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Kampfabsage: Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen
 
 
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Kampfabsage: Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen [Gebundene Ausgabe]

Ilija Trojanow , Ranjit Hoskote , Heike Schlatterer
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Blessing; Auflage: 1. Auflage, (24. September 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896673637
  • ISBN-13: 978-3896673633
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 14,2 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 186.209 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der angebliche Kampf der Kulturen, davon sind Ilija Trojanow und Ranjit Hoskotè überzeugt, ist lediglich eine Schimäre. Zwar werden die Autoren kaum leugnen, dass sich Menschen im Namen der Kultur gegenseitig bekämpfen. Ihr Kampf aber ist kein Ausdruck von Kultur, sondern gerade im Gegenteil das Ergebnis von Unwissen über das Werden und das Wesen der eigenen Kultur. Gegen dieses Unwissen ist dieses lesenswerte Buch geschrieben, das die vielfältigen Verknüpfungen zwischen den Kulturen und ihre gegenseitige Befruchtung anhand zahlreicher historischer Beispiele belegt.

Die im Untertitel auf den Punkt gebrachte Grundthese des Buches, der zufolge sich Kulturen nicht bekämpfen, sondern zusammenfließen, folgt einem schönen Bild, das wir hier ausführlich zitieren, weil es all das beinhaltet, was die Autoren uns anschließend ausgesprochen plastisch anhand unserer (Kultur-)Geschichte vor Augen führen: ?Je größer ein Fluß, desto irreführender sein Name. Unser geographisches Grundverständnis schreibt vor, daß die Quelle, die von der Mündung am weitesten entfernt ist, als Ursprung des Flußes zu gelten hat. Der gesamte Flußlauf trägt lediglich einen einzigen Namen. Aber kein Strom kann zu majestätischer Größe wachsen und den Ozean erreichen, ohne von Neben- und Zuflüssen gespeist zu werden: Rinnsale, Bäche, Kanäle vereinigen sich im Quellfluß, führen ihm mehr Wasser, Mineralien, Schlamm und Getier zu, als er ursprünglich hatte. Wenn der große Strom das Meer schließlich erreicht, hat er mit dem ursprünglichen Quellwasser nicht mehr gemeinsam als eine vage Erinnerung. Vermischung und Zusammenfluß haben seinen Charakter definiert, aber sein Name tut immer noch so, als hätte es diese Vermischung nie gegeben, er verschweigt seine wahre Herkunft. Um das Wesen des Flußes wirklich zu verstehen, müßte man jedoch vor allem die Stellen untersuchen, an denen Wasser zusammenfließen, müßte herausfinden, was sich ergänzt, verdrängt, erneuert.?

Und genau dies ist dies wollen Trojanow und Hoskopé mit ihrem Buch erreichen: dass wir die gegenseitigen Einflüsse und damit auch das Gemeinsame der Kulturen zu sehen, beziehungsweise danach überhaupt erst zu fragen lernen. Ob daraus tatsächlich eine Kampfabsage des Huntington?schen Kulturkampfes folgt, ist freilich eine andere Frage. -- Andreas Vierecke, Literaturanzeiger.de

Pressestimmen

»Das einzig Ewige ist die Veränderung, sagt ein altes Sprichwort. Wenn die westliche Welt sich abschotten will, so glaubt sie also an das Ende der Geschichte. Sie glaubt, dass ihr System das beste und letzte ist, dass die westliche Kultur abgeschlossen und fertig ist. Sie ist dem Tod geweiht.« (ILIJA TROJANOW )

"Kein Multikulti-Geschmuse, sondern ein unterhaltsamer und intelligenter Blick auf das Märchen von der "kulturellen Einheit"." (Stern )

"... die Grundidee, dass gerade Kulturkampf-Thesen Ausdruck der Furcht vor friedlichen Grenzauflösungen sind, wirkt in einer generell ängstlichen Zeit erfrischend provokativ." (Süddeutsche Zeitung )

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36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Als wäre unsere Erde einfach nicht für ein harmonisches Auskommen unter den Menschen bestimmt, suchte man am Ende des XX. Jahrhunderts, nachdem die überschaubare Spaltung der Welt in zwei Blöcke weggeknickt war, nach einem neuen Modell zur Kanalisierung von Feindbildern, verlässlicher als das des Kommunismus gegen den Freien Westen und nach Möglichkeit auch geschichtsträchtiger.

In dieses Konfliktvakuum schrieb ein bedarfsorientierter Bostoner Professor Huntington sein leider viel gepriesenes Buch "Clash of Civilisations' (Zusammenprall der Zivilisationen) das weltweit, also auch in Deutschland, zum Bestseller wurde. Bei uns dient es seitdem unter dem Titel 'Kampf der Kulturen', was ungenau übersetzt ist, als Grundlage von Fernsehkommentaren, wenn Hinduradikale eine Mosche niederreißen, wenn Afrikaner Schadensersatz für eine geborstene Pipeline fordern, die Tausende an Hektar ihres Lebensraumes unbewohnbar machte oder gerne auch, wenn besonders willige, bärtige Bebilderungs-Statisten irgendwo in der islamischen Welt eilends gefertigte Fähnchen und Strohpuppen verbrennen.

Gab es in den 90ern noch genügend Stimmen, die Huntingtons Bild separierter Kulturkreise widerlegen konnten und vor allem auf die praktischen Folgen solcher Theorien hinwiesen, machten schließlich die Terrorakte 2001 Huntington zum unanfechtbaren Propheten und den Kampf gegen den Terror zur Aufgabe unserer von Feindbildern abhängigen politischen Orientierung. In die eingetretene Stille unter seinen Kritikern schrieb nun ein Autoren-Duo eine hervorragende Antwort auf Huntington.

Der Titel 'Kampfabsage' wurde angesichts der Unsachlichkeit gewählt, die bereits im Moscheenbau eine 'Kampfansage' gegenüber unserer europäischen Kultur wittert. Einer der beiden Autoren, Ilija Trojanow, dürfte uns von seinen vielfältigen Veröffentlichungen der letzten Jahre bekannt sein, sein langjähriger Freund Ranjit Hoskoté ist Präsident des indischen Penclub, Kulturkritiker der 'Times of India' und einer der führenden Kunstkuratoren Indiens.

Zweiterem verdanken wir sicher das akribisch recherchierte Wissen über die Kulturkampfvertreter des ferneren Orients, wobei ihm der Nachweis gelingt, dass sowohl M.S. Golwalkar, der 'Guruji' der Hindu-Militanten, als auch Sayyid Qutub, der Begründer eines militanten Islamismus, bekennende und glühende Hitler-Verehrer waren. Der erstere in seinem Traum von einem reinrassig hinduistischen Kontinent, der von der Brut islamischer Untermenschen gesäubert werden muss, zweiterer als Vorbild für den Kampf um eine (islamische) Weltherrschaft in der es gelingt, sämtliche Andersdenkenden (Ungläubigen) auf Dauer auszumerzen.

Auf beider Lebenstraum kamen und kommen abertausende von Toten, die Opfer des 11. September mitgerechnet. Beide hätten sich sicher privat sehr gut verstanden, wie auch hinduistische und islamistische Schlägertruppen eher mit westlichen Skinheads die Kultur teilen, als etwa ein Qalandar-Sufi Pakistans mit einem Anhänger der Taliban oder ein weitgereister Literaturfreund mit einem halbalphabetischen Neonazi.

Bestechender noch, als die weitblickenden politischen Analysen, ist der Kulturbegriff der beiden Autoren: 'Kulturen bekämpfen sich nicht, Kulturen fließen zusammen' heißt es im Untertitel der Kampfabsage. Im Buch wird haarklein nachgewiesen, dass eine Kultur, die dieser Bezeichnung wert ist, erst durch die Zusammenfassung allen zu ihrer Zeit erhältlichen Wissens entsteht, und es eigentlich für eine Kultur keine fremden Kulturen gibt, sondern nur weitere Inhalte, deren Bedeutung es vorurteilsfrei zu erkunden gilt. Keine der Hochkulturen baute nicht auf früheren Kulturen auf und keine kulturelle Errungenschaft entstand reibungsfrei von Impulsen aus anderen kulturellen Regionen und Epochen.

Wer die schlüssigen und stets nachprüfbaren Genealogien von Ideen, Geisteshaltungen und technischen Erfindungen liest, bemerkt, wie viel böser Wille dazu gehört, sämtliche positiven Errungenschaften seiner 'eigenen Kultur' zuzuordnen und allen Niedergang 'fremden Kulturen' anzulasten.

Als das große Beispiel natürlich gilt der Ursprung unserer wichtigsten westlichen Werte, Wissenschaften und Wissensschulen im Mittelmeerraum des 9. bis 15. Jhdts., vorrangig im muslimischen Herrschaftsgebiet von Al Andalus, im arabisch-normannischen Kontakt auf Sizilien, so wie den Handelszentren der italienischen Stadtstaaten mit Venedig als deren kosmopolitischem Zentrum. Von einer 'lebendigen Streitkultur' ist die Rede, 'die Gelehrte in Granada, Bagdad, Palermo, Damaskus, Bologna, Paris, Venedig und Kairo einbezog."

Wir erfahren Details der Auseinandersetzung zwischen Ibn Sina, Al Ghazali und Ibn Rushd über die aristotelische Logik und über die Folgen dieser Auseinandersetzung für die christliche Scholastik, die die katholische Kirche revolutionierte und nun von 'Avicenna', 'Algezel' und 'Averroes' reden ließ, als ginge es um Autoren aus den eigenen, vatikanischen Reihen.

Trojanow und Hoskoté ziehen direkte Linien von der Renaissance, die dem scholastischen Erwachen folgte, über die Aneignung der arabischen Wissenschaftlichkeit bis in die Zeit der Aufklärung, die ohne den Anteil der Muslime und Juden nicht möglich gewesen wäre. Heute benutzt man zuweilen die Aufklärung, die man, aus welchen Gründen auch immer, eine christlich /jüdische Errungenschaft nennt, als Ausgrenzungskeule gegen die islamische Welt, die angeblich zur Aufklärung nicht fähig sei.

Mit bemerkenswertem Respekt untersuchen die beiden Autoren, was dazu geführt hat, dass der unbestreitbare Vorsprung des Islam als eurasisch / afrikanische Leitkultur ab dem 15.Jh. zerrann wie Honig in der Mittagssonne. In dem Maße, in dem die Hüter des wahren Glaubens auch in der islamischen Welt die Vertreter der Erkenntnis diffamierten und die Mystik, die dritte Kraft, den Streit zu Gunsten der Partei des Glaubens schlichtete, gingen die Geschenke an die Muslime aus der ägyptischen, griechischen, persischen, sogdischen und indischen Zivilisation weiter an den Westen, wenn auch in komprimierter und durch Hunderte von Jahren kommentierter, veredelter Form.

Der Islam verlor seine Macht in der Zeit, in der die Parteiungen der Glaubensfundamente schonungslos damit begannen, ihre falasifa (failasuf = Philosoph) der Verfolgung und Verbannung preiszugeben und sich auch in Andalusien die Mode der Bücherverbrennung durchsetzte. Der Reconquista ging eine Herrschaft besserwisserischer Hassprediger voraus. Ein sowohl von christlicher als auch von muslimischer Seite wenig beachtetes Kapitel. Auf christlicher Seite, weil es den Triumph und auf muslimischer, weil es die Opferrolle deutlich schmälert.

Eine Ethniengemeinschaft, die es fertig brachte, sich selbst einen zivilisatorischen Rahmen zu geben, wird erst dadurch zu einer Kultur, dass sie die Grenzen ihres Geistes offen hält und das Lernen von anderen, selbst gegnerischen Zivilisationen zum Motor werden lässt. Das war das große geschichtliche Verdienst der islamischen Kultur, dies nicht mehr zu beachten der Grund ihrer ab da fortschreitenden Bedeutungslosigkeit.

Zivilisationen prallen zusammen, Kulturen fließen zusammen. Verwechselt man Zivilisation mit Kultur, Verfügungsgewalt über Wissen mit dem Erwerb von Wissen, kommt es unweigerlich zu einem Krieg, den man nicht gewinnen kann. Das Resumé der Autoren : 'Den Zusammenfluss anzunehmen heißt, den Kampf abzusagen, den Kampf abzusagen, heißt den Zusammenfluss anzunehmen.'

Wenn das Buch auch mit neuen Erkenntnissen gespickt ist, liegt seine wirkliche Stärke in der Neugliederung bekannter Fakten zugunsten einer umfassenderen Sicht unserer aktuellen Weltkultur. Hier geht es nicht nur um die friedliebende Absicht, sondern um die Aufforderung, noch einmal seinen Verstand zu bemühen, bevor man ins allgemeine Kampfgezeter einsteigt.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mag Sarah Krampl TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ilija Trojanow (in Sofia geboren 1965) ist ein aus Bulgarien stammender deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Verleger. Er verbrachte seine Jugend in Nairobi in Afrika, kam dann nach Deutschland und gründete in München zwei Verlage die auf afrikanische Literatur spezialisiert sind. 1999 ging er für mehrere Jahre nach Indien. Von 2003 bis 2007 lebte er in Kapstadt. Heute lebt er in Wien.
Ich kannte diesen Autor von seinem berühmten Buch "Weltensammler" das 2006 erschien, die Leipziger Buchmesse gewann, und monatelang auf den Bestsellerlisten in Deutschland, Schweiz und Österreich stand. "Weltensammler" ist die Verarbeitung seines 2001 in Tansania unternommenen dreimonatigen Fußmarsches, wo er sich auf den Spuren des englischen Entdeckers und Orientalisten Sir Richard Francis Burton (1821-1890) begab.

Ranjit Hoskoté (1969 in Bombay/Indien geboren) ist ein englisch schreibender indischer Schriftsteller, Kulturkurator und Kulturjournalist. Er studierte Politikwissenschaften, Ästhetik und englischsprachige Literatur.

"Kampfabsage" ist der Versuch unterschiedliche Kulturen miteinander zu versöhnen. Beide Autoren begründen und beweisen, dass sich Kulturen gegenseitig beeinflussen und aufeinander aufbauen, d.h. voneinander lernen. Untergegangene Kulturformen leben in direkter oder indirekter Weise immer in der neuen Kulturform weiter. Sie vergleichen die Entstehung und das Bestehen von Kulturen mit dem Verlauf eines Flusses. Ein Fluss besteht aus mehreren Nebenflüssen, die alle in dem Hauptfluss hineinfließen. So fließen die verschiedenen Kulturen in einen Hauptfluss ein. Mit Kulturen werden hauptsächlich jene Formen betrachtet, die sich ab dem frühen Mittelalter im orientalischen Raum entwickelt haben, wie die Muslimische Kultur. Die muslimische Welt wird meiner Meinung nach zu viel betont weil versucht wird zu erklären und durch Beweise zu begründen wie und dass sich die europäische Kultur erst bilden konnte, weil die "Muslimen" und "Araber" einiges aus der griechischen Kultur übersetzten haben. Viele neue Erfindungen und Geistesrichtungen seien in der muslimischen Kultur zu finden. Es stimmt zwar, dass im Mittelalter viele bekannte Muslimen wie Ibn Sina (Avicenna) und Ibn Rushd (Averroes) lebten, aber nicht alles Neue und Kulturhafte stammt von ihnen. Wie Egon Friedell bin auch ich der Meinung, dass "Die fruchtbaren neuen Ideen stammen nie von einem einzelnen, sondern immer von der Zeit. Es ist geradezu der Prüfstein ihres Wertes, dass sie von vielen gleichzeitig gedacht werden." (Aus: Egon Friedell "Geschichte der Neuzeit"). Somit sind Textpassagen in "Kampfabsage" wie die nachfolgende zwar willkommen aber nicht verwunderlich: "Die infernalischen Regionen, der astronomische Himmel, die Kreise der mystischen Rose, die Chöre der Engel um das Zentrum göttlichen Lichts, die drei Kreise, die die Dreifaltigkeit symbolisieren ... sie alle werden von Dante genauso beschrieben, wie Ibn al-Arabi sie beschrieb", erläutert R.A. Nicholson. "Dem sei noch hinzugefügt, dass Ibn al-Arabi ebenfalls eine Beatrice hatte Nizzam, die schöne und vollkommene Tochter von Makinu'ddin - Kurz gesagt, die weitreichenden Parallelen lassen nur eine Schlussfolgerung zu: Die religiösen Legenden der Muslime müssen in den Allgemeinbestand der literarischen Kultur eingegangen sein, der den hellsten Köpfen im Europa des 13. Jahrhunderts zugänglich war".
Die jüdisch-christliche Religion wird stark in ihrem heutigen Verständnis relativiert. Die Autoren gehen sogar soweit zu behaupten man müsse bei der christlichen Religion von einem ägyptisch-persisch-jüdisch-islamisch-christlichen Erbe sprechen. Es sind zweifellos viele Elemente aus den erwähnten Kulturen in die christliche Religion eingeflossen, zweifelhaft bleibt jedoch der Versuch das Christentum zu zerstückeln. Das was mich an diese Darstellungen gestört hat, war die Angriffslustigkeit der Autoren auf alles was nicht mit Islam oder Buddhismus zu tun hat. Es ist zwar gut diese Komponenten aufzuwerten und nicht in den üblich herrschenden Konventionen stecken zu bleiben, aber man muss nicht gleich andere Sichtweisen dafür verteufeln und als falsch hinstellen. Alles lässt sich so drehen wie man es gerne sehen möchte, wenn man will. Und das tun meiner Meinung nach beide Autoren, in dem sie die ganze Kultur auf einzeln von ihnen ausgewählte Fakten begründen. Wenn sich Kulturen schon aus einem Zusammenfließen und Schmelzen mit unterschiedlichen Kulturformen ergeben, dann hätten die Autoren auch konsequent zu Ende denken sollen und die Islamische Kultur genauso als ein Produkt der Kulturenverschmelzungen darstellen sollen. Es werden viel zu oft Kulturen gegeneinander ausgespielt als zusammengeführt in der Art: diese Errungenschaft haben aber die Perser gemacht und nicht die Griechen oder diese Art zu denken stammt aber von den Araber ab und nicht von den Spaniern usw. Es wäre überhaupt nicht notwendig gewesen hier eine Kultur herauszunehmen wie die Islamische, als die bessere vorzustellen und sie vehement zu verteidigen.

Nichtsdestotrotz ist dieses Buch interessant, weil es ein neues Licht auf die Entstehung unserer abendländischen Kultur wirft und ich finde es Schade, dass die Autoren ununterbrochen nach Rechtfertigungen suchen, die aber auf Kosten anderer Kulturformen gehen. Es ist auch nicht klar herausgearbeitet worden, ob es nun mehrere Kulturformen gibt oder ob es nur eine einzige Kulturform gibt. Und wenn es nur eine einzige Kulturform gibt, wie können dann Elemente aus anderen Kulturen in dieser hineinfließen? Also das Wort "Kultur" ist nicht so einfach zu erklären wie es im Titel dieses Buches erscheint und leider wurde die Frage "Was versteht man überhaupt unter Kultur" in diesem Buch auch nicht beantwortet. Trotzdem erhält man viele Informationen über das Mittelalter, dem Buddhismus und andere geistigen Strömungen als die allgemein bekannten.

Hier noch einige Textstellen:

Europa ... benannt ist sie nach einer phönizischen Prinzessin, der Tochter des Königs Agenor, eines Sprösslings von Poseidon, dem Meer also zugewandt, der Ägypten verließ, um sich im Lande Kanaan anzusiedeln. Erstaunlich an dem Mythos von Europa ist, dass die Prinzessin nicht aufgrund einer eigenen Leistung berühmt geworden ist, sondern aufgrund dessen, was ihr angetan wurde.

Heute weiß man, dass Stämme oft von Völkerkundlern erfunden wurden, wenn sie in ihrer Klassifizierungsmanie unbekannte Gebiete einordnen wollten.

Die Vorstellung einer festgelegten Identität ist eine Schimäre. Kulturelle Existenz ist ein kumulativer Prozess. Die Politik der Identität versucht, jeden einzelnen von uns in eine bestimmte Schublade zu pressen, auf der fein säuberlich Rasse, Religion und Nationalität vermerkt sind; wohingegen das Leben uns einlädt, ja sogar verpflichtet, uns auf eine Achterbahnfahrt durch das Auf und Ab der Unterschiede zu begeben - wir haben keine Identitäten, sondern dynamische Positionen.

Individuen werden sich ihrer selbst durch ihre Verbindungen zu anderen bewusst - und nicht indem sie vor lauter Selbstüberschätzung die Bedürfnisse der anderen gar nicht mehr wahrnehmen.
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Umschlagfoto 3. April 2012
Von Anna
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist irreführend das auf dem Umschlagfoto auf der einen Seite Trojaniw und auf der anderen Seite von Schwichow steht. Man erwartet das dort Hoskoté steht.
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