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Kampfkunst als Lebensweg
 
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Kampfkunst als Lebensweg [Gebundene Ausgabe]

Uschi Schlosser-Nathusius , Florian Markowetz
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 18,80 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Erfahrene Meister erzählen, wie sie ihren Lebensweg in der Kampfkunst gehen – hier im Westen. Doch wer sich in der unglaublichen Vielfalt fernöstlicher Kampfkünste orientieren will, muss auch China und Japan verstehen. Ohne die faszinierenden Welten des Dao, Qi, Zen und Bushido ist Kampfkunst nicht zu leben.

Dieser Sammelband enthält Beiträge von Rainer Jättkowski, Andreas B. Niehaus, Fritz Nöpel, Lothar Ratschke, Thomas Schmidt-Herzog, Song Chuanyu, Gerhard Walter sowie der Herausgeber.

Ein Grundlagenwerk, das dem westlichen Menschen konkrete Hilfestellung bietet beim Verständnis dessen, was Kampfkunst hier und heute tatsächlich bedeutet.

Über den Autor

--- Die Autoren ---

Rainer Jättkowski 7. Dan Kendo Kyoshi, 5. Dan Iaido. Präsident des Deutschen Kendobundes (DKenB). Nimmt seit 1976 an Europa- und Weltmeisterschaften als Wettkämpfer oder Kampfrichter teil. Lebt und lehrt in Berlin

Dr. Andreas Bernhard Niehaus 2. Dan Seiryûkai Aikijûjutsu, 1. Dan Shôtôkan Karate, studierte Japanologie an der Universität Köln, promovierte dort über die Sportphilosophie Kanô Jigorôs.

Fritz Nöpel 8. Dan Goju-Ryu. Der "Vater des Goju Ryu in Deutschland" lebte 13 Jahre lang in Japan und brachte Goju-Ryu mit nach Deutschland. Mitbegründer des Deutschen Karateverbandes. Lebt und lehrt in Kamen.

Lothar Ratschke 6. Dan Shotokan-Ryu Kase Ha, 5. Dan Shotokan im DKV, 1. Dan Okinawan Kobudo, 1. Dan Kukishin-Ryu, 1. Dan Ju-Jutsu. Langjähriger Schüler von Shihan Kase und Gründer der Okinawan Kempo Interessensgemeinschaft, deren Ziel es ist die traditionellen Kampfkünste zu bewahren.

Thomas Schmidt-Herzog 3. Toan Kwoon Do (Shaolin-Kempo), Lehrer für Zenryu Kempo und Eskrima. Regelmäßige Fortbildungsreisen nach China und Taiwan zu akademischen Studien und um die Kenntnisse in verschiedenen Kampfkünsten zu erweitern. Er studiert Sinologie an der Universität Heidelberg und schreibt seine Doktorarbeit über chinesische Kampfkünste.

Song Chuanyu Taijiquan Wu-Stil, Schülerin und Linienhalterin von Meister Ma Yueliang. Sie lehrt Taijiquan, Qi Gong und die Heilmassage Tuina. Frau Song war Professorin für Philosophie an der Tongji-Universität in Shanghai und studierte dort traditionelle chinesische Medizin. 1996 zog sie zu ihrer Tochter nach Mannheim, sie ist Gastdozentin an der Universität Heidelberg.

Gerhard Walter 7. Dan Aikidô, lehrt Aikido-Zen in seinem Dojo in Berlin-Kreuzberg. War höchster Schüler K. Asais in Deutschland und Meisterschüler bei M. Noro in Paris. Seit 1975 lebt er jährlich für einige Monate als Laienmönch in einem japanischen Zen-Kloster.

--- Die Herausgeber ---

Florian Markowetz 2. Dan Shôtôkan Karatedô, studierte Philosophie und Mathematik, promoviert in Berlin.

Uschi Schlosser-Nathusius 3. Kyu Shôtôkan Karatedô, Fernseh-Journalistin und Publizistin, Trainerin für Selbstverteidigung und Selbstbehauptung (DKV). Sie lebt in Bensheim.

Auszug aus Kampfkunst als Lebensweg von Uschi Schlosser-Nathusius, Florian Markowetz, Uschi Schlosser- Nathusius. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Scheuklappen absetzen

Florian Markowetz und Uschi Schlosser

Japaner oder Chinesen wundern sich vielleicht, dass wir an Ostern die Wiederauferstehung eines Toten feiern für uns ein gängiges Ritual. Wir wiederum staunen, wenn Japan die in einem alten Mythos erzählte Staatsgründung wie ein tatsäch- liches Datum feiert. Unsere eigenen kulturellen Muster sind uns vertraut. Wir hinterfragen sie nicht, auch wenn sie gegen jegliche Vernunft verstoßen. Fremde kulturelle oder religiöse Handlungen bleiben unverständlich, wenn wir die eigene Kultur zum Maßstab nehmen.

In den Kampfkünsten generalisieren wir gerne und sprechen von »asiatischen Werten«, egal ob wir das moderne Japan oder das antike China meinen. Kulturelle Wertvorstellungen sind nicht immun gegen Wandel, sie sind an eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort gebunden. Es gibt keinen »asiatischen Geist«, der über alle Jahrhunderte unverändert existiert. Trotzdem lassen sich Gemeinsamkeiten finden und Traditionslinien, die über die Zeit Bestand haben. Die chinesische Kultur hat alle ihre Nachbarn stark beeinflusst. Wer den fernen Osten verstehen will, muss China verstehen und vor allem eins: seine Scheuklappen absetzen.

Werte im Westen sind vom Christentum geprägt. Wenn wir untereinander über Kultur oder Gesellschaft sprechen, müssen wir nicht jedes Mal die Grundlagen unserer Zivilisation neu definieren, um uns zu verstehen. Doch wie christlich sind wir wirklich? Die meisten europäischen Staaten sind weltlich, die breite Bevölkerung ist nicht religiös. Sie hat im vergangenen Jahrhundert viele alte Werte über Bord geworfen. Gleichzeitig haben die Menschen im Westen mit der Sinnsuche in fremden Kulturen begonnen, vornehmlich in Indien und im Fernen Osten. Spirituelle Einflüsse, die als gesundheitsfördernd gelten, werden gerne übernommen. So wurden Yoga, Zen oder Qigong breiten Gesellschaftsschichten zum Begriff.

Auch die meisten Kampfkünste kommen aus Asien. Den Menschen dort sind durch ihre Weltsicht grundlegende Techniken vertraut, die wir erst lernen müssen, zum Beispiel das Atmen in die Körpermitte (japanisch hara, chinesisch dantian). Sie wissen auch, was »Einheit von Körper und Geist« bedeuten soll. Nicht dass Asiaten schlauere Menschen wären, aber sie leben in der Tradition, aus der die Kampfkünste stammen. Japaner verstehen deshalb, was mit ki gemeint ist; ebenso die Chinesen, sie sagen allerdings qi.

Chinesen müssen nicht viel über Daoismus wissen und haben doch die Grundideen verinnerlicht. Der Daoismus ist in China allgegenwärtig. Das für den Daoismus so wichtige Naturempfinden hat tiefe Spuren in Malerei, Kalligraphie oder in Filmen hinterlassen. Daoisten strebten nach dem ewigen Leben, die Strategien dazu prägen noch heute Heilkunst und Gesundheitsvorsorge durch Qigong oder Taijiquan. Doch geschieht dies nicht immer im vollen Bewusstsein des Ursprungs. Das kennen wir: Wer bei uns einen Krankenwagen ruft, denkt kaum daran, dass die Hilfsorganisation auf den Grundsätzen christlicher Nächstenliebe gründet. So ist auch nicht jeder Japaner ein vergeistigter Zen-Anhänger. Die Werte dieser Weltanschauung sind den Japanern im Alltag dennoch vertraut. Das schließt nicht aus, dass ein Europäer, der sich mit Zen beschäftigt und Zen praktiziert, einem Japaner, der sich nicht dafür interessiert, im Wissen weit voraus ist. In ähnlicher Weise haben Japaner die Werte des bushidô verinnerlicht. Diesen Ehrenkodex der Samurai betrachten viele zwar als historisch und überholt, dennoch ist die absolute Treue der Samurai ihrem Herrn gegenüber noch heute im Verhältnis von Mitarbeitern zu ihrem Chef zu finden.

In China hat sich durch Kommunismus und neuerdings Kapitalismus so vieles geändert, dass auch die Kampfkünste nicht unberührt bleiben konnten. Taijiquan zum Beispiel hat bei vielen Chinesen einen ähnlichen Ruf wie bei uns das Senioren- turnen. Dass es ein reduziertes, von den Kommunisten gestutztes Taijiquan ist, wissen sie nicht. Abmühen müssen sich vor allem die jungen Chinesen mit den tatsächlich überkommenen Werten des Konfuzianismus, dessen Ideologie die Familienbeziehungen durchdringt. Der ewige Gehorsam gegenüber Eltern und anderen Älteren macht der Jugend zu schaffen. So erzählt die Autorin eines Reisebuches, dass sie auf einer Chinareise erlebt hat, dass sogar bei reiferen Ehepaaren abends Mutter oder Schwiegermutter an die Tür klopft, um ihnen zu sagen, dass sie nun das Licht zu löschen hätten.

Weltanschauungen bleiben nicht nur in der Welt, in der sie entstanden sind, sondern wirken weit darüber hinaus, wenn sie für Menschen allgemein von Interesse sind. Dazu zählen viele Gebräuche und Ideen des Daoismus und des Buddhismus, deren ausgleichender Einfluss auf Körper und Seele von Menschen des Westens als heilsam empfunden wird. Der Buddhismus mit seinem Streben nach Erleuchtung beschäftigt schon seit Nietzsche die Geisteswelt Europas und in den 1960er-Jahren schwappte aus den USA eine Zen-Welle zu uns. Heute ist der Dalai Lama anerkannt als Inkarnation der Friedfertigkeit und als Sinn-Vermittler. Er bedauert, dass vor allem das westliche Denken geneigt ist, die Wissenschaft zu einer neuen Religion zu erheben, weil wir alte, meist religiöse Werte über Bord werfen und keine neuen ethischen Normen finden. Ähnlich analysiert der Zen-Philosoph Ikeda Daisaku, dass gewöhnlich die Denkweise, »die sich hinter schönen Phrasen über Wissenschaft und Rationalismus verbirgt, den modernen Menschen zur Abstumpfung der Gefühle, zum Verlust seiner Phantasie und zur Verarmung seines Geistes geführt hat.« Das Unbehagen asiatischer Philosophen ist in der Regel keine intellektuellenfeindliche Esoterik. Denker wie Ikeda oder der Dalai Lama sind einfach stark ver- ankert in ihrer Kultur- und Geistesgeschichte, die sich nicht so sehr an Logik und abstraktem Denken orientiert, wie es der Westen heute gewöhnt ist.

Gleichwohl: Wer im Westen traditionelle Kampfkünste lernt und lehrt, betont meist die spirituellen Einflüsse ihrer Heimat. Dies hilft, Kampfkunst neben der körperlichen auch als geistige Bereicherung zu erleben wie es die Aufsätze und Interviews in diesem Buch lebhaft beschreiben. Grundsätzlich kann Vorsicht beim Übernehmen fremder Sitten aber nicht schaden. Mit Begriffen aus dem fernöstlichen Geistesleben wird viel Schindluder getrieben, um Mitglieder für Kampfkunstvereinigungen zu werben und damit Geld zu machen. Oft müssen Schüler nach einer Weile erkennen, dass ihre Lehrer nur Halbwissen haben und dies als Wissenschaft ausgeben oder dass sie noch nie im Leben länger als drei Minuten meditiert, geschweige denn eine Ausbildung in Meditationsmethoden oder Qi-Arbeit auf sich genommen haben. Begriffe wie Zen, Dao oder Qi sind gern verwendete Etiketten, die Kundschaft anlocken sollen. Ähnliches gilt für die mancherorts gepflegte Samurai-Romantik. Ein ernsthafter Kampfkünstler muss nicht westliche Werte unkritisch durch asiatische ersetzen, um so ein besserer Mensch zu werden. Hier hilft nur: genau hinschauen und viel fragen. Auch bei uns gibt es wahrhaft wunderbare Qigong-Lehrer, Kampfkunst- und Zen-Meister. Um die Unter- schiede beurteilen zu können, ist es unerlässlich, sich mit den Grundzügen chinesischer und japanischer Geisteskultur zu be- schäftigen, auch wenn sie nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar mit Kampfkunst zusammenhängen.

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