Die Kernaussage, auch modernste Medizin setzt grösstenteils auf die Natur, die Selbstheilungskräfte und (Notfall-)Mechanismen des menschlichen Körpers; den Patienten medizinisch (operativ) stabilisieren, damit der Körper die Möglichkeit erhält, sich selbst zu heilen. Gleichzeit die Erkenntnis, dass mit zunehmenden Alter eben diese Fähigkeit sich selbst zu kurien abnimmt, der Organismus anfälliger wird und Heilungsprozesse dann länger dauern. Grandiose Einblicke und Aufnahmen, wenn auch zum Teil repetitiv, aus dem Inneren des Körpers, oder animativ als Computergrafik, Blutplättchen bei der Arbeit, dem Stopfen geborstener Blutgefässe, weisse Blutkörperchen (Leukozyten) als Makrophagen (Fresszellen) beim Verzehr schädlicher Eindringlinge, Bilder (animierte Röntgenaufnahmen) des menschlichen Skeletts. Und immer wieder, da Patienten real über die Zeit begleitet werden, ein Einblick in die Arbeit der behandelnden Ärzte. Alles gut gemacht, gestaffelt in Geburt, Jugendzeit etc bis ins hohe Alter, à 6 Folgen, die jeweils typische, altersspezifische Gebrechen/Krankheiten/Unfälle zeigen. Gut auch, die Signale des Körpers; erhöhter Herzschlag/Puls, oder: Wir werden bei Krankheit blass und fahl, weil der Körper bei Bedarf Blut u.a. aus dem "Organ Haut" abzieht, um andere befallene, oder lebenswichtige Organe besser mit Nährstoffen versorgen zu können.
Aber wieso, wieso nur das Ganze mit dramatischen Begleittexten richtiggehend zudaddeln und förmlich entwerten?
Ein Neugeborenes hat einen Tumor am Steissbein, der operativ entfernt werden muss. Dies ist nicht ungefährlich, da die Verwachsung über einen eigenen Blutkreislauf verfügt.
Begleittext: Ein Baby hat nur 3 dl Blut, sollte der kleine "Jimmy" bei der Operation auch nur 2 Esslöfel Blut verlieren, würde er dies nicht überleben.... Dramatik pur. Alles könnte schief gehen. Nein doch nicht. Operation gelungen, aber noch ist "Jimmy" nicht ausser Gefahr: Jetzt muss die Wunde noch am richtigen Ort genäht werden.... Yep, wie wahr, sollte die Chirurgin nämlich anstatt die Arterie zu schliessen und die Wunde, "Jimmys" Hände an die Ohren nähen, ja, bei Gott und Hippokrates und anderen, da würde der kleine "Jimmy" glatt verbluten... Und ach ja, was die Chirurgin meinte: Wir haben bei der Operation zum Glück keine Arterie verletzt, so dass keine (Blut-)Transfusion nötig wurde.
So wird alles unnötig dramatisiert; im Begleittext wird das kranke Herz eines Jungen bereits entfernt, bevor das Spenderherz eintrifft, 10-malige Einspielung des mit Sirenen heulenden Transports im Verkehr, ob das gut geht????? Die Chirurgin meint übrigens nur, wir müssen ihren Sohn narkotisieren, bevor das Spenderherz eintrifft und bittet die Eltern um Einverständnis; wäre der Entscheid, ein herzkrankes Kind, um wertvolle Zeit (Zustand/Erhalt des Spenderherzens) zu sparen, dem Risiko einer vorzeitigen Narkose auszusetzen, nicht dramatisch genug gewesen???? Während der Operation verengen sich dann Gefässe im Begleitext und die Ärzte müssen nun die entstehende Blutung stoppen... Ganz dramatisch und falsch (geschnitten) im Zusammenhang.
Auch das ständige Erwähnen, was da gerade alles schief geht, "Sie" als Zuseher warnend, neue Lebensgefahr kündend, von dem die behandelnden Ärzte aber noch nichts wissen, geht als Effekt irgendwann auf die Nerven.
Um es hier abzuküren und nicht alles zu zerfleddern:
Wieso der Titel "Kampf ums Leben"?
Wieso nicht schlicht "Fantastisches Leben", und damit, weil dramatische Effekte entfielen, etwas mehr (Basis-)Wissen und Insight vermitteln?
Oder ganz direkt:
Lässt sich Wissen und dies Leben wirklich nur reisserisch, in diesem Fall an Krankenhaus-Soaps der 50iger erinnernd, effekthaschend unterlegt, produzieren und vermarkten? Ist in diesem Fall die Medizin, das Leben, der Mensch an sich wirklich nicht spannend genug?
Müssen die Macher das schwache Herz eines Kindes wirklich als "tickende Zeitbombe" bezeichnen?
3 Sterne, weil Vieles gut gemacht; 2 Sterne Abzug für die meiner Ansicht nach unnötige Machart.
Und überhaupt gar keinen Stern für "tickende Zeitbombe".
Hiezu hätte ich eventuell Ihre Meinung gelesen; ist dies "Dramatisieren" in modernen Dokus wirklich nötig?