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Wesentlich differenzierter in der Darstellung und moderater im Ton lässt der weit gereiste Journalist aber dennoch keinen Zweifel an seiner kritischen Bewertung aufkommen. Denn ihm zufolge waren die Terrorangriffe von Manhattan und Washington nur überraschend, was ihre schreckliche Dimension anbetrifft. Ansonsten seien sie fast zwangsläufig vorherzusehen gewesen. Und: Die USA trugen laut Scholl-Latour mit ihrer Politik im Nahen und Mittleren Osten entscheidend dazu bei, dass es so weit gekommen ist.
Scholl-Latour geht in zwei Schritten vor. Im ersten Teil bietet er eine systematische Analyse, die die verschiedenen Argumentationsstränge des Buches zusammenbindet. Dort findet der Leser neben der bei diesem Thema fast schon obligatorischen Entkräftung des Anti-Amerikanismus-Vorwurfs so kluge Sätze wie: "Jede Diplomatie ist zur Ratlosigkeit verurteilt, wenn die Bewältigung politischer Konflikte die Form eines Gottesgerichts annimmt." Aber diese Erkenntnis lässt sich auch auf George Bushs Aufruf zum "Kreuzzug" anwenden.
Alle seine Talente spielt der Autor in den Länderstudien (Afghanistan, Irak, Israel, Indien, Pakistan, Usbekistan und China) aus. Auf der Grundlage seiner "Chronistentätigkeit am Ort des Geschehens, die mehr als ein halbes Jahrhundert umspannt", entsteht ein Mosaik aus historisch fundierten, aktuellen Reportagen. Scholl-Latour informiert, indem er erzählt. Dabei gelingt es ihm vielfach, seine persönlichen Eindrücke, Erlebnisse und Gespräche so miteinander zu vernetzen, dass sich immer wieder aufschlussreiche Querverbindungen ergeben.
Das Buch -- aufwändig ausgestattet mit vielen farbigen Karten und Fotos -- ist gespickt mit englischen, französischen und lateinischen Zitaten. Dieses Element der intellektuellen Selbstinszenierung des Autors werden manche Leser als Bereicherung empfinden, andere als störend. Angesichts des überzeugenden Gesamteindrucks des Buches ist dies allerdings eine lässliche Sünde. --Dr. Manfred Schwarzmeier
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
58 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Grandseigneur kein bißchen leise,
Von
Rezension bezieht sich auf: Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?: Chronik eines unbegrenzten Krieges (Gebundene Ausgabe)
Als ich in meinen jüngsten Jahren (ich bin Jahrgang 57) auf unserem neugekauften Neckermann-Schwarzweißfernseher mit Papa die ersten Nachrichtensendungen guckte, naturgemäß nichts verstand, tauchte mit der Regelmäßigkeit eines Naturgesetzes bei Berichten aus den Krisenzentren dieser Erde immer wieder ein Name auf, den ich damals nur phonetisch erfaßte, der sich aber allmählich in mein politikinteressiertes Hirn krallte: Scholl-Latour! Heute 78 ist der Mann kein bißchen leise, wohl aber kräftig weise geworden. Und bildet mit seinem neuesten Buch ein wertvolles Gegengewicht zu den oberflächlichen Jubelberichterstattungen der Billigmedien. Nachweislich kein Antiamerikaner wird sein "Auf-den-Bush-Klopfen" nur noch glaubhafter! Die Geschichte des Afghanistan-Feldzugs ist brilliant analysiert und belegt und dabei hervorragend lesbar gestaltet. Keine leichte Aufgabe bei der Komplexität des Themas. Besonders das Irak-Kapitel sollte am Vorabend eines neuen Krieges zur Pflichtlektüre erklärt werden. - Wer, wie Scholl-Latour, mehr als ein halbes Jahrhundert Weltgeschichte aktiv erlebt und kommentiert hat, denkt differenzierter, analysiert schärfer und - vorausgesetzt er besitzt das Talent - formuliert treffsicherer als die meisten, die sich hierzulande zu Äußerungen die Weltlage betreffend berufen fühlen.Kurz: Ein Weltklassebuch für alle, die sich fundiert über den Zustand einer vom Terror (jedweder Form) bedrohten Welt informieren wollen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
34 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein packendes Buch und eine unverzichtbare Lektüre,
Von Rombert (Schwerte, NRW Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?: Chronik eines unbegrenzten Krieges (Gebundene Ausgabe)
Peter Scholl-Latour ist wohl einer der besten Kenner internationaler politischer Zusammenhänge und zugleich ein Schriftsteller, der komplizierte Sachverhalte einfach, klar und ungemein spannend darstellen kann. Wie immer erhält der Leser bei Scholl-Latour Informationen und Eindrücke von vorderster Front und aus erster Hand. Geschichtliche Rückblicke erleichtern das Verständnis des Gesamtzusammenhangs. Die politische Lage in verschiedenen Krisenregionen wird mit großem Sachverstand und erstaunlicher Objektivität geschildert, nur selten äußert sich der Autor wertend. Das Urteil kann sich der Leser selbst bilden.Bei der augenblicklichen weltpolitischen Lage sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre gehören - zudem ist es so packend, dass man es kaum aus der Hand legen mag. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
40 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Diagnose der Gegenwart - wenig erbaulich aber ungemein packend,
Von
Rezension bezieht sich auf: Kampf dem Terror - Kampf dem Islam?: Chronik eines unbegrenzten Krieges (Taschenbuch)
Scholl-Latour: Kampf dem Terror - Kampf des Islam?"Das Abendland ist heute immer noch immens reich, aber es ist schwach. Ihm fehlt die moralische Substanz zur dezidierten Selbstbehauptung" schreibt Peter Scholl Latour auf S. 48 des vorliegenden Buches. Die politische Klasse ist vollkommen ahnungslos, die Bevölkerung Europas schrumpft, die Energieversorgung wird immer unsicherer, und rund um beginnen die demographisch expandierenden muslimischen Völker ihren Wanderzug nach Europa. Wie man unter diesen Umständen allen Ernstes mit der Türkei über einen EU-Beitritt verhandeln und junge deutsche Wehrpflichtige in den Hexenkessel Afghanistan werfen kann, ist für Scholl Latour unverständlich Aber was soll's "Im Abgrund der Geschichte ist Platz für alle", schreibt der Autor, und wie um dieses Valéry Zitat zu Illustrieren, führt er den Leser in seinem neuen Buch die Abgründe der Gegenwart entlang durch die Krisenherde der Welt. Dass der Zusammenprall der Zivilisationen keine Mär sondern längst Wirklichkeit ist, wird an zahlreichen Beispielen aus Afghanistan, Irak, Israel Indien/Pakistan, Usbekistan und China dargestellt, wobei es zu den Hauptvorzügen des Buches gehört, die landauf und landab heruntergebeteten Gemeinplätze der politischen Correctness am Detail zu widerlegen. Nationlbuilding in Afghanistan mit europäischer Hilfe? In Wahrheit handelt es sich bei dem Karzai Regime um eine US-Marionettenregierung, deren Mitglieder sich herunter bis zum unbedeutendsten Hilfspolizsiten auf Kosten der Bevölkerung bereichern. El Qaida, eine Terrororganisation, die die freie Welt bedroht? Aber auch ein Geschöpf der unseligen Clinton-Administration, die im Dienste der US-Ölinteressen die Taleban aufbaute und mit El Kaida eine Art plantarisches "Frankenstein Monster" ( S. 65- 68) schuf. Der Beitritt der Türkei eine Brücke der Kulturen? In Wahrheit der endgültige Sargnagel zur Selbstaufgabe Europas (S. 51ff.). Friede im Heiligen Land durch Verhandlungen und "Road Map"? Nicht mit der Hamas und der Hisbollah, gegen deren Selbstmordattentäter das erschlaffte Israel keine wirklichen Abwehrmittel besitzt. Koexistenz mit China, der künftigen Weltmacht? Nur so lange, wie China nicht mächtiger als seine Partner ist. Aber wohin treibt dei Welt, mag man Ende dieses imponierenden Buches fragen? Was ist mit den Vereinigten Staaten? Wird es den USA als Vormacht des Westens gelingen, die einmal errungenen Niveaus der Aufklärung und der Menschenrechte, der Demokratie, der Freiheit und der Mark twirtschaft zu erhalten?. Scholl Latours Antwort dazu ist zwiespältig. Nach seinem Urteil sind die USA noch immer unvergleichlich vitaler als das kränkelnde Gutmenscheneuropa, das seine moralische Inferriorität in hilflosem Antiamerikanismus austobt (vgl. 31ff.), es besitzt einen festen religiösen Rückhalt, auch wenn der Autor von der Religiosität Präsident Buschs alles andere als begeistert ist. Noch immer zieht Amerika zu seinem Nutzen die Talente der Welt an sich ( absolut lesenswert dazu Seite 351), in dem es den Begabten der Erde die Chancen gibt, die sie brauchen Auf der anderen Seite ist die große unilaterale Weltmacht USA dabei, unter der gänzlich unfähigen Regierung Bush sich überall einzumischen, sich zu verzetteln, was das Land weltweit derart in Misskredit bringt, dass man mit Anitaamerikanismus in Europa Wahlen gewinnen kann. So schwächt das große Land sich selbst für die entscheidende Auseinadersetzung der Zukunft, für den Augenblick, wenn der chinesische Koloss in absehbarer Zukunft den ersten Rang baanspruchen wird. Man sieht, es sind keine erfreulichen Nachrichten, die der Autor seinen Lesern präsentiert, aber es sind Nachrichten, die den Vorzug haben, der Welt eine kompetente und realistische Diagnose zu stellen - wobei man gar nicht weiß worüber man sich als Leser mehr wundern soll: über die Nähe des Autors zu den tatsächlichen Geschehnissen, über die geradezu alteuropäische Bildung, mit der es Scholl Latour versteht, auch die großen weltgeschichtlichen Linien zu ziehen oder über den brillanten Mix aus Reportage, Charakteristiken und Reflektionen, die das Buch von der ersten bis zur letzten Seite auszeichnen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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