstert ist Kamtschatka. Kamtschatka ist ein Risikospiel um eine heiß umkämpfte Insel, das die Familie immer miteinander gespielt hat. Kamtschatka ist tatsächlich die größte Halbinsel Ostasiens, zwischen der Beringstraße und dem Ochotskischen Meer. Und in dieses Phantasiereich flüchtet Harry in seiner Verzweiflung und das ist seine Rettung.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wachsen ineinander, weil sich die Erzählperspektiven des Kindes und des Erwachsenen vermischen.

Ein rundum gut erzähltes, einfühlsam erzähltes, großartiges Buch von solcher Sogkraft, das man es, einmal mit dem Lesen begonnen, nicht aus der Hand legen wird.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein wunderabres Stück Literatur voller Lebenskraft, ein Roman voll zärtlicher Hoffnung, 31. Oktober 2007
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Kamtschatka: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der 1962 in Buenos Aires geborene Figueras arbeitete in Spanien als Journalist für verschiedene Zeitungen. Dort hat er auch schon mehrere Romane veröffentlicht und Drehbücher geschrieben, unter anderem das für "Kamtschatka". Dieser Kinofilm wurde bei der Berlinale 2003 begeistert aufgenommen und als bester ausländischer Film für den Oscar nominiert. Ungefähr zeitgleich erschien die Buchfassung von "Kamtschatka" in Madrid, dessen von Sabine Giersberg übersetzte deutsche Fassung Nagel & Kimche nun präsentiert.

Es ist die offenbar autobiographisch inspirierte Geschichte des 10 - jährigen Harry, der zusammen mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder ( "der Zwerg") vor der Militärdiktatur fliehen muß, die nach dem Putsch vom 24. März 1976 die politische Macht in Argentinien übernahm und das Land mit einem eisigen und brutalen Netz der Unterdrückung überzog.

Harrys Vater hat erfolgreich in einer Anwaltskanzlei gearbeitet, sich aber durch seine politische Einstellung und die Übernahme zahlloser Mandate zur Verteidigung von politisch Verfolgten so verdächtig gemacht, daß er seine Zulassung verliert. Einen Onkel der Familie hat die Junta sogar erschießen lassen. Harrys Mutter arbeitet in einem wissenschaftlichen Labor an der Universität, wo sie seit Jahren sich in der Gewerkschaft engagiert. Sie war es auch, die ihren eher zurückhaltenden Ehemann zu seinem politischen Engagement für die politisch Verfolgten vor Gericht motivierte. Klar, daß auch sie ihren Job verliert und unter Generalverdacht fällt.

Harrys Vater versucht zunächst, sich und seine Familie durch alle möglichen Jobs über Wasser zu halten, aber dann wird die Situation so gefährlich, daß sie über Nacht fliehen. Harry kann sich nicht von seinen Freunden verabschieden, kaum Spielzeug mitnehmen und findet zusammen mit seinen Eltern eine neue Unterkunft in einem Landhaus von Freunden, wo sie alle eine völlig neue Identität annehmen müssen. Die Diktatur ist allmächtig:

"Die Machtergreifung durch die Diktatur veränderte die Spielregeln. Meine Eltern sahen um sich herum nur Schatten. Sue wussten, daß man sie suchte -ihre Mitstreiter wurden auch gesucht-, aber sie wussten nicht, was mit denen passierte, die in die Hände des Repressionsapparates fielen. Sie lösten sich schlichtweg in Luft auf. Ihre Familienangehörigen fragten nach ihnen, aber auf den Revieren, in den Kasernen und bei den Gerichten behauptete man, nichts darüber zu wissen. Es gab keinen gültigen Haftbefehl und auch keine formellen Anklagepunkte. Ihre Namen tauchten auf keiner Gefangenenliste auf. Eine Woche nach der Verhaftung von Papas Sozius wußte niemand, wo er abgeblieben war.

Die Anfangsmonate waren Monate der Verwüstung. Viele Leute glaubten, es genüge, sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen, und sie würden in Ruhe gelassen. Sie holten sie aus ihren Wohnungen. Alle öffentlichen Orte waren gefährlich, Bars und Kinos, Restaurants und Theater, denn die Razzien konnten an jedem Ort und zu jeder Uhrzeit erfolgen. Ohne Ausweis auf die Straße zu gehen war gefährlich, denn wenn man sich nicht ausweisen konnte, war das Grund genug, auf dem Revier zu landen. Aber mit Ausweis auf die Straße zu gehen, war noch gefährlicher, denn dann kam man gar nicht erst auf das Revier; man wurde identifiziert, und puff, man löste sich in Luft auf."

Die Eltern melden die Kinder an einer katholischen Schule an und bereiten sie mit einem Crashkurs über den Katholizismus darauf vor. Nach kurzer Zeit taucht ein Jugendlicher namens Lucas im Landhaus auf, der Harrys großer Freund wird, aber bei jeder genauen Nachfrage über seine Herkunft antwortet: "Unzulässige Frage." Auch er ist politisch verfolgt und wird von Harrys Eltern beschützt, die im übrigen immer wieder tagelang im Widerstand unterwegs sind.

Lucas hat großes Verständnis für Harrys Idol, dem er nacheifert, dem Entfesselungskünstler Houdini, und trainiert regelrecht mit ihm. Er teilt auch Harrys Passion für die Beatles und die Fernsehserie "Invasion von der Wega". "Wir redeten über die Beatles, unsere vier Evangelisten; es war Lucas, der mich darauf hinwies, daß es für alle Stimmungslagen ein Lied von Beatles gibt . (Sogar für die ganz Verzweifelten, wie 'Yer Blues')"

Harry hat seit Jahren ein Lieblingsbrettspiel, das er immer mit seinem Vater spielt und das sie mit in das Landhaus gerettet haben. Es heißt TEG, Taktiken und Strategien des Krieges, in dem es darum geht, durch geschicktes Würfeln und andere Spieltaktiken andere Länder zu erobern. Auf diesem Spielfeld gibt es einen abgelegenen Landstrich namens Kamtschatka, der für Harry ein Symbol seiner Flüchtlingsexistenz wird. Einmal, als Vater und Sohn wieder spielen und der Vater nur noch das öde Kamtschatka am Rande der Welt besitzt, gibt er nicht auf und befreit sich nach langem Spiel wieder und gewinnt noch. Seinem Sohn gibt er damit ein unvergessliches Beispiel dafür, daß man niemals aufgeben darf, und Kamtschatka wird für Harry der Ort, wo er lebt und überlebt, der Ort des letzten Widerstandes. Aus dieser Kraft kann er auch den Verlust seiner Eltern überwinden, die eines Tages spurlos verschwinden...

"Kamtschatka" ist ein wunderbares Stück Literatur voller Lebenskraft, ein Roman voll zärtlicher Hoffnung. Ein Buch, das zeigt, zu welcher Kraft menschliche Phantasie fähig ist und gleichzeitig ein traurig-schönes Zeugnis von Menschen, die aufrecht dem Unrecht widerstehen und damit ihren Kindern ein lebenslang währendes Beispiel geben, das ihnen Kraft gibt zum Leben.

Die autobiographische Prägung des Buches wird bestätigt durch die abschließende Widmung des Autors:

"Ich möchte dieses Buch meiner Familie widmen: meinem Vater und meiner Mutter, meinen Onkeln und Tanten, meinen Großeltern, die meine Geschwister und mich in einem Umfeld voller Liebe aufzogen, die es möglich machte, daß unsere Seelen in den Jahren überlebten, die wir Argentinier in Kamtschatka lebten."
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29 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Krieg und Verfolgung aus der Sicht eines Kindes, 17. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Kamtschatka: Roman (Gebundene Ausgabe)
Marcelo Figueras Kamtschatka Nagel& Klimsche

ISBN-13: 978-3312003778

In diesem einmaligen Roman wird der Militärputsch von 1976 in Argentinien auf eine besondere Art und Weise verarbeitet.

Harry, der zehnjährige Sohn eines auf der Flucht vor den Militärschergen befindlichen Ehepaares, ist der Hauptprotagonist und Icherzähler.

Zu Beginn der Erzählung gibt es noch viele Freunde und Gäste im Haus der Eltern, das einen weltoffenen Horizont bietet.

Dann aber muß die Familie über Nacht ihre schöne Wohnung und allen Besitz, die Spielsachen, die Schule und Freunde in Buenos Aires verlassen.

Die Eltern, der Vater Anwalt und die Mutter Physikerin, tauchen unter dem Decknamen Vicente mit den zwei Söhnen im Alter von zehn und fünf Jahren unter. Sie finden eine Bleibe auf einem Landgut fern von Buenos Aires.

Zunächst ist für die Kinder alles ein Abenteuer.

Sie finden ein verrottetes Schwimmbad vor, in das immer wieder Kröten fallen, in dem es dreckig und stinkig ist. Aber nichts ist schöner für Harry, als sich darin zu bewegen.

In ihrem Asyl ist es still, spartanisch und geheimnisvoll. Der Vater hat seine Anwaltskanzlei verlassen, die Mutter arbeitet noch eine Weile als Physikerin an der Universität, bis auch sie ihren Job verliert. Harry ist informiert darüber, dass sie sich nirgends zu erkennen geben dürfen.

Man hört von verschwundenen Freunden und die Eltern sind immer häufiger alarmiert. Sie bieten ihren Kindern dennoch Trost und Geborgenheit.

Kinder haben die Gabe, aus allem ein Abenteuer zu machen, und das gelingt auch Harry und seinem Bruder, den man Zwerg nennt.

Insgesamt wird die Geschichte aus der Sicht eines Kindes erzählt, das wach beobachtet, interessiert und aufmerksam auf die Neuerungen reagiert, aber auch Trauer über Verlorenes empfindet.

Teilweise sind die Beschreibungen der Menschen von skurrilem Humor geprägt. Harry und sein Bruder sind immer auf Abenteuer aus, zeigen aber zugleich ein verschworenes Einvernehmen mit den Eltern, die in ihrer Not zu Kumpeln werden.

Es gibt ein Spiel, das der Vater mit den Söhnen spielt. In diesem taucht der Ausdruck Kamtschatka immer wieder auf. Es ist ein Ort letzter Einsamkeit und Zuflucht, und es ist das letzte Wort, das Harry von seinem Vater hört.

Die Diktatur und ihre Folgen mit den Augen eines Kindes gesehen vermittelt den völligen menschlichen Wahnsinn politischer Absurdität.

Das Buch liest sich spannend und ist trotz aller Dramatik voller Wärme und Menschlichkeit.
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